It’s San Francisco, Babe!

Ich hatte tatsächlich etwas anderes erwartet.

Gut, ich war zwar "ordentlich" vor-informiert, hatte sozusagen meine Hausaufgaben gemacht, allerdings - der persönliche Eindruck ist dann doch völlig anders, als die graue Theorie oder bunte Bildli.
San Francisco!

Der Flug selbst, gestartet mit happiger Verspätung von Zürich aus, war mega!!
Einfach toll! Ich liebe das Fliegen!

Bei der Buchung des Fluges liess ich mir gleich einen Fensterplatz reservieren (war gut so, der Flieger war proppenvoll) und kam so in den vollen Genuss eines kompletten Sonnen Auf- und Untergangsturnus.
Die Fotos, die ich durch das dicke Flugzeugfensterglas machen konnte – umwerfend schön!

Und es macht mich immer noch lächeln, wenn ich an die Reise denke, an die Vorfreude und das Glücklich-Sein, dass alles so prima geklappt hatte, UND - meine Erwartungen noch auf das Beste übertroffen wurden.


Natürlich sind 9h Sitzen auf so engem Raum bisschen unangenehm, ich nahm’s gelassen, ich war ja schliesslich im Urlaubs-Modus. Und trug meine Kompressionskniestrümpfe, hatte die Ohrstöpsel parat, konnte also nix schiefgehen..

Der breit gebaute amerikanische Herr neben mir im Mittelsitz war sehr ruhig und bei sich, fing gegen später an, seine Geschäftsunterlagen (wohl von einer Messe, lauter Visitenkarten) auf einem kleinen Notebook zu bearbeiten. Die schmale Stuhllehne zwischen uns teilten wir in stillem Einverständnis - ohne Worte.

Wir flogen die Polroute und die Sonne versank allmählich in spektakulär leuchtenden Wolken, ganz langsam wandelte sich helle Licht zur dunklen Nacht.

So einige Zeit brachte ich mit einem glücklichen Grinsen und gleichzeitig mit Tränen in den Augen zu, beim Beobachten des Überganges vom Licht zum Schatten.
Diese unglaubliche Schönheit der Farben! Die atemberaubende Sicht schlug mich in den Bann..

Das gleichmässige, mit der Zeit doch lästig und schon anstrengend gewordene laute Brausen der Triebwerke konnte ich mit weichen Ohrstöpseln recht gut auf das Niveau eines ausblendbaren Dauersäuseln reduzieren.

Nach dem Betrachten und Ordnen meiner Fotos im Natel machte ich es mir gemütlich, kuschelte mich mit meiner geknüllten Winterjacke gut isoliert von den kalten Wand in die Ecke des Fensterplatzes und nickte sehr zufrieden für paar Stunden ein, die Filme am Board hatten mich nicht interessiert.

Rechtzeitig wachte ich auf, um einen farbenintensiven Sonnenaufgang über dem linken Flügel bzw. Triebwerk beobachten und fotografien zu können - wow, just wow!
Und wieder: Diese Farbenpracht!

Später flog das Flugzeug für einige Stunden über die pure Eiswüste, und ich dachte mir beiläufig,
hm,
wenn das Flugzeug jetzt abstürzt oder versuchen wollte, dort unten eine Notlandung zu versuchen - da unten, in das riesige, über hunderte von Kilometern weit reichende schroffe und wild zerklüftete, eisbedeckte Berglandschaft findet uns bzw. unsere Brösel nachher kein Mensch......
....

Ok, Dann ist das halt so.
That's it.

Dann der Landeanflug auf SFO. Übers Meer herein.
Irgendwie hatte ich Landei das so nicht erwartet.

Ja klar liegt der Flughafen von San Francisco an der Küste - ich hatte mir 0 Vorstellung gemacht, und war dementsprechend bisschen perplex, als wir den Landeanflug übers Wasser begannen.

Für mich wars interessant zu sehen, wie das anfänglich graue Land in Laufe des Landeanfluges immer farbiger wurde, die Gärten, Strassen, Häuser Fabriken gewannen Kontur und Farbe, und kurz vor dem Touch Down auf der quasi ins Meer gebauten Landebahn konnte ich sogar die Bewegung der Wellen erkennen.

Dann ging alles sehr schnell, wir landeten, der amerikanische Herr neben mir packte zügig seine Sachen und stellte sich zum schnellen Ausstieg auf den Gang, als es eine Durchsage gab, dass 2 nationale Anschlussflüge aufgrund unserer zwar tüchtig aufgeholten, jedoch immer noch deutlich vorhandenen Verspätung auf die Passagiere diesen Fluges warten wollen.

Für kurze Zeit.
Er sah leicht nervös aus, jedoch sehr gut kontrolliert, vermutlich ein Vielflieger, und ich für mich war so froh, dass ich heute nirgends mehr hinfliegen musste.

Nach dem Ausstieg ging es in einem angenehmen kurzen Fussmarsch über 2 Ebenen des doch recht weitläufigen Gebäudes hinab in die Warteschlange für US-Einreisende.
Wir kamen am späten Nachmittag in San Francisco an - auf Grund der speziellen Lage (Haushaltsperre von Trump) waren die Schalter nur notfallmässig besetzt.

Mit 1 Person.

So hatte ich über 3 Stunden des Stehens und langsamen Vorrückens in den Bändergängen zu absolvieren, bis ich an der Reihe war. Das Procedere selbst war schnell vorbei, ich wurde nach den obligatorischen Fragen und meinen Antworten mit genervt-gelangweiltem Gesicht und nach dem lautem Bum! des Stempels in meinem Pass zügig durchgewunken.

