https://www.theeuropean.de/markus-ross/das-kleine-einmaleins-der-oekonomie-ii/
Adam Smith (1723-1790), Schottischer Philosoph und Wirtschaftspionier, Foto: imago images / United Archives International
“Die Kunst der Wirtschaftswissenschaften besteht darin, nicht nur die kurzfristigen Folgen, sondern vor allen Dingen die längerfristigen Wirkungen einer Maßnahme oder Vorgehensweise zu beachten, sie besteht auch darin, die Wirkungen der Maßnahmen nicht nur auf eine Interessengruppe, sondern auf alle Gruppen zu berücksichtigen.“
Henry Hazlitt
Markt und Arbeitsteilung
Wir betrachten nachfolgend einige Segmente des ökonomischen menschlichen Handels genauer, um die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen zu können und Lösungsansätze zu entwickeln zur Bewältigung und zur Vermeidung von Krisen.
Schon in der Kleinfamilie beziehungsweise der Kleingruppe der Jäger- und Sammlerzeit kam es zu Arbeitsteilung, da ein Mensch allein aus eigener Kraft kaum in der Lage ist, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen. Der eine jagte, der andere sammelte Beeren, wieder andere kümmerten sich um die Familie und andere Dinge – es wurden mithin ‚Waren‘ und ‚Leistungen‘ getauscht. Die Tauschbeziehung gilt insofern als die grundlegendste Form sozialen Austauschs. Sie findet, wie bereits eingangs erwähnt, an einem wie auch immer gearteten ‚Markt‘ statt, an dem Güter und Leistungen entweder direkt gegeneinander getauscht werden oder über den Umweg von ‚Geld‘. Märkte können lokal, regional oder international sein. Silber- und Goldmünzen wurden zum Beispiel schon immer über Landesgrenzen hinweg akzeptiert als werthaltiges, allseits gültiges Zahlungsmittel.
Der Markt ist der Dreh- und Angelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns, zu dem im zeitlichen Ablauf Produktion, Vertrieb beziehungsweise Verteilung und Konsum gehören.
Bei einem Tausch am Markt werden letztlich immer Güter und Leistungen gegeneinander getauscht, wenn auch heute in der Regel über den Umweg über Geld, das ‚zwischengeschaltet‘ wird, um die Abwicklung zu erleichtern.
Auf einem Markt wird immer ‚Positiver Nutzen‘ (Vorteile) gegen ‚Negativen Nutzen‘ (Nachteile) getauscht. Man erhält eine Ware (Vorteil) im Tausch gegen ein anderes Gut (Nachteil), das man weg gibt. Das kann auch Geld sein.
Beim Arbeiten tauscht man Freizeit gegen Lohn, der in Geld ausbezahlt wird. Dieses Geld benutzt man dann um die Miete zu bezahlen (das Gut ‚Wohnen‘), Essen, Kleidung, Auto, Konsumgüter. Das sind alles Dinge, die einen ‚Wert‘ haben, sogenannte ‚ökonomische Güter‘, die nicht frei erhältlich sind, wie zum Beispiel Luft oder Meerwasser. Was die einzelnen Güter und Dienstleistungen wert sind, hängt von den subjektiven Empfindungen und Entscheidungen der Marktteilnehmer ab, die sich letztlich bei einem ‚Marktpreis‘ zusammenfinden. Es gibt keinen dauerhaft festen Wert von Gütern und Leistungen. Alles ist im Fluss. Wenn sich der Geschmack der Leute ändert oder es technologische Neuerungen gibt, verlieren einstmals begehrte Güter schnell an Wert. Seitdem es Smartphones gibt, interessiert sich kaum noch jemand für andere Mobiltelefone, DVDs waren der Untergang der Videokassetten, CDs brachten die Nachfrage nach Schallplatten fast komplett zum Erliegen.
In der Wüste auf der anderen Seite würde ein Verdurstender einem anderen für einen Schluck Wasser Millionen in Diamanten geben.
