Missbrauch

  • Autor Autor Atreya
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
  • Lesezeit Lesezeit 3 Min. Lesezeit
Missbrauch

Ich schiebe seit langem etwas weg, weiß, ich muss hinschauen, damit die Wunde heilt. Den Vater.
Ich hatte die Aufarbeitung satt, jede Menge Worte in Therapien, mit Freund/Innen. Aufstellungen.
Ich halte es mittlerweile etwas besser aus, mit meinem Vater allein in einem Raum zu sein. Meine Abwehr ihm gegenüber bereitet mir Schuldgefühle. Er bemüht sich mir näher zu kommen, auch mir zu helfen, seit vielen Jahren, und ich bemühe mich, ihn auszuhalten, mich weniger abzuwenden.

Es nicht für möglich halten und doch sicher sein, dass mehr als subtile Grenzüberschreitungen war. Wo, wann, wie und durch wen? Ist es wichtig, Genaueres zu wissen, um es loslassen zu können?

Beide Goßväter haben mich verletzt. Mit elf oder zwölf Jahren am Fernsehsessel meines Opas, als er mir die Schenkel hinaufstreichelte und dann zugriff. Ich hörte meine Mutter und Großmutter nebenan in der Küche, hoffte, dass sie nicht hereinkämen und das sähen. Ich fühlte mich schuldig dafür, dass mein Opa so etwas machte. Ich glaube, mein Opa fragte mich leise, ob das fein wäre für mich. Und ich war stumm, erstarrt und schämte mich.

Ich schämte mich, soweit ich mich zurückerinnern kann, schon im Kindergartenalter. Nie durfte mich jemand nackt sehen. Wenn es geschah, brannte ich vor Scham. Es war wie ausgeliefert sein, wie wenn mit dem Gesehenwerden etwas Schreckliches in Gang gesetzt würde. Vor Blicken fürchtete ich mich. Berührungen und Bussis von männlichen Verwandten ekelten mich. Noch jetzt ist mir Küssen suspekt.

Ein Abschiedsbussi meines Vaters brannte noch lange auf meiner Wange. Als Kind fühlte mich unwohl, wollte nicht berührt werden. Abgegrappscht, wenn mir als Kind das Hinterteil getätschelt wurde, ich auf Opas oder Papas Schoß gezogen wurde, so wie ich es auch in meiner Umwelt beobachte, tätschelnde Väter und Töchter.

Noch immer will ich es ignorieren, dass ich missbraucht worden sein könnte. Seit Jahrzehnten schreit alles nach Aufklärung, Auflösung, damit ich mich endlich freier leben kann, mich selbst nicht mehr fessle. Etwas in mir will nicht hinschauen.
Lieber Scham lebenslang, mich verhüllen, verkleiden, einpacken, verstecken? Mich zurückziehen aus mir, dem Körper, der mich aussetzt?

Meine extreme Scham war für andere nie nachvollziehbar, brachte mir Kritik und noch mehr Augenmerk ein. Als Jugendliche sprang ich mit Jeans und T-Shirt in den See, um nicht gesehen zu werden. Ich fühlte mich, allein schon durch die Tatsache, dass mein Kinderkörper sich entwickelte, unanständig und grausig. Begehrtwerden von Freunden änderte nichts daran. Ich gab mir keine Chance.

Subtile, verschwommene Bilder und Gefühle. Mein Vater nannte mich „Schwein“, als er mich abends beim Ausziehen überraschte und ich nicht mehr die Gelegenheit hatte, den Pyjama anzuziehen. Ich war schuldig.

Schon mit 4 Jahren, davor weiß ich es nicht so genau, ekelte und schämte ich mich entsetzlich. Nie hätte ich mich in das Bett meines Vaters legen wollen. Alles war grausig, vor allem, seine Hände. Ich wunderte mich, dass andere Mädchen sich vor ihren Vätern nicht so genierten und grausten. Er brachte mich in Bedrängnis.

Mit den Jahren nahm dies nicht ab.

