Ethische Tugenden entwickeln - Reinheit (Brahmacharya)

Das Thema der Reinheit ist ein ganz entscheidendes auf dem spirituellen Weg. Schon in der Bibel erfahren wir ... wenn ihr nicht rein werdet, wie die Kinder, könnt ihr das Reich Gottes nicht erfahren ... und daran wird sich nie etwas ändern. Reinheit bezieht sich insbesondere auf die Sexualität, geht aber dennoch noch weiter über diese hinaus.

Sexualität

Sexualität ist eines der schwierigsten Themen und sie zu unterdrücken ist natürlich kontraproduktiv. Unterdrückung ist nichts anderes als der negative Ausschlag des Pendels und es muss die Zeit kommen, wo das Pendel wieder kehrt macht und sich in die Gegenrichtung bewegt. Deshalb ist sehr wichtig hier die Wahrhaftigkeit (= Satya) nicht zu kurz kommen zu lassen.

Das Problem mit der Bewältigung der Sexualität ist, dass es in den meisten Fällen nicht zielführend ist, verallgemeinernde Aussagen zu treffen und das liegt daran, weil sich jeder auf einer unterschiedlichen Entwicklungsstufe befindet. So kommt es, dass der eine Mensch bereits an der Schwelle steht, den Schritt zur Enthaltsamkeit zu praktizieren während es für einen anderen notwendig ist seine Verlangen voll zum Ausdruck zu bringen.

Das alles ändert natürlich nichts daran, dass Sex ab einer gewissen Stufe kontraprodutive Folgen hat ... und insbesondere für viele Männer zum Stolperstein Nummer eins werden kann. Die Natur hat es dabei richtig gut mit uns gemeint :D und will uns natürlich zur Reproduktion anregen ... und so ist es eben die Natur, die davon profitiert ... aber die Seele hat dabei eben ihr Nachsehen, wenn die gesammelten Kräfte, die den spirituellen Fortschritt maßgeblich beschleunigen, auf sexuelle Weise vergeudet werden.

Die Mystiker vergleichen diesen Prozess mit einem Fass, welches durch die Praxis der Meditation von oben her mit einer besonderen Kraft gefüllt wird ... aber solange ein Mensch nicht enthaltsam lebt, fließen diese Kräfte nach unten hin wieder weg ... und man verspielt demnach die gewonnen Vorteile wieder. Andererseits ist die Meditation aber auch DAS Mittel, um Schritt für Schritt in diesem Kampf gegen das eigene Ich und die Lust voranzuschreiten.

Lust

Lust ... das ist das was hinter der Sexualität steckt. Damit verbunden ist der Wunsch nach Sinnesbefriedigung und körperlichem Vergnügen. Im Endeffekt ist es eine Ersatzbefriedigung und eine Kopie der göttlichen Extase, die wir leider nicht mehr imstande sind zu erreichen. Die weltliche Vereinigung wird zum Substitut der Vereinigung mit Gott ... und sie ist auf die weltlich-materielle Ebene reduziert.

Menschen die spirituell voranschreiten geben sie mit der Zeit freiwillig auf ... und sie empfinden das daswegen nicht mehr als Verzicht, weil sie die entstehende Leere mit etwas Höher-Wertigerem gefüllt haben ... nämlich mit Erfahrungen göttlicher Extase und Berauschung. Und diese ist von ganz anderer Qualität.

Während wir nach dem Orgasmus erst mal genug haben und "erledigt" sind, können wir von der göttlichen Extase nie genug bekommen ... und es besteht ein ganz enger Zusammenhang mit der Empfänglichkeit. Je empfänglicher und offener wir sind (leeres Gefäß ... demütig und je weniger Ego), desto mehr gießt sich die göttliche Liebe in uns hinein und ist von überwältigender Intensität, die jede einzelne Zelle zum Vibrieren bringt, aber weit über die körperliche Ebene hinausgeht ... und schon in ihren Anfängen ... und Bruchstücken so unglaublich ist ... dass man nur mit großer Ehrfurcht erahnen mag, wie sich das alles noch vervielfachen wird ... weil das Göttliche so unermesslich ist und alles in uns hineingibt ... und gibt und gibt und gibt ... und wir kaum nachkommen uns dafür wieder frei und empfänglich zu machen, wie ein Becher der beinahe ständig voll gefüllt wird. :D

Das sind eben die Geschenke, auf die wir als Kinder des Göttlichen einen Anspruch haben. Viel zu oft holen wir sie uns aber erst gar nicht ab und laufen stattdessen den Freuden dieser Welt hinterher.

