Evangelium der Maria (Magdalena?)

Hatte Jesus weibliche Jünger?

Vermutlich ja, wie das Evanglium der Maria (2) (3) nahe legt. Warum wurde es nicht in die Bibel aufgenommen? Vermutlich aus dem gleichen Grund, warum Frauen bis heute im Top-Management prozentuell untervertreten sind und aus demselben Grund, warum Frauen das Wahlrecht viel später zugesprochen wurde als Männern, genauso wie das Recht einer universitären Ausbildung.

Von Meister Eckehart (1260 - 1328), einer der bedeutendsten christlichen Mystiker gibt es eine hoch interessante Passage in Anlehnung an Lukas 10,38 (Predigten und Traktate, Predigt 28):

Daher: als Maria zu Füßen unseres Herrn saß, da lernte sie (noch), denn noch erst war sie in die Schule genommen und lernte leben. Aber späterhin, als Christus gen Himmel gefahren war und sie den Heiligen Geist empfangen hatte, da erst fing sie an zu dienen und fuhr übers Meer und predigte und lehrte und ward eine Dienerin der Jünger.
Da haben wir also die erste christliche Priesterin :D Der damalige Klerus wird eine irrsinnige Freude mit Eckehart gehabt haben! *ggg*

Kommentare

Röm (16 schrieb:
Grüßt Andronikus und Junia, meine Landsleute, die schon vor mir an Christus geglaubt haben. Sie waren mit mir zusammen im Gefängnis und nehmen unter den Aposteln eine herausragende Stellung ein.
Da haben wir also wieder ein Apostelin ... mit "herausragender Stellung", also besonderem Einsatz für das Werk. Die neue Genfer Bibel aber auch die "Gute Nachricht Bibel" übersetzen die Apostelin korrekt. In anderen findet man noch immer die verfälschte Version mit Junias ... also der männlich abgewandelten Form. Eine Deutsche soll diesen "Irrtum" schon in den 70er Jahren entdeckt haben ... und vermutlich waren Andronikus und Junia sogar ein Ehepaar.

Artikel: die Welt
 
Ja, in weiterer Folge möchte ich ein wenig das Evangelium der Maria Magdalena aufgreifen, wie ich das ursprünglich beabsichtigt habe. Es ist nämlich sehr hochwertig und eine Beschäftigung damit lohnt sich ...

Evangelium der Maria Magdalena schrieb:
„Wird auch die Materie gerettet oder nicht?“

Der Retter sprach: „Alles Natürliche, jede Form, sämtliche Kreaturen existieren in- und miteinander, und sie lösen sich wieder in das auf, aus dem sie entstanden sind. Denn die Natur der Materie kann sich nur wieder zu ihren eigenen Wurzeln hin auflösen. Jener, der zwei Ohren besitzt, den lasset hören.“
Alles Materielle ist nicht dauerhaft und dem Prozess des Werdens und Vergehens unterworfen.
 
Evanglium der Maria schrieb:
Da sprach Petrus:" Du hast uns alles erkennen lassen, sag uns nun auch noch dies: Worin besteht die Sünde der Welt?"

Der Retter sprach: „In Wahrheit gibt es keine Sünde, sondern ihr verursacht sie durch euer Tun, das der Natur des Ehebruchs gleichkommt. Das nennt einer Sünde. Deswegen aber kam das Gute in eure Mitte, hin zu euren wahren Natur, um sie so wieder zu ihrer Wurzel zurückzuführen."
Das ist der Punkt: Sünde und Karma entstehen erst durch unser willentliches Tun ... also durch unseren eigenen Willen, der sich auch durch Worte und sogar Gedanken ausdrückt (wir sehen uns selbst als die Handelnden).

Unter "Natur der zerbrochenen Ehe" ist nicht unbedingt ein weltlicher Ehebruch zu verstehen, sondern es geht viel mehr um die Abtrennung unserer Seele aus der göttlichen Ehe und Vereinigung. Diese nach außen gerichtete Wegwärtsbewegung, das ist Sünde. Alles was sich von Gott abwendet ist in diesem Sinne Sünde ... und im Grunde ist jede Millisekunde, in der wir nicht mit unserem Geist ins Göttlichen versenkt sind und uns Ihm unsere Aufmerksamkeit zuwenden, eine Sünde.

So sind wir beinahe hoffnungslos in den Sinnesfreuden der materielle Welt verloren und, ja, in obigem Sinne große Sünder. Wir lieben die Welt mehr als Gott.

Jesus spannt aber dann den Bogen zur Ausgangsfrage, warum der Mensch dennoch gerettet wird. "In seiner Mitte" trägt der Mensch nämlich das Unvergängliche, die Seele ... und sie kehrt natürlich zu IHREN Wurzeln zurück, also in die göttliche Heimat, während der vergängliche physische Körper in seine Einzelbestandteile zerlegt und wieder zu einem Teil dieser Welt wird. ABER mit "kam das Gute in die Mitte", meint Jesus wohl vielmehr sich selbst als Gottmensch, dessen Aufgabe es ist die Seelen in ihre wahre Heimat zurück zu führen. Die Sätze sind offenbar ein bisschen mehrdeutig ... was sie ja auch gewissermaßen spannend macht ... vielleicht eine Art "Wortspielereien"?
 
