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wissenschaftliche Methodik (Das Doppelblindverfahren)

Eintrag von Joey im Blog Joey's blog. Ansichten: 163

Da in einem Kommentar gebeten wurde, dass ich konkrete Experimentvorschläge machen soll, will ich hier mal kurz ein beschreiben, welche Ansprueche ein guter Versuch mindestens erfuellen muss: Er muss "blind" oder "doppelblind" sein. Das heisst, dass alle beteiligten Personen, deren Urteil ueber den Ausgang des Experiments entscheiden können, nicht wissen, was sie gerade untersuchen.

Ich will mal deren Notwendigkeit anhand eines fiktiven Beispieles beschreiben. Die Behauptung sei: "Das Deodorant X reduziert Körpergeruch."

Wie teste ich diese Hypothese?

Ich könnte beispielsweise das Deodorant benutzen, und an meinen Achselhölen riechen. Aber, was wäre damit gezeigt? Damit wäre gezeigt, dass ich, wenn ich das Deo auftrage, glaube, weniger zu riechen.

Das gleiche wäre auch nur gezeigt, wenn ich das Deo mit Fragebögen verteile. Im Falle einer statistisch positiven Resonanz wäre gezeigt, dass die befragten in der Mehrheit glauben, dass sich ihr Körpergeruch reduziert.

Wirr könnten auch "Riecher" zu den Menschen schicken, die dann bestimmen, ob der Körpergeruch abgenommen hat. Aber das Ergebnis wäre auch nicht befriedigend.

Die Macht der Suggestion spielt generell eine sehr grosse Rolle. Wie stark der Einfluss ist, zeigt dieses Beispiel aus der Physik, wo ein eklatanter Fehlschluss darauf beruht: http://de.wikipedia.org/wiki/N-Strahlen

Wie umgeht man das?

Wir könnten einer Gruppe von Menschen das echte Deo schicken und einer anderen Gruppe ein gleich aussehendes Schein-Deo ohne Geruchsreduzierende Wirkung. Die Versuchsteilnehmer wissen dabei nicht, welches der beiden Präpertae sie erhgalten. Das ist im Grunde schon gute Methodik. Wenn beide Gruppen gleich zufrieden mit dem Präperat sind, ist bei dem echten keine groessere Wirkung als mit Suggestion zu erklären wäre. Der Versuch ist "blind".

Wir können aber noch etwas drauf setzen. Wir schicken jetzt immernoch die Riecher zu den Versuchspersonen und lassen sie das Ergebnis beurteilen. Diese Riecher duerfen allerdings auch nicht wissen, ob die Person, an deren Achselhölen sie gerade riechen, das echte Präperat haben oder das Schein-Deo. Der Versuch ist "doppelblind".

Dieses Kriterium sind ein Mindestmass an guter Methodik. Das genaue Versuchsdesign kann noch weitere Punkte enthalten. So wuerde ich bei Deodorants sehr konkret folgendes Design vorschlagen: Die Versuchsteilnehmer bekommen ein TShirt und das Deo oder Schein-Deo ohne zu wissen, welches sie erhalten haben. Desweiteren bekommen sie Anweisungen, wie sie sich zu waschen haben sowie wie und auf welcher Seite sie ihr Präperat anzuwenden haben. Das machen sie dann ueber Versuchszeitraum, während dem sie Tagsueber das TShirt unter der Kleidung tragen.

Am Ende des Zeitraumes schicken sie das TShirt ein, und die Testriecher schnuppern nun nach, bei welöchen TShirts sie einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Seiten bemerken und bei welchen nicht, sowie auf welcher Seite jeweils der geringere Schweissgeruch zu bemerken ist. Die Riecher wissen dabei weder, von wem das TShirt, an dem sie gerade schnuppern, stammt, noch, auf welcher Seite welches Präperat verwendet wurde.

Eine Wirkung des Deodorants kann mit dieser Versuchsmethode nicht gefaket werden. Keine der bekannten Suggestionseffekte kann einen fuer das Deo positiven Versuchsausgang hervorrufen, wenn das Deo niicht wirkt, denn alle Fake-Effekte beruhen auf Wissen oder Ahnungen ueber den Ausgang.