Kommentare

Sinneslust & Wunschlosigkeit

Reinheit in seiner weitesten Form bedeutet Wunschlosigkeit. Das ist natürlich ein sehr erhabenes Ziel. Ein Mystiker sagte einmal:

Reduziere so weit wie möglich deine Wünsche! Deine Glückseligkeit hängt in hohem Maße davon ab!

Reinheit bedeutet also von den Wünschen weg zu kommen ... und von den Sinnesfreuden ... den Wünschen der Sinne, also Essen (Genusssucht), materieller Reichtum (horten, Gier), Sex, Ansehen (Rang & Name) und und und. Wir sind im Leben ständig dabei unserem Körper die volle Sinnesbefriedigung zu verschaffen und bringen einen Großteil unserer Zeit dafür auf, um ihm die tollsten Erlebnisse zu verschaffen.

Reinheit bedeutet, sich nicht in diesen Dingen zu verhaften. D.h. es ist völlig egal, ob ich in irgend einer Bruchbude hause oder in einer luxuriösen Villa ... solange ich mich nicht darin verhafte und es haben MUSS ... und keine Erwartungen habe. Das ist eben die Kunst schlechthin.

Das Göttliche möchte, dass wir glücklich sind ... und entsprechend unserem Karma bekommen wir immer wieder Geschenke. Und es geht darum diese Geschenke zu schätzen ... aber sich eben nicht darin zu verlieren. Das ist Reinheit. ICH bleibe ich selbst und erkenne die Wertigkeiten ... dass alle Materie vergänglich und im Wandel ist ... so wie mein Besitz und mein Name, den ich mir gemacht habe. Ich definiere mich nicht über diese vergänglichen Sachen ... sondern ich definiere mich über mein innerstes Wesen und die Liebe.

Wenn alle Dinge wegbrechen, was bleibt dann über? Spätestens wenn der Mensch stirbt, wenn ihm alles genommen wird, dann wird seine Reinheit sichtbar.
 
Ein Wesen ist geistig unrein, wenn es im Genuss verweilt oder sich im Egoismus abschließt und damit sowohl in sich wie um sich eine Kraft der Verlangsamung und Spaltung gegen die Vereinigung des Universums in Gott erzeugt.
Ein Wunsch ist immer eine Ausformung der Dualität und des Abgetrennt-Seins vom Göttlichen ... wir wollen etwas für UNS selbst ... und damit verstärken wir das Losgelöst-Sein von Gott erst recht. Und deswegen ist jedes Nicht-Versenkt-Sein in die göttliche Liebe eine Sünde und erzeugt Trennung in ich und du (Dualität). Also müsste die völlige Befreiung von Wünschen und das Erlangen völliger Reinheit mit einer Erfahrung der Einheit mit ALLEM verbunden sein, wo sich jede Form des DU auflöst ... und die Einheit von allem erfahren wird. Es ist nicht schwer diese Sätze in ihrer Theorie zu schreiben ... aber dies alles auch praktisch zu erfahren ... dieses Ich im Du und zu erleben das wir ein Teil des Göttlich sind ... und in diesem Sinne unendlich. Der begrenzte Verstand kann es nie erfassen.
 
Sant Kirpal Singh schrieb:
Immer reiner wird, wer, von Gott angezogen, dahin gelangt, diesem Aufschwung, diesem Überschreiten immer größere Beständigkeit, Eindringlichkeit und Wirklichkeit zu geben; mag er sich infolge seiner Berufung stets in denselben materiellen Bezirken der Welt (wenn auch auf immer geistigere Art) bewegen müssen, oder mag er, was häufiger zutrifft, Bereiche betreten, wo das Göttliche für ihn allmählich die andere irdische Nahrung ersetzt.

So verstanden bemisst sich die Reinheit der Wesen nach dem Grad der Anziehung, die sie zum göttlichen Mittelpunkt hinführt, oder, was auf das gleiche hinauskommt, danach, wie nahe sie diesem Mittelpunkt stehen.