Puuh! Geschafft. Jetzt nur noch meinen roten Koffer von Gepäckband holen, den Ausgang finden, ein Taxi rufen und ab ins Hotel.
Pustekuchen.

Die Gepäckschnecke von unserem Flug war leer. Vereinzelt liefen andere Menschen mit vor Müdigkeit grauen Gesichtern und suchendem Blick umher, eine Frau mit Uniform wurde von mir bezüglich des Gepäcks befragt, sie wusste nichts.

Also fing ich an, systematisch alle Gepäckschnecken in der grossen Halle abzulaufen.
Dabei fiel mir auf, dass immer wieder herdenweise Gepäckstücke einfach so in der Halle herumstanden oder herumlagen. Ich kombinierte - das waren die Koffer aus den schon gelandeten Flügen, die noch durch die Einreise mussten.

Die Arbeiter hatten sie rausgestellt, damit für die neu ankommenden Flüge wieder Platz in den Schnecken ist. Alles klar.
So begann ich gezielt nach meinem roten Koffer in den diversen Haufen zu suchen und hatte ihn auch bald gefunden.
Erleichterung.
Der Inhalt unversehrt und alles da, obwohl der Hauptreissverschluss halb aufgezogen war, wohl weil ich vergessen hatte, das kleine Schlösschen um die Reisverschlusslöcher einzurasten und abzuschliessen.

Ganz glücklich mit meinem Koffer und jetzt auch leicht erschöpft von der ganzen Situation ( ca. 4 h Zeitverlust) wandelte ich zügig zum Ausgang, machte vorher noch einen kurzen Abstecher zur Toilette und renovierte Gesicht plus Kleidung.

Vor dem Flughafengebäude stehend, musterte ich die Taxireihe. Kurz liess ich meinen Blick über die wartenden Autos und ihre Chauffeure wandern und entschied mich dann für ein älteres Taxi mit einem indisch aussehenden jüngeren Mann.

Von Tante Google wusste ich, was die Fahrt von Airport in das paar Kilometer entfernt liegende Zentrum bzw. das Gebiet vor der „Golden Gate" kosten würde und fragte ihn, ob er mich für 60$ in die Stadt in Hotel XYZ fahren würde. Er überlegte kurz, nickte dann.

Gestikulieren, Reden, Öffnen des Kofferraumes und schwungvolles Einladen meines Gepäcks gingen fliessend ineinander über, belustig nahm ich auf der Rücksitzbank Platz und los gings.
Wir hatten dann ein nettes Gespräch auf der doch locker 35 minütigen Fahrt quer durch die City, sein Englisch war nicht viel besser als meines, aber - ich gab mein Bestes, er auch. Wir lachten viel und hatten beide Spass.

Das war übrigens genau die Nacht, am 20. Januar 2019, als der Blutmond der Erde so nahe stand, schon von der Autobahn aus konnte ich den grossen Mond leuchten sehen.

Als ich dann endlich um kurz vor 21:00 Uhr vor dem Hotel stand, den Koffer in der einen Hand, meinen Rucksack in der andere, war die Rezeption des kleinen Hotels unbesetzt, der Raum dunkel. Da hatte ich für einen Moment schon einen kleinen Panikschub.
Huch! Ich allein - bei Nacht - in San Francisco!

Nach kurzem Suchen am Haus fand ich die Klingel für die Rezeption, nach 2 maligen Läuten kam der Hotelier aus einem Raum dahinter hervorgeschossen, und machte mir die vordere Türe auf.
Papiere ausfüllen, Bezahlen, Schlüsselübergabe und Zimmerübernahme gingen ganz schnell – mann, jetzt war ich echt froh, dass ich endlich angekommen war.!

Ablegen meines Gepäcks, Inspizieren des Zimmers – wow – die Matratze von dem riesigen Bett ist ja extrem dick!
Kalt wars im Zimmer und ich suchte nach einer Heizung. Unter dem schlecht abgedichteten Fenster stand ein riesiger brauner Kasten.

Aha. Das scheint die AC zu sein. Hm. Dann sollte das Teil auch heizen können?
Die Bedienelemente sahen leicht exotisch aus, ich drückte hier und drehte da – dann sprang das Monstrum plötzlich an.
Aha – kapiert, so geht es.
In kürzester Zeit flutete die grossrahmig dimensionierte Klimaanlage das spartanisch eingerichtete Zimmer mit wohliger Wärme.

Dann aus- und umpacken, das Tablet anwerfen, mit dem WiFi connecten, daheim Bescheid über meine gute Ankunft geben, den amerikanischen Kollegen auf FB mitteilen, dass ich gut angekommen bin und mich riesig! auf das morgige P3-Konzert freue.

Sie antworteten alle überaus freundlich, begrüssten mich überschwänglich in ihrer Heimat - und ich bekam jede Menge Tips von ihnen, was ich am folgenden Tag alles machen könne bzw. welche Sehenswürdigkeiten ich in der Stadt besuchen solle.
Coole Sightseeing Tipps.

Später trat ich kurz vor die Zimmertüre auf den Balkon, um auf jeden Fall noch paar eindrucksvolle Fotos von dem seltenen Phänomen des Blutmondes zu machen und den Tag mit beiläufigen Betrachten des nächtlichen Verkehrs an der Kreuzung vor dem Hotel ausklingen zu lassen.

Ich hatte es tatsächlich geschafft – ich war hier in San Francisco.
Und dann überfiel mich plötzlich die Erschöpfung - höchste Zeit für den Schlaf.

Gute Nacht San Francisco!



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