Der allen drei Welten zugrundeliegende Dualismus (2)

  • Autor Autor fckw
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Um zu verstehen, welche Bedeutung "Befreiung" überhaupt hat, muss verstanden werden, was "Identifikation" bedeutet und in welchen Schritten dieselbe aufgelöst wird. (Später werden wir das Konzept des "Zeugen" betrachten und die Rolle, die er im Vorgang der Befreiung spielt.)

Wie wir gesehen haben, gibt es in jeder der drei Welten den fundamentalen Dualismus zwischen Subjekt (Bewusstsein) und den in der entsprechenden Welt auftauchenden Objekten. Auf allen Ebenen bzw. in allen Welten (ich werde im Folgenden nicht mehr allzu genau trennen zwischen Welten und Ebenen, weil die Welten gewissermassen hierarchisch ineinander verschachtelt sind und daher auch von Ebenen gesprochen werden kann) gibt es einen Wahrnehmenden und eine Wahrnehmung, ein Subjekt und mindestens 1 Objekt.

Grundsatz: Identifikation besteht aus der Vermischung von Subjekt und Objekt. Diese Vermischung ist gleichbedeutend mit einer unklaren Sichtweise auf die Wirklichkeit. Es kann nicht korrekt auseinandergehalten werden, zwischen dem, was Wahrnehmender ist, und dem, was wahrgenommen wird. Die Grenze zwischen "Ich" und "Es" ist unklar gezogen, die Person kann nicht präzise unterscheiden zwischen sich selbst und dem Rest der Welt.

Beispiel: Ein Kleinkind kann noch nicht richtig unterscheiden zwischen sich selbst und der Welt. Wenn es selbst Hunger verspürt, dann hat die ganze Welt Hunger. In einem gewissen Alter existieren Gegenstände einfach nicht mehr, wenn sie aus dem Blickfeld des Kleinkindes verschwinden. Mit anderen Worten: Das Kleinkind hat die Grenzziehung zwischen dem eigenen Körper und allen anderen Körpern seiner Umwelt noch nicht richtig vollzogen. Im Rahmen seiner psychologischen Entwicklung wird es - vorausgesetzt alle Rahmenbedingungen sind positiv - diese Entwicklungsschritte vollziehen und zu einem "gesunden" Erwachsenen heranwachsen. Als Erwachsener hat es dann gelernt, dass Gegenstände unabhängig von ihm existieren können, dass körperliche Gefühle in ihm selbst sind und nicht zwingend in anderen, dass andere Menschen nicht automatisch die gleichen Ziele verfolgen wie man selbst. Und so weiter.
Dies ist ein Beispiel für den Vorgang der Ent-Identifikation.

Ein typischer Erwachsener ist heute üblicherweise ent-identifiziert auf der grobstofflichen Ebene, aber stark identifiziert auf der feinstofflichen Ebene und äusserst stark identifiziert auf der äusserst feinstofflichen Ebene. Das heisst: Auf der grobstofflichen Ebene und in der grobstofflichen Welt ist er in der Lage, zwischen dem Wahrnehmenden und der Wahrnehmung zu unterscheiden, nicht jedoch auf der feinstofflichen und schon gar nicht auf der äusserst feinstofflichen ebene. Die Konsequenz daraus ist, dass er auf der feinstofflichen Ebene nicht klar unterscheiden kann zwischen "Ich" und "Es", dass also dort Subjekt und Objekt miteinander noch diffus verschmolzen sind. Gleiches gilt in noch stärkerem Masse für die äusserst feinstoffliche Ebene.

Es überrascht daher nicht zu sehen, dass heutige Erwachsene im allgemeinen dazu tendieren, ihre eigenen Gedanken automatisch für wahr zu halten. Noch mehr sogar: Ein typischer Erwachsener glaubt automatisch daran, seine Gedanken würden tatsächlich die grobstoffliche Welt nicht bloss abbilden, sondern er ist gar nicht in der Lage zu begreifen, dass diese Gedanken über die grobstoffliche Welt nur in manchen Fällen (zufällig oder nicht) mit der grobstofflichen Welt auch kongruent sind.

Beispiel: Jeder Mensch kann zwar denken, durch eine Mauer zu gehen und sich das auch ganz plastisch vorstellen, aber das auch tatsächlich durchzuführen, das kann nicht jeder Mensch. Daraus lässt sich schliessen, dass Gedanken nicht zwingend die grobstoffliche Realität abbilden, dass mit anderen Worten die feinstoffliche und die grobstoffliche Welt längst nicht immer kongruent sein müssen.
Das Beispiel mit der Mauer scheint harmlos zu sein, ja vielleicht jemandem geradewegs blödsinnig simpel erscheinen. "Das ist ja eh klar!" wird manch einer im Geiste ausrufen.
Bei genauerer Betrachtung unseres Lebensstils erkennt man aber rasch, wie sehr tatsächlich der Mensch seinen eigenen Gedanken und Vorstellungen über das Wesen der Welt verhaftet ist, und wie wenig diese Vorstellungen dann am Ende wirklich mit der Welt zu tun haben. (Mit Welt meine ich hier alle drei Welten.) So besitzen wir alle Sparbücher auf irgendeiner Bank im festen Glauben, es gäbe irgendwann eine Zeit, beispielsweise in 20 Jahren, wo wir dann das Geld wieder vom Büchlein abheben könnten. Wir vergessen bei dieser Überlegung, dass die Zukunft heute nie real existieren kann, ebenso wenig wie die Vergangenheit. Und trotzdem bestimmt die reine Vorstellung an die Zukunft oder die Vergangenheit unseren Alltag enorm. Selbst wenn weder Zukunft noch Vergangenheit real existieren.

Noch krasser ist die Identifikation, wie gesagt, auf der äusserst feinstofflichen Ebene. Hierüber werde ich nicht allzu viele Worte verlieren, nicht zuletzt auch aus der einfachen Tatsache heraus, dass ich selbst auf dieser Ebene nach wie vor sehr stark identifiziert bin und daher keine klare Sichtweise auf die Sache habe oder haben kann.

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