Menschen mit einem wirklichen Verlangen nach Wahrheit ... und Gott ... werden also von Seinem Duft der Liebe angezogen und das führt dazu, dass sie über das Körperlich erhoben werden (Übersteigen des Körperbewusstseins). Und dadurch verfestigt sich der Pfad der Reinheit ...

In der Mystik wird das gerne mit der Liebe von Braut (= die Seele) und Bräutigam (= Gott, der lebende Gottmensch/Meister) verglichen. Und die Braut lebt in einem fortwährenden bestreben sich "schön" zu machen, weil sie ja ihrem Bräutigam gefallen möchte, der sie in die Vereinigung mit Gott zurück führt. Sie hat keinen sehnlicheren Wunsch.
 
Interessant ist auch die Ansicht, dass Reinheit zu einer demütigen Haltung führt:

"Süß ist dein Wille oh Herr"
"Alles ist dein Wille oh Herr"
"Dein Wille geschehe"

Und folglich bedeutet diese Haltung auch ein Freisein von allen Ängsten und Sorgen dieser Welt. :D
 
Der Intellekt kann es einfach nicht erfassen. Aber die Seele kennt nichts Schöneres als sich dem Göttlichen hinzugeben und zu dienen ... weil darin eine so tiefe Glückseligkeit liegt.

Wenn der Mensch das zu erfahren beginnt ist er aber wie hin und her gerissen ... zwischen der Liebe zu dieser Welt mit all den Sinnesfreuden und der Liebe zu Gott. Auf lange Sicht gesehen ist es aber so, wie es auch in der Bibel steht:

Matth. 6 schrieb:
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben oder er wird dem einem anhangen und den andern hintansetzen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Mammon ... steht für materiell/mental/emotionale Verlangen
 
Die meisten von uns schauen gerne Filme und "leichte Unterhaltung". Oft ist es leider so, dass Filme total oberflächliche Wertigkeiten transportieren und materielle Wünsche befeuern:

=> Er hat sich ENDLICH an seinen Feinden gerächt und Vergeltung geübt
=> Sie hat ihren Prinzen, Multimillionär und Partner hohen Standes/Ranges endlich gefunden
=> und sie waren glücklich bis ans Lebensende
=> von ganz unten zum "Traumjob" mit hohem Ansehen und Rang
=> das Böse (natürlich immer jemand anderer) wird besiegt
=> reich und schön (jeder will so werden!?)
=> viele Intrigen und Betrug (=> und wir sind natürlich viiiiel besser)

Ich will also auch so sein wie dieser Held/diese Heldin:
- so cool
- so reich und wohlhabend
- so intelligent
- attraktiv
- kräftig/gut gebaut
- so bekannt/berühmt
- so einen geilen Partner haben
- so eine ewig glückliche Partnerschaft haben
- usw.

Grundsätzlich muss man sagen, dass es ja wirklich erstrebenswert ist reich, schön und glücklich zu sein ... nur ist es meist so, dass diese Dinge UNS kontrollieren und Überhand nehmen ... anstatt dass wir sie kontrollieren, wie es eigentlich sein müsste und wir verhaften uns dermaßen stark darin, dass wir in massive Depressionen abrutschen, sobald diese Dinge sich wieder ändern ... weil wir uns zu stark darüber definieren:

Die Schönheit der Jugend lässt sich aber auch nicht durch Schönheits-OPs wiederbringen. Auch die Erfolge halten nicht ewig an, weil irgendwann kommen neue Stars nach und man ist oft schneller von der Bühne verschwunden als man denkt ... und so sind Besitz sowie Rang und Name in diesem Leben genauso vergänglich wie die äußere Schönheit und womöglich auch die Gesundheit. Was hat uns das alles bis zum Ende eingebraucht ... dieses fortwährende Streben im Rahmen der Vergänglichkeit? Spätestens, wenn der Herr des Todes an die Tür klopft müssen wir alles zurück lassen und der Körper, den wir Tag für Tag gepflegt und in die beste Kleidung gehüllt haben wird in der Erde begraben oder verbrannt.
 
Deswegen sollen wir uns eben solche Schätze erarbeiten, die nicht vergänglich sind und nicht von "Rost und Motten zerfressen" werden ... sprich, auf das Göttliche zugehen, uns mit dem Sinn des Lebens beschäftigen und nach Selbsterkenntnis streben.

