Irgendwie sprachlos.... woher kommt Leid?

RitaMaria

Sehr aktives Mitglied
Registriert
24. Oktober 2004
Beiträge
3.876
Ort
Am Rhein
Die Zahlen werden immer weiter nach oben *korrigiert*, die meisten Toten in meinem geliebten Sri-Lanka, wo ich zwei Jahre lebte. Das sind Dimensionen, wo sich der Verstand irgendwie weigert, das alles wirklich nachzuvollziehen.

Nicht, dass ich zweifelte, aber unsere Seelen, deren Seelen müssen schon sehr groß sein, dass sie sich dieses antun.

Was sind eure Gedanken? Woher kommt Leid? Was ist der tiefere Hintergrund für eine solche Katastrophe?

Und ich möchte an dieser Stelle gerne auch noch mal den Gedanken aufgreifen, der vorhin von Joschka Fischer dargestellt und auch in einer anderen Abteilung dieses Forums schon erwähnt wurde:

Knallerei ist angesichts einer solchen Menschheitskatastrophe wohl nicht das Ideal dieser letzten Tage des Jahres.
Wenn man irgendwie was entbehren kann, sollte die Menschheitsfamilie nun wirklich eng zusammenstehen, um wenigstens die materielle Not der Betroffenen so weit wie möglich zu lindern. Jenseits aller religiösen und philosphischen Schein-Trennungen.

Weiß da jemand eine Organisation, der man wirklich vertrauen kann und kann da die entsprechende Konto-Nr. gleich mit veröffentlichen???

Gruß von RitaMaria
 
Werbung:

fckw

Sehr aktives Mitglied
Registriert
27. Juni 2003
Beiträge
7.104
Ort
Zürich
RitaMaria schrieb:
Nicht, dass ich zweifelte, aber unsere Seelen, deren Seelen müssen schon sehr groß sein, dass sie sich dieses antun.
Ich halte diese Argumentation nach wie vor für illegitim. Falls es wirklich so ist, dass unsere "Seele" sich ihr Leben auswählt, so fand das statt "in einer andern Welt" und "in einem andern Bewusstseinszustand". Dies auf unser Leben hier und jetzt zu beziehen ist daher immer falsch, weil es einen Kategorienfehler darstellt. Dieser Kategorienfehler ist darüberhinaus sehr gefährlich, denn er verführt schnell zu einer fatalistischen Denkweise und Schuldzuweisungen.
Im übrigen glaube ich persönlich nicht an diese dargestellte Idee.
Was sind eure Gedanken? Woher kommt Leid? Was ist der tiefere Hintergrund für eine solche Katastrophe?
Leid ist eine Interpretation von Geschehnissen. Die Geschehnisse mögen schmerzhaft, brutal, extrem sein und sich unserem Verständnis entziehen, auf eine Weise, auf der wir an ihnen verzweifeln, aber sie als "Leid" aufzufassen ist eindeutig eine Interpretation. Objektiv gesehen ist einfach passiert, was passiert ist. Nur subjektiv gesehen besitzen die Ereignisse einen "höheren Sinn" oder einen Hintergrund, über den wir bestenfalls spekulieren können, wenn überhaupt. In meinen Augen wird nur durch diese Sichtweise Handeln möglich, aus welchem echtes Mitgefühl - aber kein überflüssiges Mitleid - spricht.
 
P

PublicEnemy

Guest
nun brauchen wohl eher die Überlebenden Hilfe - nicht die Toten.

wäre ich dort umgekommen - dann möchte ich, dass meine Hinterbliebenen an Silvester doppelt feiern! ...für mich mit!
belachen will ich was ich sehe! (la vita e bella)

der Protagonist schlechthin. Der wahre Sieger. Seine Liebe geht weit über den Tod hinaus.
Woher das Leid stammt? Aus dir!


Ich habe meinen bescheidenen Beitrag an Unicef gespendet.
 

RitaMaria

Sehr aktives Mitglied
Registriert
24. Oktober 2004
Beiträge
3.876
Ort
Am Rhein
Ich halte diese Argumentation nach wie vor für illegitim. Falls es wirklich so ist, dass unsere "Seele" sich ihr Leben auswählt, so fand das statt "in einer andern Welt" und "in einem andern Bewusstseinszustand". Dies auf unser Leben hier und jetzt zu beziehen ist daher immer falsch, weil es einen Kategorienfehler darstellt.

Dann blieben [ man beachte den Konjunktiv!] zwei Alternativen übrig:

1. Alles ist zufällig und chaotisch
2. Gott schickt Freud und Leid

Da tendiere ich dann eindeutig zu der von mir dargestellten Intrerpretation...

Klar ist es eine andere Dimension, aber ist eine Dimension, die sich über die Folgen der Entscheidung nicht im Klaren ist?