Mein anderer Opa, in dessen Haus wir am Dachboden wohnten bis ich fast fünf war, zwickte mich oft in den Po, ebenso mein Onkel. Als ich drei war, kam mein Bruder auf die Welt, der Thronhalter, von da an galt ich beim Großvater nichts mehr, davor war ich alles. Das falsche Geschlecht für einen italienischen Patriarchen. Es gibt Babyfotos, nackt auf Fell mit Opa, und es fühlt sich unstimmig an.

Meine Oma war in ihrer Jugend von ihrem Vater missbraucht worden, den sie abgöttisch liebte, verherrlichte, und er sie. Mein Opa und auch mein Vater hatten vermutlich wenig Chance von ihr gesehen und beachtet zu werden, sie war zu ihrem Vater hin ausgerichtet. Und sie hatte Hausfreunde, sie mochte große Männer, mein Opa war klein und ab irgendwann sehr krank. In einer Familienaufstellung sah man, dass sie nicht zu ihren Kindern blickte, sondern zitternd in die Ferne zu ihrem Vater.
Und ich trage. Übernehme.

Meine Krankheit ist gleichzeitig meine Heilung. Es ist ein- und dasselbe. Es braucht viele mutige Schritte, und Veränderung meines Selbstbilds.

Missbrauch ist ein Kernproblem, das ich als meine eigene Geißel fortsetze.
Bis wann? Wieviel Lähmung muss kommen?

Mir fallen mehrere Träume ein, die alle mit Missbrauch zu tun hatten.

Ich denke an Hypnosetherapie, an holotrophes Atmen, Leibarbeit, Maitri-Atmen, Schwitzhütte, Arbeit mit Schamanin, und daran, endlich die Bilder kommen zu lassen.

Weiß jemand eine/n gute/n Hypnosetherapeutin/en in Vorarlberg, Bodenseeraum Deutschland oder Schweiz??

Kommentare

M
Du hast ja alles schon zusammen getragen, was dir so zu wider WAR !!!

Es ist vorbei Atreya. Es ist genug. LEBE, Vergebe und lache.

Eine-r übernimmt in dem System immer die Rolle des Aussteigers, des nicht mehr duldens. Hinsehen. aussprechen !

Du ziehst deinen Karren aus dem Dreck, du hast genug
Mut dazu, dich in einem maroden Systems zu retten.
Und damit ja auch eine Auflösung in Gang zu setzten.
Viele die von dir beschriebene Gefühle, der brennenden Scham kenne ich auch.

Durch die Rekapitulation in meinem Leben, bin ich nochmal an alle "Orte" zurückgegangen und habe mir meinen ursprünglichen Schneid, zurückgeholt, den man mir, in meiner Unschuld geraubt hat. Eine jahrzente lange
Arbeit an mir selbst, mir zu vergeben, und die innenwohnende Verachtung loszuwerden, mit ihr lebt es sich einfach nicht gut.

Die Vergangenheit fühlt sich nun, wie etwas an, woran
ich mich zwar hin und wieder erinnere, aber sie hat keine MACHT mehr über mich. Es ist vorbei. Das innere Dasein,
ist unantastbar, unzerstörbar, wenn alle Gedanken aus dem Inventar geworfen sind, an die Dunkelheit, fängt die innere
Sonne an zu leuchten. Versprochen :-)
lieben gruß Alice
 
Hallo Atreya,

laß mir Dir sagen: Du bist nicht alleine mit diesen Gefühlen! Ich habe in meiner Kindheit auch Bekanntschaft mit einem "bösen" Onkel machen müssen und werde diese Gefühle bis heute nicht los. Und ich kannte auch einige Mädchen, die Ähnliches erlebt haben.....es ist weiter verbreitet als angenommen, befürchte ich!!!