Filme/Computerspiele können dennoch vorteilhaft sein und uns eine gewisse Möglichkeit der Teilhabe an bestimmten Situationen bieten. Und so entwickeln wir vielleicht auch Mitgefühl und Bewusstsein für bestimmte Geschehnisse ... oder uns wird klar, dass gewisse Dinge doch nicht so erstrebenswert sind ... und wir verbessern unsere Zielsetzungen.

Reinheit bedeutet also die richtige Zielsetzung im Denken, in allen Worten und natürlich Taten ... und das hat mit der Ausrichtung auf das Göttliche zu tun ... also weg vom endlichen Glück und Leiden (ständiges Auf und Ab) dieser Welt hin zu unendlicher und ewiger Glückseligkeit über diese Welt hinaus. Und auch wenn wir im Westen zum privilegierten Bevölkerungsanteil gehören und mit materiellen Wohlstand und hohem Lebenskomfort gesegnet sein mögen, so wird das im Rad der Geburten und Tode nicht immer so sein ... ganz gleich ob wir uns daran erinnern oder nicht ... und letzteres ist leider der Regelfall.
 
Sant Kirpal Singh schrieb:
Reinheit heißt, nur an Gott zu denken. Dies ist die wahre Reinheit. Was ist Reinheit? Nicht nur Keuschheit, sondern auch, niemandem übel wollen, niemanden hassen. Betrügt niemanden, nehmt anderen nicht ihre Rechte. Wenn ihr liebt, kommt das alles von selbst.
wie wahr
 
Liebe verschönt alles. Wenn du mit den Augen der Liebe schaust, wird alles schön. Sogar das Dunkel wird dir schön erscheinen. Doch der Mensch ist im Werden. [...] Wenn ihr ausschließlich an Gott denkt - sagen wir ein paar Tage lang - werdet ihr den Segen spüren. Wenn ihr eßt, dankt Gott daß ihr euch Seiner erinnert. Wenn ihr schlafen geht, denkt: “Ich lege mich in Deinen Schoß.”
.....
 
Das Göttliche erfahren ...
Wenn jemand bereit ist, dann sorgt Gott für den richtigen Kontakt. Man erfährt dann etwas durch irgend jemanden oder durch die Zeitung oder sonst wie. Er wird von Gott geführt und mit dem Meister in Kontakt gebracht. Der Meister genehmigt schließlich die Initiation [...] Mit einem Gedankenimpuls gibt er dem Betreffenden einen Auftrieb. In den meisten Fällen bekommt er auch eine Erfahrung. Wenn nicht, dann nur, weil er entweder zu aufgeregt ist oder sehr müde zur Initiation erscheint.

Eine östliche Weisheit besagt auch: "Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister."
 
Reinheit, Keuschheit ...
- Sexuelle Gedanken, Gefühle, Wünsche und Taten ziehen unsere Aufmerksamkeit nach außen, wenn wir nicht lernen uns am Sitz der Seele zu fokussieren. Es ist wichtig zu erkennen, wann ziehen uns sexuelle Gedanken, Worte und Taten in welche Richtung?
- Wenn wir Sexualität ausleben ist es sinnvoll auch hier Gedankenkontrolle zu lernen: denken wir an bestimmte Menschen, Verstrickungen oder Abhängigkeiten aus denen wir schwer wieder aussteigen können?
- Oder wir denken an das Göttliche (in uns und im anderen ... Konzentration/Simran am Augenbrennpunkt);
- Sexualenergie sollte nie unterdrückt werden sondern erhoben
- Die vollendeten Meister sagen Liebe beginnt im Körper und endet im Geist
- Wenn wir anderen Menschen direkt in die Augen schauen gehen Wünsche, Energie und Muster aufeinander über. Der Stärkere beeinflusst den Schwächeren. Die Meister empfehlen zwischen die Augen zu schauen, damit jeder mehr mit dem eigenen Selbst verbunden bleibt als von deen anderen beeinflusst zu werden
- es ist sinnvoll, sich stärker auf den inneren Geliebten auszurichten, als auf den äußeren Geliebten :-)
 
Hatte gestern eine tolle Erkenntnis. Ich saß auf der Uni und da streunen halt sehr viele gutaussehende Menschen herum und das Gemüt ist ständig dabei, einen "lustvollen Anblick" zu erhaschen. Das läuft alles automatisiert ab ... und gehört irgendwie zur primitiven Natur des Menschen ... insbesondere wir Männer haben davon viel mitbekommen. So geht also ständig der Blick herum und man schaut irgendwie nach allem was Interessant sein könnte ... potentielle Partnerinnen ... und all das.

