ein Märchen- nur eine kurze Rolle für den Raben.;)

Die alte Eule und das Licht – ein Märchen

Ich möchte euch gern eine Geschichte erzählen. Eine sonderbare Geschichte über eine alte weise Eule.

Eine alte Eule saß, wie jeden Abend, auf dem Ast einer Ulme und tat nichts.
Vielleicht erinnerte sie sich an schöne Zeiten ,dachte an ihre Zukunft oder genoss einfach den Moment.
Sie war eine sehr alte Eule und man sagte ihr Weisheit nach, weil sie selten etwas von sich gab und sehr oft leise hin sich hinein lächelte. Wurde es ihr zu laut und zu bunt schloss sie einfach ihre Augen und drehte ihren Kopf nach hinten.

Jener Abend war anders als sonst. Es war ruhig, still und friedlich, denn es hatte geschneit und der Schnee überzog den Wald mit einer dicken weißen Schicht die alle Geräusche schluckte.
Aber es war noch etwas anders als sonst. Die Eule nahm es trotz geschlossener Augen wahr: ein kleines helles Licht. Was ist das nur? dachte die Eule. Wo kommt es nur her?

‚Ich bin das kleine Licht.’ sagte das Licht. ‚Ich kam auf die Erde um den Menschen Wärme, Zuversicht und Hoffnung in der Weihnachtszeit zu bringen.’
Die Eule sprach ‚ja, aber dann hast du dich verlaufen. Hier im Wald gibt es keine Menschen .Zum Glück möchte ich sagen.’
Das kleine Licht flackerte traurig ‚Ja, ich weiß, Ich bin so enttäuscht. So gerne würde ich in die Herzen der Menschen finden, aber...’ ‚Was ,aber?’ ‚Aber, ich werde gar nicht wahrgenommen. Die Menschen spüren mich nicht und ihre Herzen sind verschlossen.’

‚Nun, ’sprach die Eule ‚sie verschließen ihre Herzen wohl aus Angst, dass man ihnen weh tut. Sie wollen nur Glück und Liebe haben, aber wissen nicht, dass man dafür offen sein muss.’

‚Aber es ist doch Winter.’ Die Eule wunderte sich über das kleine dumme Licht. ‚Natürlich ist es jetzt Winter, wir haben ja Weihnachten!’
‚Winter ist die Zeit der Kälte und Finsternis und der Besinnlichkeit. Alle Bäume werfen ihre Blätter ab um Winterschlaf zu halten, na gut, fast alle, die Tiere ziehen sich zurück...alles geht in sich. Ich dachte die Menschen wären auch ein Teil der Natur, aber man sieht sie nur rennen und reden und hasten.’
‚Ach, ich hätte persönlich nichts dagegen, wenn die Menschen sich zurückziehen und Winterschlaf halten.’ Ein leises Schmunzeln huschte über das Gesicht der Eule. ’Na ja, die Menschen haben vergessen Natur zu sein. Aber nicht ganz, sie holen sie sich in die Wohnung.’
‚Wie machen sie das, Eule?’ ‚Zum Beispiel holen sie sich Tiere ins Haus. Diese werden dann an die Leine gelegt, gefüttert und manchmal auch gewaschen damit sie ihren Geruch verlieren.’ schüttelte sich die Eule.’ Und das stimmt, auch wenn es abartig klingt. Dann pflücken sie Blumen und stellen sie in Wasser. Aber der Hammer kommt noch: Sie stellen sich zu Weihnachten einen Baum in die Wohnung. Einen echten Baum! Ist das nicht irre?’
‚Ja.’ das Licht wurde still.
‚Der Mensch ist schon ein Teil der Natur, er funktioniert wie alle Lebewesen, aber er hat ein Makel: er hat Verstand! Und darauf ist er auch noch stolz. Je mehr Verstand er hat desto vergesslicher ist er.’
‚Du meinst es hat keinen Sinn es zu versuchen?’
‚Doch, es gibt zum Glück die Kinder. Sie wissen noch und sie können mit ihren Herzen sehen. Wenn du mich fragst sind die Kinder das Tor zum Herzen der Menschen. Sie wären gute Botschafter, denn den meisten Menschen geht das Herz auf, wenn sie in Kinderaugen sehen.’
‚Du meinst also Kinder sind besser ?’fragte das Licht . ’Nein, nicht besser, aber anders .Sie kennen zum Beispiel noch keine Zeit.’
‚Zeit, was ist das?’ ‚Oh je!’ seufzte die Eule. ’Wie soll ich dir das erklären. Zeit gibt es eigentlich nicht, aber die Menschen messen sie und leben streng nach dieser Messung.’ ‚Wie kann man etwas messen was es gar nicht gibt?’ ‚ Die Menschen brauchen das um sich im Leben zurecht zu finden. Ich glaube es liegt an den Augen, weißt du diese Organe die man zum Mäusefangen braucht. Sie sehen damit ausschließlich und verlassen sich darauf.’
‚Dann brauche ich mich ja nicht zu wundern, dass sie mich nicht wahrnehmen können. Sie nehmen nur das wahr, was sie mit ihren Augen sehen können.’
‚Denk an die Kinder!’ gab die Eule zu bedenken.
‚Du hast mir sehr geholfen, Eule, danke!’ sprach das kleine Licht und verschwand im dunklen Wald.

