Dein Weg . . . und dein Sein .

DruideMerlin

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22. August 2008
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An den Ufern der Logana
:unsure:

Wenn ich zum Thema Weg noch eine Geschichte mit anfügen darf:

Es war zu einer Zeit, als ich auf meinem Weg durch die spirituelle Welt zu einem Ziel unterwegs war. Immer, wenn ich glaubte, an einem Ziel angekommen zu sein, sah ich wie bei einer Fata Morgana ein neues Ziel in der Ferne.

Bei einer Meditation zu diesem Thema sah ich einmal, wie ein Wanderer aus der Vergangenheit auf einem Weg wandelte. Alles war in Dunkel gehüllt, nur der Weg und der Wanderer strahlten in ockerfarbenem Licht.

Als er an eine Wegegabel kam, setzte er sich unter einen Baum und dachte darüber nach, welche Richtung er nun einschlagen sollte. Plötzlich sah ich in dem Wanderer Merlin auf seinem Weg durch die Zeiten. Aber schon im nächsten Augenblick wurde mir klar, dass ich nicht auf Merlin blickte, sondern auf mich selbst.

Wie mit einer Eingebung wurde mir bewusst, dass nicht das Ziel für mich entscheidend war, sondern der Weg. Es galt also nicht anzukommen, sondern diese Welt zu erkunden.

Nicht umsonst waren die Handwerksburschen drei Jahre und ein Tag ohne besonderes Ziel auf der Wanderschaft, um für ihr Handwerk und das Leben etwas zu erlernen. Das erinnerte mich auch an eine Lebensmaxime der alten Mönche: "Age, quod agis!“, oder auch "Tu, was du tust!"

Nachdem mir das alles bewusst wurde, empfand ich es als Befreiung von der sinnlosen Jagd nach einer Fata Morgana. Seit diesem Tag verstehe ich mich als einen Handwerksburschen auf dem Weg durch die spirituelle Welt. Zugegeben der Gedanke vom Weg und den Zielen ist nicht neu, aber in der Schlichtheit liegt bekanntlich die größte Kraft.

Was hatte ich für kostbare Zeit und Kraft vergeudet, nur um nach dem Sinn meines Tuns zu suchen? Grenzen meiner Gedanken öffneten sich und erst da wurde mir die Fülle klar, aus der man schöpfen kann. Es fielen auch meine Erwartungen von mir ab, die uns bekanntlich beim Glücklichsein im Wege stehen. Sich einfach über ein gutes Werk zu freuen, dass man eben erst getan hat und es sich nicht gleich wieder mit der Frage nach dem Sinn verderben.

Ich habe es jedenfalls nicht bereut von dieser Wegegabel aus, zu meinem Traumpfad durch die spirituelle Welt aufzubrechen, um als ein solcher Handwerksbursche unterwegs zu sein. Was sind da also schon drei Jahre und ein Tag?

So werde ich wohl auf diese Weise einmal nach den drei Jahren am Ende meines letzten Tages angekommen sein.

Merlin
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