"Was kann ich tun?" habe ich mich gefragt und siehe da ... haben sich auch Antworten ergeben:

Look at others as a brother or a father

Aus der weiblichen Sicht reimt sich da glaub ich wenig ... naja, aber das Problem ist wahrscheinlich ein vorwiegend männliches. Würde mann es schaffen diese Einstellung zu verinnerlichen ... das wär schon mal eine gute Sache, ganz im Sinne der Reinheit.
 
Bei Johannes vom Kreuz (christlicher Mystiker) finde ich zum Thema, etwas Interessantes:

Es gibt also bei vielen hinsichtlich der Unzucht viele Unvollkommenheiten; man könnte sie geistliche Unzucht nennen, aber nicht weil sie geistlich ist, sondern weil sie von geistlichen Dingen herrührt.

Das ist interessant, weil sich also alles in Gedanken abgspielt. Also die Reinheit ist insbesondere eine Angelegenheit reiner Gedanken. Und so spielt es keine Rolle, ob ein Priester z.B. zölibatär lebt ... und deswegen macht das auch wenig Sinn jemandem diese Lebensweise künstlich aufzusetzen. ABER es ist möglich sich das als Ziel zu setzen und sich darauf zuzubewegen.

Johannes vom Kreuz dazu:

Daher kommt es, dass der Mensch mit seinem Geist tief bei Gott im Gebet ist; dass er andererseits aber im Reich der Sinne, ohne es zu wollen, sinnliches Aufbegehren, sinnliche Regungen und Vorgänge spürt, nicht ohne große Unlustgefühle, oft sogar bei der Kommunion.

Alleine mit dem Willen kann ich also die Sexualität nicht bezwingen.
 
Da die Sinnenwelt am Anfang und auch dann noch, wenn der Mensch schon fortgeschritten ist, unvollkommmen ist, empfängt er den Geist Gottes oft mit der gleichen Unvollkommenheit. Wenn nun dieser sinnenhafte Bereich durch die Läuterung der dunklen Nacht, von der wir noch sprechen werden bereits umgeformt ist, hat er diese Schwachpunkte nicht mehr.

Die Läuterung der "dunklen Nacht", damit ist die Meditation, Inversion, Kontemplation gemeint ... in die Stille gehen.

Dann ist es nämlich nicht mehr der Sinnenbereich, der empfängt, vielmehr wird er selbst im Geist empfangen. Er hat dann alles entsprechend der Weise des Geistes.

Wir entwickeln also eine Art Wahrnehmung für das Spirituelle ... für das Göttliche.

Sobald der Mensch in die dunkle Nacht eintritt, werden von ihr all diese Arten von [Anm.: sinnlicher] Liebe zur Vernunft gebracht. Die gottgemäße Liebe macht sie stark und läutert sie, die andere entfernt und beendet sie.
 
Im neuen Testament hab ich nun auch eine tolle Passage über die Enthaltsamkei bzw. die christliche Ehe gefunden, genau genommen im ersten Brief an die Korinther (Paulus):

1. Kor. 7 schrieb:
Nun zu den Anfragen eures Briefes! «Es ist gut für den Mann(,) keine Frau zu berühren».
Enthaltsamkeit ist aus der Sicht Paulus eine gute Sache ... solange sie WAHRHAFTIG ist.

1. Kor. 7 schrieb:
Keiner soll sich dem anderen verweigern, es sei denn, beide Ehepartner beschließen übereinstimmend, sich für eine begrenzte Zeit sexuell zu enthalten, um sich noch intensiver dem Gebet widmen zu können. Danach kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, weil ihr euch nicht beherrschen könnt.

Das ist aber nur eine Empfehlung von mir, kein Gebot.
Sich intensiver dem Gebet widmen <=> Enthaltsamkeit

Da ist offenbar ein Zusammenhang, also wahrscheinlich ist ersteres ohne zweiteres gar nicht möglich.

