Heftige "Übung"

ChaliceQueen

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Hallo,

ich schreib das einfach mal hier rein...
Heute mittag hatte ich eine Idee.. da war ich in einer Umkleidekabine mit schönen, großen Spiegeln.
Ich habe dann etwas ausprobiert: mich vor den Spiegel auf einen Hocker gesetzt und in mein eigenes Gesicht geschaut. Nacheinander dachte ich dann an eigene Familienmitglieder. Die Wahrnehmungen waren erstaunlich.
Es war ein bisschen, als würde mich aus meinem eigenen Gesicht im Spiegel der andere ansehen. Einmal war der Ausdruck eine einzige Anklage, und der Gedanke, der dazu auftauchte, war: Die sind ein gemeiner Haufen. Ein anderes Mal sah ich plötzlich nur noch (meine) Augen, nicht mehr den Rest des Gesichtes, und sie wirkten ganz starr (das Familienmitglied ist auch tot), wieder bei jemand anderem fühlte ich mich unerwartet ruhig und friedlich. Und bei einem mochte ich gar nicht in den Spiegel sehen, sondern eher auf den Boden, bis ich mir am Schluss einen kleinen Ruck gab.

Im Ganzen war das ziemlich krass.
Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht die Leute nachgemacht habe oder so etwas, ich habe noch nicht mal an besonders charakteristische Merkmale gedacht, sondern sie nur vordergründig/oberflächlich in meinen geistigen Fokus geholt.
Am Schluss nahm ich mir ein paar Sekunden Zeit, mir zu sagen, dass ich wieder ich bin.
Was sagt ihr dazu? Hat das jemand schon mal ausprobiert? Es ist quasi, als würde ich mich selbst "aufstellen" - so stelle ich mir das vor.

Viele Grüße von C.Q.
 
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Christoph

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Hallo C.Q.,

nun allein vor dem Spiegel ist das eine gewagte Sache ohne Unterstützung. Dennoch hast du eine Erfahrung mit deinem systemischen Feld gemacht. Sie bestätigt, was auch wissenschaftliche Untersuchungen über die wahrnehmungen der Stellvertreter bereits bestätigt haben.

Es ist durchaus üblich im systemischen Coaching, den Coachee selbst nacheinander in die Rollen der Familie zu stellen und wahrnehmen zu lassen, was da ist. Allerdings hat das mit Familienstellen "nach Hellinger" wenig zu tun.

Zudem ist diese Methode nicht empfehlenswert, wenn jemand evtl. ein- oder mehrfach identifiziert ist. Das kann der Betreffende aber nicht wissen. Dann könnte sie ein bereits durch die Mehrfachidentifizierung angelegte Störung (MPS, Schizophrenie oder andere) auslösen.

Ich rate von solchen Experimenten für Laien ab. Aber jeder ist ja bekanntlich sein eigener Esel. Und du hast ja etwas Wertvolles draus gelernt.

Herzliche Grüße
Christoph
 

Caitlinn

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ChaliceQueen schrieb:
Hallo,

ich schreib das einfach mal hier rein...
Heute mittag hatte ich eine Idee.. da war ich in einer Umkleidekabine mit schönen, großen Spiegeln.
Ich habe dann etwas ausprobiert: mich vor den Spiegel auf einen Hocker gesetzt und in mein eigenes Gesicht geschaut. Nacheinander dachte ich dann an eigene Familienmitglieder. Die Wahrnehmungen waren erstaunlich.
Es war ein bisschen, als würde mich aus meinem eigenen Gesicht im Spiegel der andere ansehen. Einmal war der Ausdruck eine einzige Anklage, und der Gedanke, der dazu auftauchte, war: Die sind ein gemeiner Haufen. Ein anderes Mal sah ich plötzlich nur noch (meine) Augen, nicht mehr den Rest des Gesichtes, und sie wirkten ganz starr (das Familienmitglied ist auch tot), wieder bei jemand anderem fühlte ich mich unerwartet ruhig und friedlich. Und bei einem mochte ich gar nicht in den Spiegel sehen, sondern eher auf den Boden, bis ich mir am Schluss einen kleinen Ruck gab.

Im Ganzen war das ziemlich krass.
Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht die Leute nachgemacht habe oder so etwas, ich habe noch nicht mal an besonders charakteristische Merkmale gedacht, sondern sie nur vordergründig/oberflächlich in meinen geistigen Fokus geholt.
Am Schluss nahm ich mir ein paar Sekunden Zeit, mir zu sagen, dass ich wieder ich bin.
Was sagt ihr dazu? Hat das jemand schon mal ausprobiert? Es ist quasi, als würde ich mich selbst "aufstellen" - so stelle ich mir das vor.

Viele Grüße von C.Q.


