Missbrauch
Ich schiebe seit langem etwas weg, weiß, ich muss hinschauen, damit die Wunde heilt. Den Vater.
Ich hatte die Aufarbeitung satt, jede Menge Worte in Therapien, mit Freund/Innen. Aufstellungen.
Ich halte es mittlerweile etwas besser aus, mit meinem Vater allein in einem Raum zu sein. Meine Abwehr ihm gegenüber bereitet mir Schuldgefühle. Er bemüht sich mir näher zu kommen, auch mir zu helfen, seit vielen Jahren, und ich bemühe mich, ihn auszuhalten, mich weniger abzuwenden.
Es nicht für möglich halten und doch sicher sein, dass mehr als subtile Grenzüberschreitungen war. Wo, wann, wie und durch wen? Ist es wichtig, Genaueres zu wissen, um es loslassen zu können?
Beide Goßväter haben mich verletzt. Mit elf oder zwölf Jahren am Fernsehsessel meines Opas, als er mir die Schenkel hinaufstreichelte und dann zugriff. Ich hörte meine Mutter und Großmutter nebenan in der Küche, hoffte, dass sie nicht hereinkämen und das sähen. Ich fühlte mich schuldig dafür, dass mein Opa so etwas machte. Ich glaube, mein Opa fragte mich leise, ob das fein wäre für mich. Und ich war stumm, erstarrt und schämte mich.
Ich schämte mich, soweit ich mich zurückerinnern kann, schon im Kindergartenalter. Nie durfte mich jemand nackt sehen. Wenn es geschah, brannte ich vor Scham. Es war wie ausgeliefert sein, wie wenn mit dem Gesehenwerden etwas Schreckliches in Gang gesetzt würde. Vor Blicken fürchtete ich mich. Berührungen und Bussis von männlichen Verwandten ekelten mich. Noch jetzt ist mir Küssen suspekt.
Ein Abschiedsbussi meines Vaters brannte noch lange auf meiner Wange. Als Kind fühlte mich unwohl, wollte nicht berührt werden. Abgegrappscht, wenn mir als Kind das Hinterteil getätschelt wurde, ich auf Opas oder Papas Schoß gezogen wurde, so wie ich es auch in meiner Umwelt beobachte, tätschelnde Väter und Töchter.
Noch immer will ich es ignorieren, dass ich missbraucht worden sein könnte. Seit Jahrzehnten schreit alles nach Aufklärung, Auflösung, damit ich mich endlich freier leben kann, mich selbst nicht mehr fessle. Etwas in mir will nicht hinschauen.
Lieber Scham lebenslang, mich verhüllen, verkleiden, einpacken, verstecken? Mich zurückziehen aus mir, dem Körper, der mich aussetzt?
Meine extreme Scham war für andere nie nachvollziehbar, brachte mir Kritik und noch mehr Augenmerk ein. Als Jugendliche sprang ich mit Jeans und T-Shirt in den See, um nicht gesehen zu werden. Ich fühlte mich, allein schon durch die Tatsache, dass mein Kinderkörper sich entwickelte, unanständig und grausig. Begehrtwerden von Freunden änderte nichts daran. Ich gab mir keine Chance.
Subtile, verschwommene Bilder und Gefühle. Mein Vater nannte mich „Schwein“, als er mich abends beim Ausziehen überraschte und ich nicht mehr die Gelegenheit hatte, den Pyjama anzuziehen. Ich war schuldig.
Schon mit 4 Jahren, davor weiß ich es nicht so genau, ekelte und schämte ich mich entsetzlich. Nie hätte ich mich in das Bett meines Vaters legen wollen. Alles war grausig, vor allem, seine Hände. Ich wunderte mich, dass andere Mädchen sich vor ihren Vätern nicht so genierten und grausten. Er brachte mich in Bedrängnis.
Mit den Jahren nahm dies nicht ab.
Mein anderer Opa, in dessen Haus wir am Dachboden wohnten bis ich fast fünf war, zwickte mich oft in den Po, ebenso mein Onkel. Als ich drei war, kam mein Bruder auf die Welt, der Thronhalter, von da an galt ich beim Großvater nichts mehr, davor war ich alles. Das falsche Geschlecht für einen italienischen Patriarchen. Es gibt Babyfotos, nackt auf Fell mit Opa, und es fühlt sich unstimmig an.
Meine Oma war in ihrer Jugend von ihrem Vater missbraucht worden, den sie abgöttisch liebte, verherrlichte, und er sie. Mein Opa und auch mein Vater hatten vermutlich wenig Chance von ihr gesehen und beachtet zu werden, sie war zu ihrem Vater hin ausgerichtet. Und sie hatte Hausfreunde, sie mochte große Männer, mein Opa war klein und ab irgendwann sehr krank. In einer Familienaufstellung sah man, dass sie nicht zu ihren Kindern blickte, sondern zitternd in die Ferne zu ihrem Vater.
Und ich trage. Übernehme.
Meine Krankheit ist gleichzeitig meine Heilung. Es ist ein- und dasselbe. Es braucht viele mutige Schritte, und Veränderung meines Selbstbilds.
Missbrauch ist ein Kernproblem, das ich als meine eigene Geißel fortsetze.
Bis wann? Wieviel Lähmung muss kommen?
Mir fallen mehrere Träume ein, die alle mit Missbrauch zu tun hatten.
Ich denke an Hypnosetherapie, an holotrophes Atmen, Leibarbeit, Maitri-Atmen, Schwitzhütte, Arbeit mit Schamanin, und daran, endlich die Bilder kommen zu lassen.
Weiß jemand eine/n gute/n Hypnosetherapeutin/en in Vorarlberg, Bodenseeraum Deutschland oder Schweiz??
