B e g e g n u n g e n
m i t
d e m
T o d
I n h a l t
Dem T o d weise begegnen
Begleitung in den T o d
K a r m a
Dem T O D weise begegnen
I n h a l t
Lebensangst
Kindlichkeit als Lösung?
Die Ahnung
L e b e n s a n g s t
Der Tod ist das ultimative Ende unseres irdischen Lebens. Man kann vor ihm Angst haben, glaubt man, es sei das Ende überhaupt. Doch warum Angst haben, was unweigerlich kommen wird, was nicht verhinderbar ist? Wer stets Angst vor dem irdischen Ende hat, behindert sich in seiner Entwicklung zum reflektierenden Selbstbewusstsein.
Ein Nachbar starb allein in seiner Wohnung, er lebte allein und schien mir schüchtern und ängstlich gewesen zu sein. Als er sich nicht mehr meldete, schlossen andere Nachbarn seine Wohnungstür auf, denen er einen Reserveschlüssel gegeben hatte. Sie berichteten mir, wie sie ihn tot aufgefunden hätten, sein Gesicht wäre entsetzlich gewesen.
Der Tod kam über ihn und er begegnete ihm mit Angst. Er machte mir nicht den Eindruck, ein reflektierender Mensch gewesen zu sein, nicht weil er mir den Eindruck machte, dazu generell nicht in der Lage gewesen zu sein, sondern seine Lebensangst hinderte ihn daran, ein (selbst-) bewusster Mensch zu werden.
Seine Lebensangst wird es gewesen sein, weshalb er sich im Laufe seines Lebens seelisch nicht auf den Tod vorbereiten konnte, der für uns alle ja unweigerlich kommen wird.
Kindlichkeit als Lösung?
Die andere Seite der Medaille der Angst ist es, so zu tun, als ob es ihn nicht gäbe oder als ob er noch weit weg wäre. Auch dann ist die Entwicklung gehemmt, denn um das zu erreichen, ist das Kindliche Vorbild. Es wird neben den unabdingbaren Verpflichtungen als Erwachsener versucht, kindlich zu bleiben, denn es steht am Anfang des Lebens, das sich über den Tod noch gar nicht im Klaren ist. Diese Seite der Angst ist eine, die sich selbst etwas vormacht, die verdrängt, was unweigerlich kommen wird und sich ebenso nicht auf den Tod vorbereitet.
Die Ahnung
Den irdischen Tod überwinden hieße, ein gewisses Bewusstsein darüber zu haben, dass der Mensch nicht bloß das ist, was seinen fleischlichen Leib ausmacht, der sich zersetzt, sich auflöst und wieder zu Erde wird, aus der sein Leib gekommen und gebildet worden ist. Mag dieses Bewusstsein noch eher ein Ahnen sein, mag man es als ein Ahnen nennen, das echte Zuversicht und Hoffnung gibt.
Aber auch dieses Ahnen kann sich was vormachen, indem es lediglich aufgebaut worden ist durch von außen kommende Einflüsse, die die Seele ähnlich kindlich bleiben lässt, sie bleibt in ihrer spirituellen Entwicklung passiv, lässt sich autoritär leiten.
Die Ahnung aber, die von Einflüssen frei ist, die nur in der Empfindung echt ist, die kommend aus den Tiefen der eigenen Seele hervorgehoben wird, kann ihr genügen oder kann ihr ein Antrieb sein, die den Menschen veranlasst, bewusst wissen zu wollen, was nach dem Ende kommen wird. Mir wurde folgendes Ereignis berichtet, dem eine echte Ahnung wohl zu Grunde liegen mag, aber nicht muss: Eine über 80-jährige Frau wurde als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Krankenschwester kam um sie besorgt ins Krankenzimmer, die ältere Dame sagte nur zu ihr: Ach, Kindchen, was willst du denn noch mit mir. - Kurz danach sei sie gestorben.
Begleitung in den TOD
Besonders schwer mag es für den sein, den Verlust durch den Tod ertragen zu müssen, an dessen Seite durchs Leben gegangen ist. Der Sterbende verliert den geliebten Lebenspartner und dieser den Sterbenden.
Es kann die Frage aufkommen, wie lange der Sterbende noch zu leben hätte, wie lange die wohlige Nähe des anderen noch gefühlt werden könne. Kommt aber solch eine Frage nicht aus einem versteckten Egoismus heraus, die sich Liebe nennen will, deren Begierde die wohlige Nähe des anderen noch bis zu einem bestimmten Zeitpunkt des endgültigen Sterbens für sich fühlen möchte?
Kann vom sterbenden Lebenspartner gefühlsmäßig nicht losgelassen werden, ist sich auch gefühlsmäßig nicht auf den Tod des Lebenspartners vorbereitet worden. Man hat sich auf diese unweigerlich kommende Situation nicht innerlich vorbereitet, es wurde sich nicht um sie gekümmert, sie wurde aus Angst verdrängt.
Nennt man sich dennoch als religiös, so hat diese Religiosität, die als sein innerlich Eigen gesehen wird, nicht dazu beigetragen, sich innerlich auf das Endgültige des irdischen Sterbens vorbereitet zu haben. Die für sich in Anspruch genommene Religiosität ist zwar der Hemmschuh, doch dieser ist angezogen worden durch denjenigen, der insgeheim nicht bereit dazu war, an seiner Seele so zu arbeiten, dass seine Liebe bereit wäre, über den Tod hinaus zu gehen, die solche Liebe in eine andere Dimension eintreten lässt, die - ohne sich etwas auf diesem Gebiet vorzumachen - sich nicht erst mit dem Tod des Lebenspartners gefühlsmäßig für das spirituell Geistige öffnet, sondern das bereits zu Lebzeiten ein Bedürfnis gewesen ist, durch die Pforte zu dieser Dimension geistig eintreten zu wollen. Durch wirkliche Liebe, der der Egoismus fehlt, die eine Liebe aus Weisheit ist, wird der Hüter der Schwelle zu dieser Pforte in sich überwunden.
Das Phänomen der abnehmenden Zeit
Das Erleben des Vergehens der Zeit (und Raum) wird kaum noch oder nicht mehr empfunden, wenn sich auf etwas konzentriert wird. So ist's auch mit dem zunehmenden Alter, die Zeit verrinnt schneller.
Liegt jemand im Sterben, so nähert sich dessen Seele der Ewigkeit an, so verliert sie für den Sterbenden immer mehr die Bedeutung, die sie für das irdische Leben hat.
Der liebende Sterbebegleiter geht mit dem Sterbenden ein Stück mit in die Dimension der Auflösung der Zeit.
K a r m a
"Meine Taten von gestern sind die Vorbedingungen derjenigen, die mir heute obliegen. Ich habe mir dem, was ich gestern vollbracht habe, für heute mein Schicksal geschaffen."
Rudolf Steiner, Theosophie