Weihnachten, immer wieder, eigentlich habe ich gar keine Zeit für Weihnachten und auch keine Lust. Nichts als Arbeit. Mir macht es auch keine Freude, basteln, backen, Lieder trällern...ach, ja ich muss mal die Oma fragen ob sie mit der Kleinen Plätzchen bäckt. Geschenke muss ich auch noch besorgen und den Baum....was das alles kostet...und dann das Weihnachtsgedudel...ich brauche das alles nicht...wenn es nach mir ginge, aber es geht nicht nach mir, jedes Jahr das Gleiche...Ich kann es nicht mehr hören und nicht mehr sehen. Fest der Liebe – dass ich nicht lache Haha! Es gab bisher immer Streit am Heilig Abend...und die viele Arbeit...als ob ich nicht schon genug hätte....
‚Mama?’ ‚Ja, meine Kleine?’ ‚Ich wünsche mir ein Kaninchen vom Christkind!’ ‚Hmm!’ Das fehlt mir noch, ein Kaninchen! Wer macht es dann sauber und füttert es – ich!
Aber vielleicht wäre dieses Jahr ein Kaninchenbraten gar nicht schlecht....
‚Mama?’ ‚Ja?’ ‚Ich freue mich schon so auf Weihnachten, du auch?’

Was wäre geworden, wenn die Kleine diesen Satz nicht gesagt und die Mutter sich nicht an ihre Kindheit erinnert hätte?
Aber sie erinnerte sich und sah ihre kleine Tochter an. Sah in ein paar leuchtende Augen .
Es durchströmte sie ein starkes Gefühl und sie fühlte eine Wärme im Herzen, die man nur spürt, wenn man in die Augen eines Menschen sieht dessen Herz weit geöffnet und voller Liebe ist.


Ein Rabe setzte sich zur Eule .’Kraah, du bist ein komischer Kauz, hältst Selbstgespräche, hehe, wie tief kann eine Eule sinken. Kraah!’
Die Eule lächelte leise in sich hinein und schloss die Augen.
Neidlos musste der Rabe zugeben, dass er mit seinem Mundwerk nie so weise wirken wird.
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Kommentare

Ganz toll! Ich finde sie großartig!!! Sie hat auch diesen Aha-Effekt, wo man seine Lehren herausziehen kann. ^^ Du solltest sie jedes Jahr zu Weihnachten hervorholen.

Danke, dass du sie uns zeigst! :)
 

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east of the sun
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