Wie bereits oben erwähnt, beschäftigte sich schon im Alten Griechenland der berühmte Philosoph und Naturforscher Aristoteles (385 – 383 vor Christus) mit dem Wert von Gütern und unterschied zum Beispiel den ‚Gebrauchswert‘ vom ‚Tauschwert‘. Der Gebrauchswert einer Sache beschreibt den Nutzwert für einen Anwender, also zum Beispiel einer Nadel für eine Näherin oder von Hammer und Säge für einen Schreiner; der Tauschwert dagegen ist das, was man für ein bestimmtes Gut zu einem bestimmten Zeitpunkt als Gegenwert erhält. Beide Werte ändern sich über die Zeit, für eine wirtschaftliche Betrachtung ist aber an sich nur der Tauschwert relevant. Untauglich für eine realistische Bewertung von Gütern ist zum Beispiel die Frage, wie viel Arbeit erforderlich ist, um ein bestimmtes Gut zu produzieren oder wie viel Arbeit der Einsatz dieses Gutes dem Anwender erspart.
Als „Gut“ definiert man etwas, das knapp ist, das in Besitz genommen werden kann, das zum Erreichen eines Ziels eingesetzt werden kann und einen Wert hat.
Kein ‚Gut‘ in diesem Sinne sind z.B. die Luft in der Umwelt, Regenwasser, Meerwasser.
Man unterscheidet auch zwischen ‚privaten Gütern‘ und ‚öffentlichen Gütern‘. Ein öffentliches Gut ist zum Beispiel ein ‚Leuchtturm‘, den jeder Kapitän eines vorbeifahrenden Schiffs nutzen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. Nicht jedes ‚öffentliche‘ Gut muss allerdings zwingend vom Staat bereitgestellt werden müsste; private ‚Gönner‘ und Philanthropen könnten dazu durchaus auch bereit sein.
„Ein Ding wird zum Mittel, indem menschliches Denken es zur Erreichung eines Zweckes einzusetzen plant und menschliches Handeln es zur Erreichung eines Zweckes einsetzt.“
Ludwig von Mises
Wenn der Preis, der Wert, eines Gutes, von einer Regierung willkürlich festgesetzt wird (abweichend vom dem Preis, der sich über Angebot und Nachfrage ‚am Markt‘ bilden würde), kommt es zu erheblichen Fehlentwicklungen: wenn der Staat, das heißt die Regierung oder Planungsbehörde, die Preise zu niedrig ansetzt, kaufen die Konsumenten möglichst viel davon und mehr als sie normalerweise benötigen, was schnell dazu führt, dass die Regale ausgeräumt sind und einige Menschen leer ausgehen. Wenn die Preise zu hoch angesetzt werden, weichen die Kunden wenn möglich auf andere vergleichbare Waren aus; die zu teure Ware bleibt ungenutzt liegen, Kapital, das an anderer Stelle benötigt wird, bleibt ungenutzt.
(es gab zum Beispiel mal die Situation, dass eine Regierung die Preise für Brot so niedrig ansetzte, dass die Menschen das Brot kauften und an ihre Tiere verfütterten, eine riesige Verschwendung von Ressourcen).
Staatliche Eingriffe in die Preisentwicklung – seien es Mindestlöhne, Mietpreisdeckelung oder Höchstpreise für Waren – führen in der Regel bald zu Ausweichbewegungen. Wenn Preise zu niedrig angesetzt werden, werden Produzenten die entsprechenden Waren nicht mehr zu diesen Preisen anbieten, es entstehen ‚Schwarzmärkte‘, an denen die Preisvorgaben umgangen werden. Auch wenn der Staat in die Preise zu stark mittels Steuern und Abgaben eingrifft, kommt es zu entsprechenden Ausweichbewegungen. Im Bereich der Löhne zum Beispiel kommt es dann vermehrt zu Schwarzarbeit, es entsteht eine ‚Schattenwirtschaft‘. Die Realität lässt sich eben nicht unbegrenzt ‚verbiegen‘, die Menschen suchen immer nach Ventilen für ihre Frustration oder zur Abwehr von Maßnahmen, die sie für unbillig halten.
Wer die Wirtschaft versklavt und reglementiert, versklavt letztlich die Menschen. Wenn die Produktion und der Handel in den Händen der Regierung liegt und die Bürokraten über alle Zuteilungen von Waren entscheiden, herrscht eine ökonomische Diktatur.
Ein freier Markt, in dem nur Angebot und Nachfrage freier Wirtschaftssubjekte zählt, bestätigt dagegen die Souveränität der Bevölkerung und gilt somit als einer der wichtigsten Bausteine einer Gesellschaftsform zum Schutz der Freiheitsrechte ihrer Bürger.