Dieser Kategorienfehler ist darüberhinaus sehr gefährlich, denn er verführt schnell zu einer fatalistischen Denkweise und Schuldzuweisungen.


Dieses widerspricht absolut den Grundprinzpien der Religionen, die sich mit Karma beschäftigen.

Leid ist eine Interpretation von Geschehnissen. Die Geschehnisse mögen schmerzhaft, brutal, extrem sein und sich unserem Verständnis entziehen, auf eine Weise, auf der wir an ihnen verzweifeln, aber sie als "Leid" aufzufassen ist eindeutig eine Interpretation.

Hier stimme ich absolut mit dir überein. Alles ist das, wozu ich es erkläre.

In meinen Augen wird nur durch diese Sichtweise Handeln möglich, aus welchem echtes Mitgefühl - aber kein überflüssiges Mitleid - spricht.

Sehe ich auch so.
Aber egal, wie man etwas nun an-sieht, WOHER verdammt noch mal kommt es????

Gruß von RitaMaria
 
P

PublicEnemy

Guest
Dann blieben [ man beachte den Konjunktiv!] zwei Alternativen übrig:

1. Alles ist zufällig und chaotisch
2. Gott schickt Freud und Leid
Die Welt braucht keinen Gott um zu funktionieren.

Gott schickt nicht Freud. Auch nicht Leid.
Erst dein denken macht es dazu.

Jeder Mensch ist sich des Todes bewusst.

Wann und wie man gehen muss......

....dahinter einen Sinn zu suchen ist so sinnlos - wie wenn man den Sinn davon kennen würde.
 

fckw

Sehr aktives Mitglied
Registriert
27. Juni 2003
Beiträge
7.104
Ort
Zürich
PublicEnemy schrieb:
Seine Liebe geht weit über den Tod hinaus.
Ja, ein wundervoller Film! Auch "American Beauty", das sind Filme, hinter denen sehr viel mehr steckt, als dass man sie nach ein oder zweimal anschauen erfasst hätte.

@RitaMaria:
Aber egal, wie man etwas nun an-sieht, WOHER verdammt noch mal kommt es????
Siehst du, jetzt hast du 3 Alternativen genannt.
1. Alles ist zufällig und chaotisch
2. Gott schickt Freud und Leid
...
3. deren Seelen müssen schon sehr groß sein, dass sie sich dieses antun
Ohne weiter auf eine der drei Alternativen einzugehen (eine Auseinandersetzung würde ganze Bibliotheken füllen):

Unabhängig davon, was nun "in Realität" zutrifft, die Frage stellt sich mir: Woher kommt dieser äusserst starke Wunsch, es verstehen zu wollen? Fühlst du das auch wie ich, wenn ich deinen Eintrag lese, wie tief hier deine Emotionen gehen? So tief, dass die sonst äusserst klug und gemässigt argumentierende RM plötzlich zu fluchen anfängt.

Ich habe jahrelang über diese Frage nachgedacht. Und ich habe verstanden, dass die Antwort nicht unabhängig davon gefunden werden kann von der Frage, warum ich überhaupt nach einer Antwort auf die Frage nach dem Leid suche. Meine Motivation, eine Antwort zu finden, war mindestens ebenso wichtig wie die Antwort auf die Frage nach dem Leid selbst.

Ich kann dir also keine Antwort bieten, die dich befriedigen wird. Nicht, weil ich diese Antwort nicht besitzen würde, sondern weil es eine Antwort ist, die ich anderen nicht ohne weiteres geben kann. Es ist eine existentielle Frage, keine Frage der Logik oder Mathematik, und eine solche Frage bedarf einer existentiellen Antwort, und keine Antwort der Logik oder des Verstandes. Es muss eine Antwort sein, die aus dem Wesen des Menschen kommt, die aus seiner Existenz spricht.

Die Antwort kann nicht gegeben werden, so lange sie nicht "bereits gefunden" ist. Anders ausgedrückt: Christus ist eben sehr viel mehr als bloss Jesus. Er wird dir eine Antwort geben können.
 
Werbung:

fckw

Sehr aktives Mitglied
Registriert
27. Juni 2003
Beiträge
7.104
Ort
Zürich
Übrigens ist es einen Gedanken wert, warum wir überhaupt den Tod (den eigenen oder den anderer) als leidvoll empfinden. Ist der Tod nicht doch die notwendige Begrenzung, derer das Leben bedarf, damit es überhaupt erst zum Leben wird und nicht eine endlose Stasis ist?
Allerdings löst das noch immer nicht die Frage nach der verlorenen Existenzgrundlage unzähliger Menschen. Wovon sollen die denn jetzt leben?

...da bin ich auch ratlos.
 
Oben