Das Aramäische Vaterunser

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Die hier angebotene Übersetzung ist aufgrund der unterschiedlichen Sprachen und Wortbedeutungen vom Aramäischen ins Deutsche nicht wörtlich, sondern sinngemäß, und stellt lediglich meine bevorzugte Fassung dar.
Angeregt vom Thread »Du bist genau das, was du von mir denkst.«



Schritt 1: Die Geburt/Emanation aus dem Absoluten
(Kirchlich: Unser Vater im Himmel!)

Abwûn d’bwaschmâja

Im Tosen und im Flüstern,
im Lufthauch und im Wirbelsturm
hören wir deinen Namen.

Schritt 2: Raum schaffen, damit das Geborene leben kann
(Kirchlich: Dein Name werde geheiligt.)

Nethkâdasch schmach

Dieser Name kann uns bewegen,
wenn wir unsere Herzen wie Instrumente
auf seinen Ton einstimmen.

Schritt 3: Das kreative Feuer
(Kirchlich: Dein Reich komme.)

Têtê malkuthach

Deine Herrschaft entsteht plötzlich,
wenn unsere Arme sich ausbreiten,
um die ganze Schöpfung zu umarmen.

Anmerkung: Das Wort »malkatuh« war schon lange vor Jesus eine Bezeichnung für die »Große Mutter«.

Schritt 4: Mitfühlendes Handeln
(Kirchlich: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.)

Nehwê tzevjânach aikâna
d’bwaschmâja af b’arha


Hilf uns zu lieben,
wo unsere Ideale enden.
Erschaffe in mir eine Zusammenarbeit
von vielen Ichs:
eine Stimme, eine Handlung.

Schritt 5: Erdung im Wesentlichen
(Kirchlich: Unser tägliches Brot gib uns heute.)

Hawvlân lachma d’sûnkanân jaomâna

Hilf uns zu erfüllen,
was innerhalb unseres Lebenskreises liegt:
Jeden Tag erbitten wir nicht mehr
und nicht weniger.
Dann fühlen wir die zugrundeliegende Weisheit,
die alles trägt.

Schritt 6: Vergebung und Loslassen
(Kirchlich: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.)

Waschboklân chaubên (wachtahên) aikâna
daf chnân schvoken l’chaijabên


Nimm unsere enttäuschten Hoffnungen
und Träume in dich auf,
wie wir die der anderen
umarmen mit Leere.

Schritt 7: Erinnerung der inneren Freiheit
(Kirchlich: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.)

Wela tachlân l’nesjuna ela patzân min bischa

Auf das trügerische innere Schwanken -
wie eine im Wind flatternde Fahne -
mache uns aufmerksam.
Lass uns nicht
in Vergesslichkeit und in die Versuchung
der falschen Erscheinungen geraten.

Anmerkung: Im Aramäischen gibt es kein Wort für »böse«, und daher auch kein solches Urteil in diesem uns bekannten Sinne. Mit dem Begriff »bischa« ist daher »Unreifes« oder »unangemessene Handlung« gemeint, die uns am Vorwärtsgehen hindern.


Schritt 8: Erneuerung
(Kirchlich: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.)

Metol dilachie malkutha wahaila
wateschbuchta l’ahlâm almîn


Aus dir kommt das erstaunliche Feuer,
die herrliche Kraft der Neugeburt,
der allwirksame Wille und lebendige Kraft zu handeln,
das alles verschönernde Lied.
Immer wieder, von Zusammenkunft zu Zusammenkunft,
von Zeitalter zu Zeitalter.

Anmerkung: »L’ahlâm almîn« beinhaltet das damalige zyklische Verständnis von Zeit »von Zusammenkunft zu Zusammenkunft«, »Ewigkeit« hingegen ist eine abstrakte, nicht sinngemäße Übersetzung.


Schritt 9: Besiegelung

Amên

Wahrhaftig -
Lebenskraft diesen Aussagen.
Mögen sie der Boden sein,
aus dem alle meine Handlungen erwachsen.

Anmerkung: Das Wort »Amen« besiegelte im Nahen Osten feierliche Vereinbarungen. Es kann wörtlich mit »wahrhaftig« übersetzt werden und sollte den vorangegangenen Worten »Kraft verleihen«.
Es leitet sich von dem heiligen altägyptischen Wort »ament« ab, welches für die Geheimnisse von Leben, Tod und Wiedergeburt stand.
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Ich hatte auf meiner Festplatte auch noch eine Version des Aramäischen Vater Unsers:




Das „Vater Unser“ .. übersetzt aus dem Aramäischen


von Dr. Neil Douglas-Klotz



Oh Du, atmendes Leben in allem,

Ursprung des schimmernden Klanges.

Du scheinst in uns und um uns,

selbst die Dunkelheit leuchtet,

wenn wir uns erinnern.


Hilf uns einen heiligen Atemzug zu atmen,

bei dem wir nur Dich fühlen –

und Dein Klang in uns erklinge

und uns reinige.

Lass Deinen Rat unser Leben regieren

und unsere Absicht klären

für die gemeinsame Schöpfung.

Möge der brennende Wunsch Deines Herzens

Himmel und Erde vereinen

durch unsere Harmonie.


Gewähre uns täglich,

was wir an Brot und Einsicht brauchen:

das Notwendige für den Ruf des wachsenden Lebens.

Löse die Stränge der Fehler, die uns binden,

wie wir loslassen,

was uns bindet an die Schuld anderer.



Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen,

sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.

Aus Dir kommt der allwirksame Wille,

die lebendige Kraft zu handeln,

das Lied, das alles verschönert

und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.


Wahrhaftige Lebenskraft diesen Aussagen!

Mögen sie der Boden sein,

aus dem alle meine Handlungen erwachsen.

Besiegelt im Vertrauen und Glauben.




übersetzt aus dem Aramäischen von Dr. Neil Douglas-Klotz


ebenfalls Zitat von Dr. Neil Douglas-Klotz::

Jedes aramäische Wort kann auf mehrere unterschiedliche Weisen interpretiert werden. Das gilt insbesondere für die Worte eines Mystikers oder eines Propheten. In der jüdischen Tradition wird diese Art mehrfacher Interpretation, bei der die Übersetzung eine spirituelle Handlung darstellt, "Midrasch" genannt.

Zitat-Ende





Das Original-Aramäische:

(wobei es selbst im Aramäischen auch noch verschiedene Versionen gibt … ):

Eine davon ist folgende:

Abwoon d'bwashmaya,
Nethqadash shmakh,
Teytey malkuthakh.
Nehwey tzevyanach aykanna d'bwashmaya aph b'arha.
Hawvlan lachma d'sunqanan yaomana.
Washboqlan khaubayn (wakhtahayn)
aykana daph khnan shbwoqan l'khayyabayn.
Wela tahlan l'nesyuna.
Ela patzan min bisha.
Metol dilakhie malkutha wahayla wateshbukhta l'ahlam almin.
Amen.



An den wenigen Worten im Verhältnis zum deutschsprachigen Text kann man erkennen,

dass so in etwa jedes aramäische Wort für sich alleine einen eigenen „Roman“ bilden muss. ….​
 
G
So ist es.
Wie ich sehe, führst du eine andere Schreibweise des Aramäischen auf, aber man sieht, dass es auf dieselbe Art gesprochen wird.
Denn so wirklich kann die Schrift nicht in unsere übertragen werden, also wird nach Klang geschrieben.

Danke auch für das Teilen deiner Version.
Liebe Grüße
 
M
Superschön!! :) , das Wort ,,böse,, hat mich irgendwie immer gestört beim Vaterunser.
 

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