Ethische Tugenden entwickeln - Selbstloses Dienen

In dieser Welt sind wir es gewohnt, für alles Tun eine Gegenleistung zu erhalten. Selbstloses Dienen oder "Seva" steht dazu im Widerspruch und bedeutet praktisch nichts im Gegenzug für seine erbrachte Leistung zu erwarten. Diese Form des Dienstes an anderen Lebewesen ist für die spirituelle Enwicklung sehr wertvoll.

Wenn man sich das Leben genauer ansieht, so sieht man, dass das Seva-Prinzip in der Welt relativ selten vorkommt. Betrachtet man z.B. eine Partnerschaft, so erkennt man ziemlich schnell, dass es sich damit nicht soooo selbstlos verhält, wie man das auf den ersten Blick meinen könnte, denn mit der Partnerschaft sind häufig Erwartungen verbunden. Und so ist alles ein Nehmen und Geben. Sobald wir aber nicht mehr das erhalten, was wir von der anderen Person erwarten sind wir verärgert. Sollte dieser Zustand länger anhalten, dann drohen wir schließlich mit Konsequenzen ... bis wir unsere Liebe schließlich gänzlich aufkündigen!

Selbstloses Dienen bedeutet hingegen ... etwas von sich zu geben ... oder eine Leistung zu erbringen ... ohne den Hintergedanken einer Erwartung. Wie so oft im Leben können diese Proezsse aber aber sehr versteckt ablaufen ... und im Entferntesten erwarte ich sehr wohl einen Vorteil für mich ... so wie bei einer Firma, die für einen wohltätigen Zweck spendet und sich Vorteile im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit verspricht: "Wir haben 100.000 Euro für Licht ins Dunkel gespendet!" ... und ein Manager präsentiert den großen Scheck im TV ... quasi als Ersatz für einen Werbespot. Und in unserem Leben laufen viele Dinge ähnlich ab ... und wir tun vielleicht etwas, um bei anderen besser da zu stehen. Das ist also kein selbstloser Dienst.

Manchmal vermischt sich auch beides ein wenig ... manchmal hat man gewisse Erwartungen, aber großteils möchte man nicht das Geringste für seine Dienste haben. Wenn man nichts dafür will ist das "Seva", also selbstloser Dienst :-) ... und ich kann mir vorstellen, dass das bei vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten der Fall ist ... aber im Endeffekt bei jeder Leistung oder auch finanziellen Spende für andere Menschen.

Im Islam heisst es (wenn mich nicht alles täuscht), dass man 2 % seines Einkommens für die Armen spenden soll. Und das ist eben finanzieller Seva. Oft gewinne ich auch den Eindruck, dass die Eltern sehr viel "Seva" für ihre Kinder machen ... insbesondere die Mutter, die sich für das Kind aufopfert. Sicherlich ist das auch alles eine Vermischung von allem ... weil die Mutter hat natürlich auch Erwartungen ... sie will z.B. eine Familie ... sie will sich in der Rolle der Mutter erproben und darin wachsen ... sie sieht darin ein persönliches Entwicklungspotential ... und will, wenn sie einmal älter wird vom Kontakt zu ihren Kindern profitieren usw.

Ja, warum entscheiden sich Menschen für Kinder? Weil sie eine Familie wollen? Ja, aber warum wollen sie eine Familie? Wollen sie einer Seele die Möglichkeit geben in diese Welt einzutreten und ihr alles auf dem Weg mitgeben, damit sie in dieser Welt Fuß fassen und sich optimal entwickeln kann? Genau das wäre eben selbstlos =) Ich habe diese Begründung aber bisher selten gehört ... ich habe eher den Eindruck, dass Menschen ein Baby bekommen, weil sie sich dabei schöne Momente versprechen ... die Schönheit des Babys ... es Wachsen zu sehen ... die Entwicklung erleben ... selbst daran wachsen ... und und und. Das sind im Grunde alles egoistische Gründe, oder täusche ich mich? Bekommen die Menschen Babys um den Babys alle Chancen der Entwicklung zu geben?

Ja, da sind wir also wieder bei dem Punkt, dass wir in dieser Welt alles mit Hintergedanken machen und immer aus der Überlegung heraus, was UNS persönlich einen Nutzen einbringt ... also ich gebe was und bekomme dann was dafür. Es läuft gewöhnlich immer so ab ... und grundsäztlich ist daran auch nichts auszusetzen. Die höchst Form von allem wäre aber eben Geben und NICHTS dafür zu erwarten ... ja und das geht schon im sehr kleinen Rahmen, wenn mich jemand um etwas bittet ... z.B. eine alte Frau auf der Straße fragt, ob ich sie dorhin fahren kann usw.

Das Ganze hat aber dort seine Grenze, wo andere Menschen mich ausnutzen wollen. Sie werden es definitiv probieren ... und da macht eine Form der Selbstaufgabe überhaupt keinen Sinn. Das ist wie bei einem Geschäft das plötzlich seine Ware verschenkt. Die Leute werden denen die Türen eintreten ... und nicht im Geringsten daran denken, wie sie etwas zurückgeben könnten ... und da braucht es dann halt auch immer Grenzen und es ist gut diese setzen zu können ... denn Grenzen zu setzen ist auch eine Form der Liebe ... sich selbst gegenüber ... aber auch dem Ego des anderen tut es gut.

Kommentare

Selbstloses Dienen sollte allein vom Verlangen zu helfen geprägt sein. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse werden dabei hintenangestellt. Das resultiert in einem gewissen Paradoxon, weil wir zwar keine Belohnung erwarten ... aber dennoch eine erhalten, nämlich göttliches Wohlgefallen ... und dieses erhebt die Seele.
 
Sant Kirpal Singh schrieb:
Der Mensch muß lernen, anderen zu geben. [...]Jeder Mensch sollte sich opfern und für andere leben. Das ist sehr wichtig. Zuerst vielleicht zu einem Prozent, dann zu zehn, zu fünfzig und schließlich zu hundert Prozent. Das ist das letzte Ziel. Je mehr ihr für andere lebt, desto mehr dehnt sich euer Selbst aus und desto mehr Frieden findet ihr. Wenn das jeder beachtet, gibt es wenig Not.
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TopperHarley
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