Der Unternehmer und die Produktion
Der Konsument ist am freien Markt zwar souverän in seiner Kaufentscheidung und seine subjektive Wertzumessung ist bei der Preisbildung ein wesentlicher Faktor. Die wichtigste Funktion hat in einer freien Wirtschaft jedoch der Unternehmer, der die Güter bereitstellt, von denen er glaubt, dass sie am Markt zu Preisen nachgefragt werden, die ihm bei einem Verkauf einen Gewinn versprechen. Nur was vorher produziert wurde, steht für den Konsum und zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung.
Der Unternehmer muss überlegen und abschätzen, welche Güter von den Konsumenten am Markt zu welchen Preisen nachgefragt werden und welche dieser Güter er produzieren soll und kann. Dazu muss er berechnen, mit welchen Techniken und mit welchen Rohstoffen und unter Einsatz von welcher Menge an Arbeitszeit und zu welchen Gesamtkosten er die Güter produzieren kann, weiterhin wie und mit welchem Aufwand er die Güter an die Verkaufsstellen transportieren kann. Diese erwarteten Gesamtkosten muss er abgleichen mit dem zu erwartenden Verkaufserlös. Es handelt sich in allen Bereichen um ‚Erwartungen‘, da sich alles in der Zukunft abspielt und insofern Unsicherheit besteht – und damit einhergehend um Risiken.
„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“
Mark Twain
Viele Unternehmer treffen die falschen Entscheidungen und gehen pleite, oder haben schlichtweg Pech, wie zum Beispiel beim Auftreten sogenannter „Schwarzer Schwäne“. So nennt man außergewöhnliche Ereignisse, die die Welt schlagartig verändern – wie im Jahr 2020 die Corona-Krise und der mit ihr verbundene Lockdown, der zum Beispiel ein großes und lange Jahre erfolgreiches Unternehmen wie die Lufthansa von einem auf den anderen Tag an den Rand des Ruins getrieben hat.
Um ein eigenes Unternehmen erfolgreich aufzubauen, zu führen und langfristig am Leben zu erhalten, muss der Unternehmer über das notwendige ‚Handwerkszeug‘ verfügen, wirtschaftliche Kenntnisse haben, über viel Erfahrung in seiner Branche verfügen, den Markt ständig beobachten, die Zukunft richtig einschätzen – und darauf basierend die Weichen in seiner Firma überwiegend richtig stellen.
Zu den notwendigen Kenntnissen gehören auch wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel das ‚Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen‘, das besagt, dass der Wert einer Sache von der Knappheit eines Gutes in Relation zur Nachfrage abhängt. Um bei dem Beispiel vom Wasser in der Wüste zu bleiben: wenn ein ganzer Tankwagen durch die Wüste rollt und Wasser nicht knapp ist, wird keiner Millionen für einen Schluck Wasser bezahlen. Und das zehnte Auto gleichzeitig bringt im Vergleich zum ersten Auto nur noch wenig zusätzlichen Nutzen für eine Familie.
Ein weiteres Gesetz ist Ricardos ‚Gesetz der komparativen Kosten‘, das besagt, dass es für ein Land sinnvoll ist, primär die Güter zu produzieren, bei denen es die vergleichsweise kleinsten Produktionskostennachteile hat beziehungsweise die größten komparativen Kostenvorteile. Der positive Wohlstandseffekt des Außenhandels liegt darin, dass andere Länder bestimmte Waren vergleichsweise günstiger produzieren können. Selbst wenn ein Land ALLE Güter günstiger produzieren kann als ein anderes Land, ist es sinnvoll, dass das teurer produzierende Land vor allen Dingen die Güter produziert, bei denen es die geringsten Nachteile hat und diese dann in das andere Land exportiert, das sich aus der Produktion dieser Güter mehr und mehr zurückzieht. Dieses Gesetz ist ein wesentliches Argument für den freien Handel in der Welt. Vom freien Welthandel profitieren alle – so lange er zu fairen Bedingungen abläuft.
Auch das ‚Gesetz abnehmender Renditen‘ oder „Ertragsgesetz“ ist wichtig. Es besagt, dass ab einem bestimmten Punkt der zusätzliche Einsatz eines Produktionsfaktors keinen oder nur noch einen geringen positiven Effekt hat, wenn nicht gleichzeitig auch der Einsatz aller anderen Produktionsfaktoren im gleichen Verhältnis gesteigert werden kann. Das kann zum Beispiel zusätzlicher Dünger auf einem Feld sein oder mehr Arbeitskräfte, die an einer bestimmten Anzahl von Maschinen arbeiten.