Evangelium der Maria schrieb:
Dann fuhr er fort: 'Deswegen werdet ihr krank und müsst sterben: Weil ihr [das liebt], was [euch in die Irre führt](1). Das sollte jeder bedenken!

Da fehlen ein paar Tex-Fragmente. Aber es ist genau das, was schon oben steht und die Heiligen immer wieder betonen: Wir lieben die Welt mehr als das Göttliche. Und wie äußert sich diese Liebe? In Form von Zuwendung und Zeit, die wir dafür aufbringen. Wenn wir etwas sehr lieben, dann wollen wir jede einzelne Sekunde damit verbringen. Aber indem wir der Welt den Vorzug geben, müssen wir die Krankheiten des materiellen Körpers erdulden und auch sein nahendes Ende (physischer Tod). Und das nicht nur einmal.

Für Jesus war es klar, dass die vorherrschende Liebe zur Welt (Rang & Name, Besitztümer, Sexualität, Macht & Geld usw.) ein fortwährendes Geborenwerden und Sterben im Kreislauf der Geburten und Tode mit sich bringt.

Oder anders herum, also über die Logik: Jesus liefert uns quasi die Antwort darauf, wie wir aus diesem Kreislauf (Rad des Lebens) ausbrechen können. Es geht definitiv nicht um den "Tod dieses Lebens", weil dieser sich ja gar nicht mehr vermeiden lässt. Wir wurden bereits geboren (wegen der Liebe zu dieser Welt) und müssen früher oder später auch unseren Körper ablegen (sterben). Vielmehr geht es um einen Ausbruch aus dem "Rad des Lebens" und Kreislauf des Wiedergeburten, wie man heute sagen würde.
 
Das Rad des Lebens (der Wiedergeburten) ist keine Erfindung des Buddhismus. Alle höherwertigen Religionen betrachte(te)n es als eine Grundsäule ihrer Lehren, wie auch das einstige Christentum. So finden wir heute noch in der Einheitsübersetzung der Bibel:

Jakobus (3 schrieb:
Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist der Teil, der den ganzen Menschen verdirbt und das Rad des Lebens in Brand setzt; sie selbst aber ist von der Hölle in Brand gesetzt.
Und was erfahren wir hier? :) Die Zunge, also unsere Worte, befeuern das Rad des Lebens und halten es am Laufen ... und wir schaffen damit Karma ... und müssen wieder kommen. Alles fügt sich wunderbar zusammen.
 
Evangelium der Maria schrieb:
Es gibt ein Leid, das nicht verglichen werden kann. Es ist aus einem gegenüber der Natur hervor gegangen. Daher entsteht eine Verwirrung überall am Leibe. Und deswegen habe ich Euch gesagt: Habt Mut! Auch wo ihr Mut nicht habt, habt dennoch Mut! Denn ihr seht doch, die Gestalten der Natur, sie sind verschieden.
Diese, obige Übersetzung ist hilfreich, aber nicht perfekt und eben sehr schweeer zu erfassen. Worum geht es hier wirklich???? Die eine englische Übersetzung liefert hier zusätzliche Aufschlüsse

[...] indeed become contented and agreeable (only) in the presence of that other Image of nature.

Dieses Gegenteil der Natur ... das ist natürlich nicht-materiell, also Seele ... aber möglicherweise eine Anspielung von Jesus auf die Kraft, die er vertritt:

Evangelium der Maria (Toppers Version) schrieb:
Aus der Materie ging ein Leiden hervor, das keinesgleichen kennt, weil es aus etwas entstanden ist das der Natur der Seele widerspricht. So entstand eine Verwirrung [= Unwissenheit] im ganzen Körper. Dennoch habe ich Euch gesagt: Seid zuversichtlich, wenn ihr auch unzufrieden und verzagt sein möget! Wahrlich, werdet offen und empfänglich in der Gegenwart Jenes, der dem Wesen der äußeren Welt entgegensteht (1).
(1) Ich vermute, dass hier wieder diese spielerischen Doppeldeutigkeiten vorkommen ... obige Originalübersetzung ist auch gut: Die Apostel sollen frohen Mutes ein, weil eben Natur und Seele verschieden sind ... und die Seele ihrem Wesen nach unsterblich ist und zum Vater zurück kehren wird.
 
Möglicherweise ist (1) aber auch eine indirekte Anspielung von Jesus auf sich selbst ... also, Er ist die Kraft die gekommen ist die Seele zu ihrem Wurzeln zurück zu bringen ... und in Seiner Gegenwart sollen die Apostel frohen Mutes sein ... ja und vor allem empfänglich (für die Christus- und Meisterkraft) werden. Mein derzeitiger Eindruck ist, dass Jesus auf die Bedeutung der Empfänglichkeit hinweisen wollte.

Ansonsten spricht die Übersetzung ja eh schon fast Klartext: Die Abtrennung von Gott und das Eintauchen in die Materie fordert einen hohen Tribut von der Seele ... und sie wird Leid ertragen müssen. Sie vergisst ihren Schöpfer im Reich der Materie & Illusionen und verliert sich selbst im Spiel des Lebens. Aber die Apostel sollen nicht verzagen, weil Jesus für sie gekommen ist.
 

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