Du möchtest die Ketten sprengen, die Dich fesseln. Dich frei fühlen, ohne Scham, ohne Schuldgefühle. Zu Dir selber finden und aus dem Käfig ausbrechen- weil.... er Dir zu eng geworden ist!
Du bist schon ein großes Stück weiter in Deiner Entwicklung und Du weißt, Du willst das so nicht mehr haben.
Und egal mit welchem Weg Du es schaffen willst, es in Dein Bewußtsein zu holen, Du schaffst es! Es wird sich genau die Türe öffnen, die Dir hilft es wahrzunehmen und damit umgehen zu können.

Warum ich Dir das schreibe?
Um auch mich selber zu einer Lösung zu bringen.
Heute ist mein 36. Geburtstag und meine Geschichte verfolgt mich noch immer in gewisser Weise. Und auch ich werde den richtigen Weg finden und endlich abschließen damit!

Alles Gute und Kopf hoch!
glasklar
 
liebe alice, liebe glasklar,
ich danke euch für eure antworten. ich habe im lauf der jahrzehnte auf verschiedene weisen hingeschaut, bin zurückgegangen, habe aufgestellt, gerätselt, geweint, verziehen, losgelassen...
ein stückweit gelöst, aber offensichtlich nicht ganz. von vielen seiten, außen wie innen, drängt es in den letzten monaten, endlich kommen zu lassen, was der größte schock war, damit ich die strukturen erkennen kann, in denen ich noch festhänge. in den letzten monaten wurde ich mehrfach auf missbrauch angesprochen.
mein verstand, meine vorstellungskraft nützen mir wenig, blocken ab, verfälschen.


Eine-r übernimmt in dem System immer die Rolle des Aussteigers, des nicht mehr duldens. Hinsehen. aussprechen !

hältst du aussprechen meinem vater gegenüber für wichtig? ich habe mit meinen eltern über den missbrauch seiner mutter und die lieblosgkeit, in der er aufgewachsen ist gesprochen. das andere ist, da bin ich wieder beim Punkt, mir peinlich, ich weiß nicht einmal, was das kerngeschehen zw. meinem vater und mir war. ekel, scham, schuldgefühle, ablehnung, wut , angst lassen darauf schließen, dass sich das wesentliche noch meinem bewusstsein entzieht, auch wenn jede menge bilder da sind, folgen, glaube ich.

ich freue mich, dass der körper zwar schmerzlich und krank genug, aber doch immer mehr meiner wird, im sinn von: auch von mir geliebt und geschätzt. ich fühle mich mehr drinnen. trotzdem ist die tendenz, mich/geist rauszubeamen und ihn zu übergehen, noch stark. ich habe den eindruck, solange so viele eigensabotageakte laufen, die meinem heilungsprozess blockieren, war ich noch nicht dort.
ich will nichts aufplustern. die vergangenheit hat noch macht über mich, hinreichend viel. und das brutale ist: die fortschreitende neurologische verschlimmerung vermittelt mir gefahr in verzug, zeitnot. vom rollstuhl wieder raus zu kommen, ist vermutlich schwieriger als nicht hinein zu gelangen.

ff
 
Das innere Dasein ist unantastbar, unzerstörbar, wenn alle Gedanken aus dem Inventar geworfen sind, an die Dunkelheit, fängt die innere Sonne an zu leuchten. Versprochen :-)
ja, unbedingt, alice, und danke, die hand drauf.
ich spüre sie , die sonne in mir, und kraft, es ist, wie wenn ich noch ein wenig hifllos in der gegend rumstehe, weil ich nicht weiß wie die letzten schritte gehen. oder aber: ich mache mir was vor.

alles gute zum geburtstag, liebe glasklar, und ich wünsche dir ebenfalls das beste für deinen weg!