Ein Unternehmer kann nur wirtschaftlich überleben, wenn er Gewinne macht. Um das unternehmerische Risiko der Verluste zu rechtfertigen im Vergleich zu einer risikolosen Anstellung bei einer anderen Firma, muss der erwartete Gewinn oder Unternehmerlohn deutlich höher sein als das Gehalt bei einer risikolosen Festanstellung. Oft genug und vor allen Dingen in der Summe über alle Unternehmen eines Landes ist das jedoch nicht der Fall.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass angestellte Vorstände und Geschäftsführer von großen Unternehmen KEINE Unternehmer sind, selbst nur wenige Risiken tragen – und heutzutage dennoch oftmals fürstlich entlohnt werden.
Der ganze ökonomische Prozess dreht sich letztlich um das Thema Produktion. Wenn die Produktion in der Hand privater Unternehmer liegt, können diese große Gewinne machen – wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen und keine großen Krisen oder unerwartete Ereignisse ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn sie aber Fehlentscheidungen treffen oder Pech haben, werden sie schnell zum Opfer und verlieren ihr Geld. Der Gewinn ist die Entschädigung für das hohe Risiko, das der Unternehmer trägt.
Der Konsument auf der anderen Seite trägt keine Risiken und verliert nicht, wenn der Unternehmer verliert.
Eine Ware entsteht im Rahmen eines Produktionsprozesses unter Einsatz von Arbeitszeit, Rohmaterialien, Maschinen und Technologie. Der Produktionsprozess ist ein ‚negativer Nutzen‘ bezogen auf die geistige und körperliche Anstrengung, die in die Produktion der Ware einfließt und bezüglich des Einsatzes von Kapital für die Maschinen und zum Beispiel auch deren Abnutzung. Beim Produktionsprozess wird eine Idee in die Tat umgesetzt, ein Ziel realisiert: nämlich die Erstellung einer Ware. Der Produzent bezahlt für Arbeit und Kapital und erhält am Ende eines erfolgreichen Produktionsprozesses die Ware, die er dann am Markt verkaufen kann. Der erhoffte Gewinn beim Verkauf der Ware ist die Vergütung des Unternehmers und die Kompensation für das hohe Risiko, das der Unternehmer eingeht.
Die Produktion einer Ware oder einer Dienstleistung ist ein kreativer Schöpfungs- und Gestaltungsprozess. Der Unternehmer setzte eine Idee beziehungsweise einen Plan in die Realität um. Das Ziel ist die Erschaffung eines Produkts oder einer Dienstleistung.
‚Zeit ist Geld‘ sagt man. Für einen Unternehmer ist der Zeitfaktor äußerst wichtig. Produktion ist insofern ein Wettlauf mit der Zeit als in dem Produktionsprozess viel Kapital gebunden ist, das finanziert und zurückgezahlt werden muss. Eine Investition in Maschinen und Gebäude rechnet sich in der Regel nur, wenn alle Maschinen über den geplanten Amortisationszeitraum im Einsatz sind und nicht neue Technologien die Planung über den Haufen werfen. Weiterhin besteht das Risiko, dass sich über die Zeit der Geschmack der Konsumenten ändert, neue Produktionstechniken es den Wettbewerbern ermöglichen, die Waren viel günstiger zu produzieren oder bestimmte wichtige Rohstoffe nicht mehr verfügbar sind oder nur zu viel höheren Preisen als kalkuliert.
Wie wir auch an dieser Stelle sehen, sind die Marktpreise ein entscheidender Faktor für Erfolg und Misserfolg.
Unternehmerisches Risiko ist unvermeidbar, da sich die Zukunft auch mit den ausgefeiltesten Computermodellen nicht berechnen lässt. Das gilt sowohl für den privaten Unternehmer als auch für staatliche Zentralplanungsbehörden. Was ein erfahrener Unternehmer nicht absehen kann, kann auch keine staatliche Planungsbehörde vorhersehen. Wenn bei einer Planwirtschaft der Staat das unternehmerische Risiko trägt, geht dies im Zweifelsfall zu Lasten der Bürger und Steuerzahler. Die Ergebnisse der Zentralplanung in der Sowjetunion und der DDR belegen das zweifelsfrei.
(Die Millionen von Seiten Papier, die für die Planung bedruckt werden und die von einem Heer von Bürokraten zusammengestellt werden, haben sich in aller Regel als vollkommen nutzlos erwiesen).