Ich schiebe seit langem etwas weg, weiß, ich muss hinschauen, damit die Wunde heilt. Den Vater.
Ich hatte die Aufarbeitung satt, jede Menge Worte in Therapien, mit Freund/Innen. Aufstellungen.
Ich halte es mittlerweile etwas besser aus, mit meinem Vater allein in einem Raum zu sein. Meine Abwehr ihm gegenüber bereitet mir Schuldgefühle. Er bemüht sich mir näher zu kommen, auch mir zu helfen, seit vielen Jahren, und ich bemühe mich, ihn auszuhalten, mich weniger abzuwenden.
Es nicht für möglich halten und doch sicher sein, dass mehr als subtile Grenzüberschreitungen war. Wo, wann, wie und durch wen? Ist es wichtig, Genaueres zu wissen, um es loslassen zu können?
Beide Goßväter haben mich verletzt. Mit elf oder zwölf Jahren am Fernsehsessel meines Opas, als er mir die Schenkel hinaufstreichelte und dann zugriff. Ich hörte meine Mutter und Großmutter nebenan in der Küche, hoffte, dass sie nicht hereinkämen und das sähen. Ich fühlte mich schuldig dafür, dass mein Opa so etwas machte. Ich glaube, mein Opa fragte mich leise, ob das fein wäre für mich. Und ich war stumm, erstarrt und schämte mich.
Ich schämte mich, soweit ich mich zurückerinnern kann, schon im Kindergartenalter. Nie durfte mich jemand nackt sehen. Wenn es geschah, brannte ich vor Scham. Es war wie ausgeliefert sein, wie wenn mit dem Gesehenwerden etwas Schreckliches in Gang gesetzt würde. Vor Blicken fürchtete ich mich. Berührungen und Bussis von männlichen Verwandten ekelten mich. Noch jetzt ist mir Küssen suspekt.
Ein Abschiedsbussi meines Vaters brannte noch lange auf meiner Wange. Als Kind fühlte mich unwohl, wollte nicht berührt werden. Abgegrappscht, wenn mir als Kind das Hinterteil getätschelt wurde, ich auf Opas oder Papas Schoß gezogen wurde, so wie ich es auch in meiner Umwelt beobachte, tätschelnde Väter und Töchter.
Noch immer will ich es ignorieren, dass ich missbraucht worden sein könnte. Seit Jahrzehnten schreit alles nach Aufklärung, Auflösung, damit ich mich endlich freier leben kann, mich selbst nicht mehr fessle. Etwas in mir will nicht hinschauen.
Lieber Scham lebenslang, mich verhüllen, verkleiden, einpacken, verstecken? Mich zurückziehen aus mir, dem Körper, der mich aussetzt?
Meine extreme Scham war für andere nie nachvollziehbar, brachte mir Kritik und noch mehr Augenmerk ein. Als Jugendliche sprang ich mit Jeans und T-Shirt in den See, um nicht gesehen zu werden. Ich fühlte mich, allein schon durch die Tatsache, dass mein Kinderkörper sich entwickelte, unanständig und grausig. Begehrtwerden von Freunden änderte nichts daran. Ich gab mir keine Chance.
Subtile, verschwommene Bilder und Gefühle. Mein Vater nannte mich „Schwein“, als er mich abends beim Ausziehen überraschte und ich nicht mehr die Gelegenheit hatte, den Pyjama anzuziehen. Ich war schuldig.
Schon mit 4 Jahren, davor weiß ich es nicht so genau, ekelte und schämte ich mich entsetzlich. Nie hätte ich mich in das Bett meines Vaters legen wollen. Alles war grausig, vor allem, seine Hände. Ich wunderte mich, dass andere Mädchen sich vor ihren Vätern nicht so genierten und grausten. Er brachte mich in Bedrängnis.
Mit den Jahren nahm dies nicht ab.
Mein anderer Opa, in dessen Haus wir am Dachboden wohnten bis ich fast fünf war, zwickte mich oft in den Po, ebenso mein Onkel. Als ich drei war, kam mein Bruder auf die Welt, der Thronhalter, von da an galt ich beim Großvater nichts mehr, davor war ich alles. Das falsche Geschlecht für einen italienischen Patriarchen. Es gibt Babyfotos, nackt auf Fell mit Opa, und es fühlt sich unstimmig an.
Meine Oma war in ihrer Jugend von ihrem Vater missbraucht worden, den sie abgöttisch liebte, verherrlichte, und er sie. Mein Opa und auch mein Vater hatten vermutlich wenig Chance von ihr gesehen und beachtet zu werden, sie war zu ihrem Vater hin ausgerichtet. Und sie hatte Hausfreunde, sie mochte große Männer, mein Opa war klein und ab irgendwann sehr krank. In einer Familienaufstellung sah man, dass sie nicht zu ihren Kindern blickte, sondern zitternd in die Ferne zu ihrem Vater.
Und ich trage. Übernehme.
Meine Krankheit ist gleichzeitig meine Heilung. Es ist ein- und dasselbe. Es braucht viele mutige Schritte, und Veränderung meines Selbstbilds.
Missbrauch ist ein Kernproblem, das ich als meine eigene Geißel fortsetze.
Bis wann? Wieviel Lähmung muss kommen?
Mir fallen mehrere Träume ein, die alle mit Missbrauch zu tun hatten.
Ich denke an Hypnosetherapie, an holotrophes Atmen, Leibarbeit, Maitri-Atmen, Schwitzhütte, Arbeit mit Schamanin, und daran, endlich die Bilder kommen zu lassen.
Weiß jemand eine/n gute/n Hypnosetherapeutin/en in Vorarlberg, Bodenseeraum Deutschland oder Schweiz??