Ein freier Text der NFJ Berlin, weshalb ich ihn hier reinkopieren darf.
Angeklagt ist die Gesellschaft in der Khaled Idris Baray getötet wurde!
Überraschend ging gestern die Meldung durch die Presse, dass ein Mitbewohner von Khaled Idris Bahray verhafet worden ist und die Tat gestanden haben soll. Das ist für uns kein Grund zur Beruhigung.
Es ist traurig und macht uns wütend, dass erst mit dem Mord an Khaled Idris Baray die Situation von Geflüchteten und anderen von Rassismus Betroffenen zum Thema wurde. Dass erst dann die regierenden Politiker*innen in Sachsen sich positionieren mussten zu der Angst der Geflüchteten dort. Dass für einen winzigkleinen Moment der Diskurs um das „Ernstnehmen der Sorgen und Ängste“ der deutschen Normalrassist*innen unterbrochen wurde und für einen winzigkleinen Moment auch der deutsche Mainstream mitbekommen musste, dass Pegida und andere rassistische Mobilisierungen nicht nur dem Standort schaden, sondern vor allem ein Bedrohungsszenario eröffnen.
Am gleichen Tag des Mordes an Khaled Idris Baray gab es einen weiteren Angriff auf einen Asylbewerber, wenige Tage später einen Brandanschlag auf das Haus einer Schwarzen Familie bei Hannover, in den Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinde Dessau wurde randaliert - und das ist nur ein Ausschnitt der Geschehnisse der vergangenen Tage. Wenn nun ein Aufatmen durch die deutsche Gesellschaft geht, dass der Mord an Khaled Idris Baray wahrscheinlich doch kein rassistisches Motiv gehabt habe, dann halten wir dem entgegen: Es gibt keine Atempause!
Es sind diese aktuellen gesellschaftlichen Zustände, aufgrund derer wir beim Mord an Kahled Idris Baray erstmal annehmen müssen, dass Rassismus das Tatmotiv ist - und zwar so lange, bis nicht das Gegenteil bewiesen worden ist. Das ist unsere Lehre aus der Verleugnung von Rassismus als Tatmotiv bei den Morden des NSU. Und diese Herangehensweise gilt für uns für jede Form von Übergriffen oder gar Morden, bei denen aufgrund der gesellschaftlichen Umstände Rassismus ein Tatmotiv sein könnte. Insbesondere auch mit Blick auf den Mord an Oury Jalloh ist unsere Skepsis gegenüber den Ermittlungsbehörden weiterhin groß. Die neuen „Ermittlungsergebnisse“ machen weder die Fehler und fehlende Empathie der sächsischen Polizei (Leugnung einer Fremdeinwirkung, Spurenverwischung, Befragung der Freund_innen ohne Übersetzer_in...) ungeschehen, noch ist klar wie das jetzt präsentierte Geständnis zustande kam.
Aus diesen Gründen war es gut und richtig im Gedenken an Khaled Idres Bahray auf die Strasse zu gehen und gegen den rassistischen Normalzustand zu demonstrieren.
Deshalb sagen wir:
- Keine Entlastung der sächsischen Polizei!
- Vollständige Aufklärung der Ereignisse rund um den Mord an Khaled Idris Baray!
- Erfüllung der Forderungen seiner Freund*innen!
- Solidarität mit allen von Rassismus Betroffenen!
- Den rassistischen Normalzustand sabotieren!
Kampagne „deutschland demobilisieren!“ der NFJ Berlin
Quelle