Ansonsten ist der Text schon beachtlich, denn die Sexualität nicht auszuleben ist nach Paulus eine reine Frage des KÖNNENS (nicht des Wollens).

Und das Zöllibat der christlichen Priesterschaft müsste deswegen eine freie Entscheidung bleiben ... oder eben bei strikter Vorgabe viel sorgfältiger geprüft werden, ob dieses Können (Kompetenz) tatsächlich gegeben ist.

Die Menschen können nicht anders, als die Sexualität auszuleben, solange sie sie nicht transformiert haben. Insofern gibt Paulus dieses Zugeständnis. Die fortschrittlichere Lebensweise wäre aber die Enthalsamkeit:

8 Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.
Ja, wobei es hier weniger um das "unverheiratet" geht als um die enthaltsame Lebensweise. An sich ist die Ehe ja kompatibel mit der enthaltsamen Lebensweise wenn BEIDE Ehepartner den gemeinsamen Weg gehen, wie es z.B. auch bei Ghandi der Fall war, der eine Frau und Kinder hatte, aber dennoch enthaltsam gelebt hat.
 
Problematisch wird es, sobald nur einer der beiden ein starkes Verlangen nach Sexualität hat, denn dann wäre es dem anderen Partner vom Gesichtspunkt der Liebe aus kaum möglich, sich diesen Dingen zu entziehen ... zumindest würde das zu Komplikationen führen. Insofern kann es durchaus von Vorteil sein, in keiner Partnerschaft/Ehe zu leben, weil einem dadurch genau diese Situation erspart bleibt ... und so sagt Paulus:

1. Kor. 7 schrieb:
Den Unverheirateten und Verwitweten sage ich aber, dass es besser ist, so wie ich unverheiratet zu bleiben. Doch wenn sie sich nicht enthalten können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als von unerfülltem Verlangen beherrscht zu werden.
Und Letzteres gilt eben auch für katholische Priester. Ansonsten sucht sich dieses Verlangen andere Wege der Manifestation, wie diese unrühmlichen Fälle von sexuellem Mißbrauch belegen.
 
Was ist, wenn ein Ehepartner auf den Weg gestellt wurde und enthaltsam leben möchte, der ander Partner aber nicht? Wäre es dann nicht vorteilhafter, den Partner/die Partnerin überhaupt zu verlassen? Eine wirklich gute Frage =) Paulus sagt dazu:

12 Wenn ein gläubiger Mann eine ungläubige Ehefrau hat und sie bereit ist, weiter mit ihm zu leben, darf er sie nicht wegschicken.
13 Und wenn eine gläubige Frau einen ungläubigen Ehemann hat und er bereit ist, weiter mit ihr zu leben, darf sie ihn nicht wegschicken.
14 Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Mann.
Es bedeutet also, dass die Partner vom spirituellen Fortschritt des anderen mit-profitieren. Außerdem stunde dieses beinharte Festhalten an diesem Weg ... mit der völligen Aufgabe aller anderen Dinge, die ebenso ihre Berechtigung haben ... wohl im krassen Gegensatz zum Prinzip des Mitgefühls und der Liebe.
 
Wow, und hier spricht Paulus nochmal richtig Klartext. Ich kann mich an eine Passage im Thomas Evanglium erinnern, wo Jesus total familien- und partnerschaftfeindliche Meldungen loslässt. Alle Ehen, Partnerschaften, Familien und Freundschaften sind natürlich etwas Heiliges ... ABER wir lassen uns im Normalfall VÖLLIG davon einnehmen, sodass wir unsere komplette Zeit dafür aufbringen ... und, ja vergeuden. Es bleibt kaum noch eine Sekunde, die wir für Gott übrig hätten ... und das Rätsel des Lebens zu lösen. Deswegen ist es eine große Gnade, von diesen Verhältnissen nicht zu sehr eingenommen zu werden ... oder eben alleine leben zu dürfen.

Ok, Paulus sagt dazu:

26 Ich meine, dass es wegen der bedrängten Lage, in der wir uns befinden, das Beste ist, unverheiratet zu bleiben.
27 Wenn du bereits an eine Frau gebunden bist, dann versuche nicht, diese Bindung aufzulösen. Bist du jedoch noch ungebunden, dann bemühe dich nicht darum, eine Frau zu finden.
28 Allerdings begehst du keine Sünde, wenn du heiratest. Und auch die ledige Frau sündigt nicht, wenn sie heiratet. Nur ist es eben so, dass euer irdisches Leben damit zusätzlichen Belastungen ausgesetzt ist, die ich euch gern ersparen möchte.
 