Adam Smith (1723-1790), Schottischer Philosoph und Wirtschaftspionier, Foto: imago images / United Archives International
“Die Kunst der Wirtschaftswissenschaften besteht darin, nicht nur die kurzfristigen Folgen, sondern vor allen Dingen die längerfristigen Wirkungen einer Maßnahme oder Vorgehensweise zu beachten, sie besteht auch darin, die Wirkungen der Maßnahmen nicht nur auf eine Interessengruppe, sondern auf alle Gruppen zu berücksichtigen.“
Henry Hazlitt
Markt und Arbeitsteilung
Wir betrachten nachfolgend einige Segmente des ökonomischen menschlichen Handels genauer, um die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen zu können und Lösungsansätze zu entwickeln zur Bewältigung und zur Vermeidung von Krisen.
Schon in der Kleinfamilie beziehungsweise der Kleingruppe der Jäger- und Sammlerzeit kam es zu Arbeitsteilung, da ein Mensch allein aus eigener Kraft kaum in der Lage ist, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen. Der eine jagte, der andere sammelte Beeren, wieder andere kümmerten sich um die Familie und andere Dinge – es wurden mithin ‚Waren‘ und ‚Leistungen‘ getauscht. Die Tauschbeziehung gilt insofern als die grundlegendste Form sozialen Austauschs. Sie findet, wie bereits eingangs erwähnt, an einem wie auch immer gearteten ‚Markt‘ statt, an dem Güter und Leistungen entweder direkt gegeneinander getauscht werden oder über den Umweg von ‚Geld‘. Märkte können lokal, regional oder international sein. Silber- und Goldmünzen wurden zum Beispiel schon immer über Landesgrenzen hinweg akzeptiert als werthaltiges, allseits gültiges Zahlungsmittel.
Der Markt ist der Dreh- und Angelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns, zu dem im zeitlichen Ablauf Produktion, Vertrieb beziehungsweise Verteilung und Konsum gehören.
Bei einem Tausch am Markt werden letztlich immer Güter und Leistungen gegeneinander getauscht, wenn auch heute in der Regel über den Umweg über Geld, das ‚zwischengeschaltet‘ wird, um die Abwicklung zu erleichtern.
Auf einem Markt wird immer ‚Positiver Nutzen‘ (Vorteile) gegen ‚Negativen Nutzen‘ (Nachteile) getauscht. Man erhält eine Ware (Vorteil) im Tausch gegen ein anderes Gut (Nachteil), das man weg gibt. Das kann auch Geld sein.
Beim Arbeiten tauscht man Freizeit gegen Lohn, der in Geld ausbezahlt wird. Dieses Geld benutzt man dann um die Miete zu bezahlen (das Gut ‚Wohnen‘), Essen, Kleidung, Auto, Konsumgüter. Das sind alles Dinge, die einen ‚Wert‘ haben, sogenannte ‚ökonomische Güter‘, die nicht frei erhältlich sind, wie zum Beispiel Luft oder Meerwasser. Was die einzelnen Güter und Dienstleistungen wert sind, hängt von den subjektiven Empfindungen und Entscheidungen der Marktteilnehmer ab, die sich letztlich bei einem ‚Marktpreis‘ zusammenfinden. Es gibt keinen dauerhaft festen Wert von Gütern und Leistungen. Alles ist im Fluss. Wenn sich der Geschmack der Leute ändert oder es technologische Neuerungen gibt, verlieren einstmals begehrte Güter schnell an Wert. Seitdem es Smartphones gibt, interessiert sich kaum noch jemand für andere Mobiltelefone, DVDs waren der Untergang der Videokassetten, CDs brachten die Nachfrage nach Schallplatten fast komplett zum Erliegen.
In der Wüste auf der anderen Seite würde ein Verdurstender einem anderen für einen Schluck Wasser Millionen in Diamanten geben.