Christoph bezeichnet es "Erfahrungen mit deinem systemischen Feld", ich bezeichne es einfach als Erfahrung Deiner Verbundenheit mit allem was ist.
Es ist dies nichts Außergewöhnliches, wenn Du davon ausgehst, dass Du ein Teil von allem bist und alles ein Teil von Dir.
In einigen therapeutischen Praxen wird das sich in die Augen sehen dazu benutzt, um sich selbst besser kennenzulernen, um umfassend wahrzunehmen.
Hast Du schon beobachtet? - Kannst Du Dir gleichzeitig in beide Augen sehen? Was siehst Du, wenn Du in Dein linkes Auge schaust und was, wenn Du in Dein rechtes Auge schaust? Da tun sich Welten auf, nicht wahr??

LG Caitlinn

LG
Caitlinn
 

ChaliceQueen

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Christoph schrieb:
Ich rate von solchen Experimenten für Laien ab. Aber jeder ist ja bekanntlich sein eigener Esel. Und du hast ja etwas Wertvolles draus gelernt.

Was soll ich bitte "Wertvolles daraus gelernt" haben?? Ich habe eine spontane Idee benutzt, um mein "wissendes Feld" einmal im Spiegel zu erfahren. Und es war einfach sehr erstaunlich und sehr interessant. Wenn ich möchte, mache ich das wieder. Wenn nicht, lasse ich es sein.

Grüße,
C.Q.
 

Christoph

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Oh,


vielleicht habe ich mich auch geirrt. Du hast vermutlich Recht.

Es kann sich auch um eine Erfahrung mit dissoziierten Teilpersönlichkeiten gehandelt haben. Dann hat es zunächst einmal überhaupt nichts mit dem systemischen Feld zu tun. Allerdings sind Dissoziationen eng verbunden mit Identifikation im System.

Und natürlich machst du was du willst. Ich sagte ja: jeder ist sein eigener Esel..

Und es kann gut sein, dass du nichts gelernt hast. Das will ich nicht in Abrede stellen und habe mich diesbezüglich ebenfalls geirrt.

Gruß
Christoph

@ Walter

Dieser Thread hat nichts mit Familienstellen zu tun und gehört woanders hin!
Gruß
Christoph
 

mina73

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der christoph bekommt schlaflose nächte, wenn er dein erlebnis nicht "aus systemischer sicht" einordnen kann. tja, und schliesslich hast dus ins familienlege-forum reingeschrieben. das ist sowas wie eine herausforderung:

christoph: "etwas mit, ähm, "familie" im entferntesten sinne, dann hat die frau da noch nen "spiegel" gehabt... kann man das auch zu einer systemischen suppe verarbeiten oder nicht? oder ist das eine sache, die ich gar nicht gebrauchen kann für systemische suppen, also LAIE, verbunden mit ESEL?"

mina
 

ChaliceQueen

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@mina: danke.

@caitlinn: das ist interessant mit den Augen! Ich habe festgestellt, dass ich mir nicht wirklich gleichzeitig in beide Augen sehen kann. Muss gelegentlich genauer "einzeln" schauen :) Ich habe schon immer gern meinen Ausdruck beobachtet, aber bisher nicht so.

Viele Grüße,
C.Q.
 
S

Schnattchen

Guest
Hallo C.Q.

das was du sponti gemacht hast finde ich sehr gut und solche Sachen werden auch gern in einer psycho - Tera angewannt .

Du hast dich bewust und unbewust mit deinen Family Mitgliedern auseinader gestzt und was spricht dagegen.
Wichtig ist nur das man da auch wieder gut raus kommt und du hast es ja geschafft sehr gut finde ich große Klasse aber wer labil ist oder so eine krankhafte Familygeschichte hat wie ich der sollte es liber mit unterstüzung machen.
Tolle idee nehme ich mit in meiner Tera-Stunde

lg :flower2:
 
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ChaliceQueen

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salud schnattchen,
danke.
Nun, letztens habe ich wieder einen Versuch gemacht (als mir wieder so ein schöner großer Spiegel unterkam..).
Ja, man muss wirklich sehr aufpassen, dass man wieder rauskommt. Ich achte sorgfältig darauf... Letztens habe ich das so gemacht: rückte ich mit dem Hocker zum Spiegel, kam ich in die "Rolle", rückte ich weg (und unterbrach dabei auch den Blickkontakt) war ich wieder ich (auch verbunden mit meinen Namen sagen und so). Es geht auch mit Freunden, nicht nur mit Familie - es ist frappierend. Und ich verstehe dann diese Leute besser.

Nachtrag an Christoph:
Du magst insofern recht haben, dass ich was "gelernt" habe. Ob es was "Wertvolles" ist, weiß ich allerdings nicht. Für mich vielleicht ja, aber ich finde, es steht dir absolut nicht zu, nach dem einzigen kurzen Beitrag von mir oben den "Wert" meiner Erfahrung zu beurteilen, wie Du es getan hast.


ChaliceQueen
 
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