29 Eins ist sicher, Geschwister: Es geht immer schneller dem Ende zu. Deshalb darf es in der Zeit, die uns noch bleibt, beim Verheirateten nicht die Ehe sein, die sein Leben bestimmt;
30 beim Traurigen darf es nicht die Traurigkeit sein und beim Fröhlichen nicht die Freude. Wer etwas kauft, soll damit so umgehen, als würde es ihm nicht gehören,
31 und wer von den Dingen dieser Welt Gebrauch macht, darf sich nicht von ihnen gefangen nehmen lassen. Denn die Welt in ihrer jetzigen Gestalt ist dem Untergang geweiht.
32 Ich möchte, dass ihr frei seid von ´unnötigen` Sorgen. Wenn ein Mann ledig ist, gilt seine ganze Sorge der Sache des Herrn; er bemüht sich, so zu leben, dass der Herr Freude daran hat.
33 Aber wenn er verheiratet ist, bemüht er sich, auch seiner Frau Freude zu machen. Daher sorgt er sich auch um Dinge, die zum Leben in dieser Welt gehören,
34 und das führt dazu, dass seine Interessen geteilt sind. Genauso ist es bei der Frau: Wenn sie noch nicht verheiratet ist oder wenn sie keinen Mann mehr hat, gilt ihre ganze Sorge der Sache des Herrn; sie möchte ihm dienen mit allen ihren Gedanken und all ihrem Tun. Aber wenn sie verheiratet ist, sorgt sie sich auch um irdische Dinge; sie bemüht sich, ihrem Mann Freude zu machen.
35 Ich sage das in eurem eigenen Interesse und nicht, um euch in eurer Freiheit einzuschränken. Vielmehr will ich euch helfen, das zu tun, was gut und richtig ist, und dem Herrn unbeirrt und mit ungeteilter Hingabe zu dienen.

Das nenne ich Klartext!
 
Natürlich ist der heutige Single-Status schon lange kein alleiniger Garant mehr für die Gottsuche. Da haben wir genügend andere Möglichkeiten erfunden, diese Leere zu kompensieren, z.B. mit Arbeit und beruflicher Verwirklichung ... ja, es hat alles seine Berechtigung, aber die Zeit des Körpers tickt. Er ist eine tickende Zeitbombe, die definitiv hochgehen wird! Und jeder, der sich hier etwas vormacht ist nichts anderes als ein Narr. Das Göttliche will uns zurück haben. Aber was machen wir? Sind wir bereit etwas dafür zu tun? Und wenn dem nicht so ist, was können wir von Gott erwarten? Er respektiert unseren freien Willen ... und wenn wir eben nichts von ihm wissen wollen. Nach dem Tod ist es zu spät ... denn die erhaltende Kraft hat alle Macht mit uns entsprechend unserer Taten, Worte und Gedanken zu verfahren. Und da wir alle einmal eine(r) von den Bösen waren ... wird das nicht immer "gut" enden.

Unser Vorratslager (Sanchit Karma) ist bis zum Bersten gefüllt. Nur ein Bruchteil wird davon entnommen, um eine neue Inkarnation zu begründen. Oh, der Mensch glaubt von so edlem Wesen zu sein, dabei merkt er nicht, wie er fortwährend andere Geschöpfe verletzt oder zerstört ... und all dies wird in Leid auf ihn zurückfallen. Deswegen wird der Mensch hier nie die Glückseligkeit finden, nach der er an allen erdenklichen Orten auch suchen mag ... und die Seele in seinem Innersten schreit nach Liebe und Heimkehr ... doch das Gemüt des Menschen kennt nichts anderes als seine Erfüllung in den Sinnesfreuden zu suchen. Die Heiligen wissen, dass es ein Spiel des Unglücks und der Täuschung ist. Sie empfinden tiefes Mitgefühl für ihre verlorenen Brüder und Schwestern ... und fordern uns auf, uns dem Unvergänglichen zuzuwenden.
 

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TopperHarley
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