Wie bereits oben erwähnt, beschäftigte sich schon im Alten Griechenland der berühmte Philosoph und Naturforscher Aristoteles (385 – 383 vor Christus) mit dem Wert von Gütern und unterschied zum Beispiel den ‚Gebrauchswert‘ vom ‚Tauschwert‘. Der Gebrauchswert einer Sache beschreibt den Nutzwert für einen Anwender, also zum Beispiel einer Nadel für eine Näherin oder von Hammer und Säge für einen Schreiner; der Tauschwert dagegen ist das, was man für ein bestimmtes Gut zu einem bestimmten Zeitpunkt als Gegenwert erhält. Beide Werte ändern sich über die Zeit, für eine wirtschaftliche Betrachtung ist aber an sich nur der Tauschwert relevant. Untauglich für eine realistische Bewertung von Gütern ist zum Beispiel die Frage, wie viel Arbeit erforderlich ist, um ein bestimmtes Gut zu produzieren oder wie viel Arbeit der Einsatz dieses Gutes dem Anwender erspart.
Als „Gut“ definiert man etwas, das knapp ist, das in Besitz genommen werden kann, das zum Erreichen eines Ziels eingesetzt werden kann und einen Wert hat.
Kein ‚Gut‘ in diesem Sinne sind z.B. die Luft in der Umwelt, Regenwasser, Meerwasser.
Man unterscheidet auch zwischen ‚privaten Gütern‘ und ‚öffentlichen Gütern‘. Ein öffentliches Gut ist zum Beispiel ein ‚Leuchtturm‘, den jeder Kapitän eines vorbeifahrenden Schiffs nutzen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. Nicht jedes ‚öffentliche‘ Gut muss allerdings zwingend vom Staat bereitgestellt werden müsste; private ‚Gönner‘ und Philanthropen könnten dazu durchaus auch bereit sein.
„Ein Ding wird zum Mittel, indem menschliches Denken es zur Erreichung eines Zweckes einzusetzen plant und menschliches Handeln es zur Erreichung eines Zweckes einsetzt.“
Ludwig von Mises
Wenn der Preis, der Wert, eines Gutes, von einer Regierung willkürlich festgesetzt wird (abweichend vom dem Preis, der sich über Angebot und Nachfrage ‚am Markt‘ bilden würde), kommt es zu erheblichen Fehlentwicklungen: wenn der Staat, das heißt die Regierung oder Planungsbehörde, die Preise zu niedrig ansetzt, kaufen die Konsumenten möglichst viel davon und mehr als sie normalerweise benötigen, was schnell dazu führt, dass die Regale ausgeräumt sind und einige Menschen leer ausgehen. Wenn die Preise zu hoch angesetzt werden, weichen die Kunden wenn möglich auf andere vergleichbare Waren aus; die zu teure Ware bleibt ungenutzt liegen, Kapital, das an anderer Stelle benötigt wird, bleibt ungenutzt.
(es gab zum Beispiel mal die Situation, dass eine Regierung die Preise für Brot so niedrig ansetzte, dass die Menschen das Brot kauften und an ihre Tiere verfütterten, eine riesige Verschwendung von Ressourcen).
Staatliche Eingriffe in die Preisentwicklung – seien es Mindestlöhne, Mietpreisdeckelung oder Höchstpreise für Waren – führen in der Regel bald zu Ausweichbewegungen. Wenn Preise zu niedrig angesetzt werden, werden Produzenten die entsprechenden Waren nicht mehr zu diesen Preisen anbieten, es entstehen ‚Schwarzmärkte‘, an denen die Preisvorgaben umgangen werden. Auch wenn der Staat in die Preise zu stark mittels Steuern und Abgaben eingrifft, kommt es zu entsprechenden Ausweichbewegungen. Im Bereich der Löhne zum Beispiel kommt es dann vermehrt zu Schwarzarbeit, es entsteht eine ‚Schattenwirtschaft‘. Die Realität lässt sich eben nicht unbegrenzt ‚verbiegen‘, die Menschen suchen immer nach Ventilen für ihre Frustration oder zur Abwehr von Maßnahmen, die sie für unbillig halten.
Wer die Wirtschaft versklavt und reglementiert, versklavt letztlich die Menschen. Wenn die Produktion und der Handel in den Händen der Regierung liegt und die Bürokraten über alle Zuteilungen von Waren entscheiden, herrscht eine ökonomische Diktatur.
Ein freier Markt, in dem nur Angebot und Nachfrage freier Wirtschaftssubjekte zählt, bestätigt dagegen die Souveränität der Bevölkerung und gilt somit als einer der wichtigsten Bausteine einer Gesellschaftsform zum Schutz der Freiheitsrechte ihrer Bürger.
