Platz! Platz!
schreit das ausdrucksvolle Schweigen der Waldestiefe.
Mach Platz, ruft der Baumriese und gebraucht rücksichtslos seine brutale Kraft;
um Platz bittet der jugendliche Wuchs;
um ein wenig Platz bettelt die Liane und windet sich demütig hindurch
durch die kraftstrotzenden Arme machtvoller Genossen;
und mit List weiss die Schmarotzerpflanze ein Plätzchen zu erraffen.
Und die üppige Natur spendet allen ohne Unterschied reichliche Wärme und Feuchtigkeit zu überquellendem Gedeihen!
Und alles wächst und spriesst und grünt in ungebändigter Fülle.
Und alles stösst einander und drängt einander und hindert einander;
Keines kann sich ausleben; jedes muss sich wehren und sucht zu gewinnen.
So ist es ein stiller, rasender Kampf -
und wer zu lauschen versteht, dem raunt die Stille das Wispern und Knistern des verzweifelten Existenzkampfes zu.
Nur der Tod kann helfen!
Und er hilft.
Erschöpft, entseelt sinken die Geschlechter der Riesen dahin.
Dahinsiechend und nur noch gehalten in der fürchterlichen Enge der Umgebung,
abgestorben, vermorscht in der aussaugenden Umklammerung üppig wuchernder Schlinggewächse -
Eines Tages kommt das Ende,
und mit Donnerkrachen stürzt der gigantische Stamm zu Boden und reisst todbringend
eine Gasse in das kleinere Pflanzengewirr, knatternd, prasselnd:
In Grabesruhe liegt er nun da,
machtvoll noch in der Majestät des Todes Platz heischend.
Seine gewaltige Wurzelscheibe hat er mitgerissen, und wie eine ungeheure Wand ragt,
von dräunden Armen starrend, das Wurzelwerk in die Höhe.
Ein Loch ist in den Boden gerissen, in dem bei der ewigen Nässe sich gern Sumpf und Moder bildet.
Aber Platz ist geworden, heissem Leben weicht der Tod, von allen Seiten spriesst es und grünt es,
und fast so schnell, wie sie geworden, ist die Lücke geschlossen,
und die Schlacht tobt unentwegt weiter.
So liegen sie da, die Äste, die Stämme und Bäume, gross und klein, Opfer des Kampfes.
Bald ein mächtiger haltgebietender Wall, ein Hindernis jeglichen Verkehrs,
über das selbst der Elefant nur mühselig rutschend und kletternd seinen Weg findet,
bald morsch zusammenfallend im Urwaldmoder,
bald nur noch gewaltige Trümmer einstiger Grösse.
Und wenn die Nacht kommt und tiefes Dunkel alles deckt,
dann leuchtet der modrige Stamm in bläulichgrünlichem Licht
phosphorenzierend geheimnisvoll durch das schwarze Gestrüpp.
Und rastlos ist der Tod am Werk.
Bald fern, bald nah, wie machtvolles Donnerkrachen,
wie ein dumpfes Stöhnen,
ein schwaches Murren -
immer wieder tönt das eindrucksvolle Momento mori.
Auszug aus:
"Im Dämmer des Rimba - Sumatras Urwald und Urmensch"
1922 - Wilhelm Volz
schreit das ausdrucksvolle Schweigen der Waldestiefe.
Mach Platz, ruft der Baumriese und gebraucht rücksichtslos seine brutale Kraft;
um Platz bittet der jugendliche Wuchs;
um ein wenig Platz bettelt die Liane und windet sich demütig hindurch
durch die kraftstrotzenden Arme machtvoller Genossen;
und mit List weiss die Schmarotzerpflanze ein Plätzchen zu erraffen.
Und die üppige Natur spendet allen ohne Unterschied reichliche Wärme und Feuchtigkeit zu überquellendem Gedeihen!
Und alles wächst und spriesst und grünt in ungebändigter Fülle.
Und alles stösst einander und drängt einander und hindert einander;
Keines kann sich ausleben; jedes muss sich wehren und sucht zu gewinnen.
So ist es ein stiller, rasender Kampf -
und wer zu lauschen versteht, dem raunt die Stille das Wispern und Knistern des verzweifelten Existenzkampfes zu.
Nur der Tod kann helfen!
Und er hilft.
Erschöpft, entseelt sinken die Geschlechter der Riesen dahin.
Dahinsiechend und nur noch gehalten in der fürchterlichen Enge der Umgebung,
abgestorben, vermorscht in der aussaugenden Umklammerung üppig wuchernder Schlinggewächse -
Eines Tages kommt das Ende,
und mit Donnerkrachen stürzt der gigantische Stamm zu Boden und reisst todbringend
eine Gasse in das kleinere Pflanzengewirr, knatternd, prasselnd:
In Grabesruhe liegt er nun da,
machtvoll noch in der Majestät des Todes Platz heischend.
Seine gewaltige Wurzelscheibe hat er mitgerissen, und wie eine ungeheure Wand ragt,
von dräunden Armen starrend, das Wurzelwerk in die Höhe.
Ein Loch ist in den Boden gerissen, in dem bei der ewigen Nässe sich gern Sumpf und Moder bildet.
Aber Platz ist geworden, heissem Leben weicht der Tod, von allen Seiten spriesst es und grünt es,
und fast so schnell, wie sie geworden, ist die Lücke geschlossen,
und die Schlacht tobt unentwegt weiter.
So liegen sie da, die Äste, die Stämme und Bäume, gross und klein, Opfer des Kampfes.
Bald ein mächtiger haltgebietender Wall, ein Hindernis jeglichen Verkehrs,
über das selbst der Elefant nur mühselig rutschend und kletternd seinen Weg findet,
bald morsch zusammenfallend im Urwaldmoder,
bald nur noch gewaltige Trümmer einstiger Grösse.
Und wenn die Nacht kommt und tiefes Dunkel alles deckt,
dann leuchtet der modrige Stamm in bläulichgrünlichem Licht
phosphorenzierend geheimnisvoll durch das schwarze Gestrüpp.
Und rastlos ist der Tod am Werk.
Bald fern, bald nah, wie machtvolles Donnerkrachen,
wie ein dumpfes Stöhnen,
ein schwaches Murren -
immer wieder tönt das eindrucksvolle Momento mori.
Auszug aus:
"Im Dämmer des Rimba - Sumatras Urwald und Urmensch"
1922 - Wilhelm Volz