Du möchtest die Ketten sprengen, die Dich fesseln. Dich frei fühlen, ohne Scham, ohne Schuldgefühle. Zu Dir selber finden und aus dem Käfig ausbrechen- weil.... er Dir zu eng geworden ist!
Du bist schon ein großes Stück weiter in Deiner Entwicklung und Du weißt, Du willst das so nicht mehr haben.
Und egal mit welchem Weg Du es schaffen willst, es in Dein Bewußtsein zu holen, Du schaffst es! Es wird sich genau die Türe öffnen, die Dir hilft es wahrzunehmen und damit umgehen zu können.

es öffnen sich türen, manchmal bin ich mir nicht sicher , welche es ist, und ob ich abgelenkt werde, um eben nicht durch die hilfreichste zu gehen. vielleicht bäumt sich auch kurz vor dem ziel alles in mir widerstrebende nochmals auf, und darum scheint das ziel ferner als es ist.

alles liebe und es ist schön, dass ihr an mich glaubt, wenn ich das richtig sehe, dass ich es schaffen kann

atreya
 
liebe Allegrah,
ich danke dir für deine Zeilen, da wartet noch viel auf mich in mir, ich bin dran und oft auch am Ausweichen. Das schwarze Loch wartet oder mehrere, dass ich endlich eintauche und durch, damit es sich auflösen kann. Spannend find ich, dass es sich wirklich wie schwarze löcher, mit unheimlich bedrohlichen Sog anfühlt und zeigt.

Frage niemanden, warum du dich fühlst, wie du dich fühlst. Gehe in Liebe zu dir auf dich selbst ein, um in Liebe aufsteigen zu lassen, was nach oben will aber durch negative Betrachtung (Angst) nicht kann. Habe keine Angst vor dem, was nach oben steigen kann. Was dich nicht umbringt, kann dich nur stärken.

ja

Umarmen und loslassen, Atreya,...umarmen und loslassen, meine liebe Freundin.
Was kannst du verlieren, wenn du dich vertrauensvoll in dich selbst fallen lässt?
Du kannst nur gewinnen, auch wenn das vorübergehend an Schmerz gebunden ist.

ja, eben. und wovor renne ich davon? warum mach ich es nicht? spring immer wieder ab vom schon fahrenden zug? Angst, vor was denn. –
ich heiße den schmerz ja einerseits willkommen , , froh, wenn er sich unmittelbar zeigt. Meistens ist gerade dann nicht die gelegenheit zuzulassen, was kommen mag, speziell, wenn es alte tränen sind . ich spüre die wegweiser, markant genug, beruhgend, dass , was sich begonnen hat zu zeigen, nicht mehr im meer versinkt, sondern hartnäckig wiederkommt bis „erledigt“, sozusagen die luft draußen ist, die es so aufbläht .

ff
 
Frage niemanden ausser dich selbst, was dich in dir bedrückt. Ein jeder könnte dir seine Vermutung offenbaren, nur nicht dich selbst.....das kannst nur du und du kannst das....glaube an dich, liebe dich.

ja , du hast recht, ich weiß. Vielleicht geht es manchmal auch darum, einfach auszusprechen, was heraus will.

ich bin berührt von deiner und den anderen antworten und finde es wunderschön, dass du / ihr an mich glaubt.
es war schon so, dass ich so erschöpft war und es so aussichtslos aussah, und ich fassungslos war und fast am aufgeben und mein älterer sohn sagte: Ich weiß, dass du es schaffst, mach es, halt einfach durch., ich glaube an dich.
Das war so berührend und gab mir den stab wieder zurück in meine hand, zum weitergehen .
und lieben.

Alles liebe
atreya
 
Danke für die Fliege, Allegrah, gefällt mir gut. und erst eine mücke.

Versuche keine Züge mit dem Lasso einzufangen.....lass sie weiterfahren und bleib in Frieden mit dem, was du bist, was am Bahnhof steht und ihnen zuschaut.

Die Zeit kann deine Freundin werden, wenn du sie verstehst.

manchmal gelingt es mir, manchmal nicht und es scheint wichtig, wo hineinzugehen, damit es den schrecken verliert. vielleicht im sinn von akzeptieren, dass es war und vorbei ist. Danke dir.

Gracias a la vida Mercedes Sosa y Violeta Parra
http://www.youtube.com/watch?v=KktrGrx6qHM

lieben gruß
 

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