Der Unternehmer und die Produktion
Der Konsument ist am freien Markt zwar souverän in seiner Kaufentscheidung und seine subjektive Wertzumessung ist bei der Preisbildung ein wesentlicher Faktor. Die wichtigste Funktion hat in einer freien Wirtschaft jedoch der Unternehmer, der die Güter bereitstellt, von denen er glaubt, dass sie am Markt zu Preisen nachgefragt werden, die ihm bei einem Verkauf einen Gewinn versprechen. Nur was vorher produziert wurde, steht für den Konsum und zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung.
Der Unternehmer muss überlegen und abschätzen, welche Güter von den Konsumenten am Markt zu welchen Preisen nachgefragt werden und welche dieser Güter er produzieren soll und kann. Dazu muss er berechnen, mit welchen Techniken und mit welchen Rohstoffen und unter Einsatz von welcher Menge an Arbeitszeit und zu welchen Gesamtkosten er die Güter produzieren kann, weiterhin wie und mit welchem Aufwand er die Güter an die Verkaufsstellen transportieren kann. Diese erwarteten Gesamtkosten muss er abgleichen mit dem zu erwartenden Verkaufserlös. Es handelt sich in allen Bereichen um ‚Erwartungen‘, da sich alles in der Zukunft abspielt und insofern Unsicherheit besteht – und damit einhergehend um Risiken.
„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“
Mark Twain
Viele Unternehmer treffen die falschen Entscheidungen und gehen pleite, oder haben schlichtweg Pech, wie zum Beispiel beim Auftreten sogenannter „Schwarzer Schwäne“. So nennt man außergewöhnliche Ereignisse, die die Welt schlagartig verändern – wie im Jahr 2020 die Corona-Krise und der mit ihr verbundene Lockdown, der zum Beispiel ein großes und lange Jahre erfolgreiches Unternehmen wie die Lufthansa von einem auf den anderen Tag an den Rand des Ruins getrieben hat.
Um ein eigenes Unternehmen erfolgreich aufzubauen, zu führen und langfristig am Leben zu erhalten, muss der Unternehmer über das notwendige ‚Handwerkszeug‘ verfügen, wirtschaftliche Kenntnisse haben, über viel Erfahrung in seiner Branche verfügen, den Markt ständig beobachten, die Zukunft richtig einschätzen – und darauf basierend die Weichen in seiner Firma überwiegend richtig stellen.
Zu den notwendigen Kenntnissen gehören auch wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel das ‚Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen‘, das besagt, dass der Wert einer Sache von der Knappheit eines Gutes in Relation zur Nachfrage abhängt. Um bei dem Beispiel vom Wasser in der Wüste zu bleiben: wenn ein ganzer Tankwagen durch die Wüste rollt und Wasser nicht knapp ist, wird keiner Millionen für einen Schluck Wasser bezahlen. Und das zehnte Auto gleichzeitig bringt im Vergleich zum ersten Auto nur noch wenig zusätzlichen Nutzen für eine Familie.
Ein weiteres Gesetz ist Ricardos ‚Gesetz der komparativen Kosten‘, das besagt, dass es für ein Land sinnvoll ist, primär die Güter zu produzieren, bei denen es die vergleichsweise kleinsten Produktionskostennachteile hat beziehungsweise die größten komparativen Kostenvorteile. Der positive Wohlstandseffekt des Außenhandels liegt darin, dass andere Länder bestimmte Waren vergleichsweise günstiger produzieren können. Selbst wenn ein Land ALLE Güter günstiger produzieren kann als ein anderes Land, ist es sinnvoll, dass das teurer produzierende Land vor allen Dingen die Güter produziert, bei denen es die geringsten Nachteile hat und diese dann in das andere Land exportiert, das sich aus der Produktion dieser Güter mehr und mehr zurückzieht. Dieses Gesetz ist ein wesentliches Argument für den freien Handel in der Welt. Vom freien Welthandel profitieren alle – so lange er zu fairen Bedingungen abläuft.
Auch das ‚Gesetz abnehmender Renditen‘ oder „Ertragsgesetz“ ist wichtig. Es besagt, dass ab einem bestimmten Punkt der zusätzliche Einsatz eines Produktionsfaktors keinen oder nur noch einen geringen positiven Effekt hat, wenn nicht gleichzeitig auch der Einsatz aller anderen Produktionsfaktoren im gleichen Verhältnis gesteigert werden kann. Das kann zum Beispiel zusätzlicher Dünger auf einem Feld sein oder mehr Arbeitskräfte, die an einer bestimmten Anzahl von Maschinen arbeiten.
Ein Unternehmer kann nur wirtschaftlich überleben, wenn er Gewinne macht. Um das unternehmerische Risiko der Verluste zu rechtfertigen im Vergleich zu einer risikolosen Anstellung bei einer anderen Firma, muss der erwartete Gewinn oder Unternehmerlohn deutlich höher sein als das Gehalt bei einer risikolosen Festanstellung. Oft genug und vor allen Dingen in der Summe über alle Unternehmen eines Landes ist das jedoch nicht der Fall.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass angestellte Vorstände und Geschäftsführer von großen Unternehmen KEINE Unternehmer sind, selbst nur wenige Risiken tragen – und heutzutage dennoch oftmals fürstlich entlohnt werden.
Der ganze ökonomische Prozess dreht sich letztlich um das Thema Produktion. Wenn die Produktion in der Hand privater Unternehmer liegt, können diese große Gewinne machen – wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen und keine großen Krisen oder unerwartete Ereignisse ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn sie aber Fehlentscheidungen treffen oder Pech haben, werden sie schnell zum Opfer und verlieren ihr Geld. Der Gewinn ist die Entschädigung für das hohe Risiko, das der Unternehmer trägt.
Der Konsument auf der anderen Seite trägt keine Risiken und verliert nicht, wenn der Unternehmer verliert.
Eine Ware entsteht im Rahmen eines Produktionsprozesses unter Einsatz von Arbeitszeit, Rohmaterialien, Maschinen und Technologie. Der Produktionsprozess ist ein ‚negativer Nutzen‘ bezogen auf die geistige und körperliche Anstrengung, die in die Produktion der Ware einfließt und bezüglich des Einsatzes von Kapital für die Maschinen und zum Beispiel auch deren Abnutzung. Beim Produktionsprozess wird eine Idee in die Tat umgesetzt, ein Ziel realisiert: nämlich die Erstellung einer Ware. Der Produzent bezahlt für Arbeit und Kapital und erhält am Ende eines erfolgreichen Produktionsprozesses die Ware, die er dann am Markt verkaufen kann. Der erhoffte Gewinn beim Verkauf der Ware ist die Vergütung des Unternehmers und die Kompensation für das hohe Risiko, das der Unternehmer eingeht.
Die Produktion einer Ware oder einer Dienstleistung ist ein kreativer Schöpfungs- und Gestaltungsprozess. Der Unternehmer setzte eine Idee beziehungsweise einen Plan in die Realität um. Das Ziel ist die Erschaffung eines Produkts oder einer Dienstleistung.
‚Zeit ist Geld‘ sagt man. Für einen Unternehmer ist der Zeitfaktor äußerst wichtig. Produktion ist insofern ein Wettlauf mit der Zeit als in dem Produktionsprozess viel Kapital gebunden ist, das finanziert und zurückgezahlt werden muss. Eine Investition in Maschinen und Gebäude rechnet sich in der Regel nur, wenn alle Maschinen über den geplanten Amortisationszeitraum im Einsatz sind und nicht neue Technologien die Planung über den Haufen werfen. Weiterhin besteht das Risiko, dass sich über die Zeit der Geschmack der Konsumenten ändert, neue Produktionstechniken es den Wettbewerbern ermöglichen, die Waren viel günstiger zu produzieren oder bestimmte wichtige Rohstoffe nicht mehr verfügbar sind oder nur zu viel höheren Preisen als kalkuliert.
Wie wir auch an dieser Stelle sehen, sind die Marktpreise ein entscheidender Faktor für Erfolg und Misserfolg.
Unternehmerisches Risiko ist unvermeidbar, da sich die Zukunft auch mit den ausgefeiltesten Computermodellen nicht berechnen lässt. Das gilt sowohl für den privaten Unternehmer als auch für staatliche Zentralplanungsbehörden. Was ein erfahrener Unternehmer nicht absehen kann, kann auch keine staatliche Planungsbehörde vorhersehen. Wenn bei einer Planwirtschaft der Staat das unternehmerische Risiko trägt, geht dies im Zweifelsfall zu Lasten der Bürger und Steuerzahler. Die Ergebnisse der Zentralplanung in der Sowjetunion und der DDR belegen das zweifelsfrei.
(Die Millionen von Seiten Papier, die für die Planung bedruckt werden und die von einem Heer von Bürokraten zusammengestellt werden, haben sich in aller Regel als vollkommen nutzlos erwiesen).