Besonders wichtig ist diese Methodik bei medizinischen Studien ueber Heilverfahren. In diesem Fall wissen weder die an den Studien teilnehmenden Patienten, noch die Ärzte, die ihren Gesundheitszustand beurteilen, ob jeweils das Verfahren oder ein sich ähnlich anfuehlendes Schein-Verfahren angewendet wurde. Hier fallen die verschiedenen Suggestions-Effekte unter das Schlagwort "Placebo-Effekt", der alleine schon sehr mächtig ist. Es gilt aber Wirkungen nachzuweisen, die stärker sind.

In diesem Forum habe ich mich schon in diversen Diskusssionenen wiedergefunden, die sich um das Doppelblindverfahren in medizinischen Studien rankten, sowie darum, dass diese Methodik in "alternativmedizinischen" Verfahren wie der Homöopathie so unbeliebt sind bzw. nicht angewendet werden.

Kritikpunkte sind dabei (siehe hier: http://www.esoterikforum.at/forum/showthread.php?p=1389718&highlight=doppelblind#post1389718):

Das mag stimmen, sagt aber nur etwas ueber die allgemeine Durchfuehrung der Methodik aus und rein gar nichts gegen die Grundidee der Methode.

Auch das mag stimmen, aber sagt ebenfalls herzlich wenig gegen die Methode allgemein aus.

Was sollen diese Argumente sagen? Sollen sie rechtfertigen, dass Fakes in der Erkenntnisgewinnung (die auch in der Medizin sehr wichtig ist) akzeptiert werden, weil es Schwächen in der allgemeinen Durchfuehrung vor und nach den Studien gibt? Im Sinne von "Die Schulmedizin mach es schlecht, also machen wir es gar nicht." Das sind keine guten Argumente.

Ein Arzt muss sich immer irgendwie auf Erfahrungen stuetzen. Studien sind sowas wie "objektivierte" Erfahrungen. Klar, jeder Patient ist ein Individuum. Und auch eine positive Studie ist keine Garantie dafuer, dass das Verfahren bei jedem Patienten wirkt. Aber anhand gut durchgefuehrter Studien - wenn sie eine Wirkung bestätigen - kann belegt werden, dass die Heilungswahrscheinlichkeit steigt.

Worauf soll sich ein Arzt sonst verlassen? Auf sonstige Erfahrung? Auf Intuition? Wer gibt einem da die Garantie, dass die ach so gute Erfahrung mit Verfahren XY kein Fake ist? Und "Erfahrung" verneint ebenfalls die Individualität des Patienten. Woher soll ein Arzt die richtige Behandlungsmethode auswählen, wenn er nicht auf Erfahrungen zurueckgreifen duerfte, da alle Patienten unterschieldlich reagieren?

Auch das ist richtig. Aber das sagt ebenfalls herzlich wenig gegen die Doppelblindmethodik und deren Grundideen aus, sondern nur etwas darueber, wie danach mit den Ergebnissen umgegangen wird. Die Methode deswegen abzulehnen ist falsch.

Ueber Doppelblind-Studien bei Homöopathie will ich kurz auf diesen artikel der GWUP verweisen: http://www.gwup.org/infos/themen-na...cam/333-homeopathie-erfolge-nur-placeboeffekt sowie auf eine Metastudie (Auswertung verschiedener Studien) im medizinischen Fachmagazin "The Lancet": http://www.wissenschaft-online.de/artikel/787700

Bei einer homöopathischen Behandlungen wird sehr viel Wert auf die Individualität der Patienten gelegt. Der Arzt unterhält sich intensiv mit dem Patienten, und es werden anhand diverser Kriterien eine einzigartige spezielle Therapie zusammengestellt. Oft wird das aufgefuehrt als Beleg dafuer, dass die Doppelblind-Methodik fuer Homöopathie ungeeignet wäre. Eine Weile lang hat mich das auch ueberzeugt.

Aber machen wir jetzt mal ein Gedankenexperiment und kreieren eine Studie:

Eine Reihe von Patienten eines Homöopaten wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Gespräche mit dem Arzt etc. laufen bei allen gleich. Er verschreibt auch bei allen so die Mittel, wie er es fuer richtig hält. Die eine Gruppe bekommt auch die homöopathischen Präperate. Die andere Gruppe erhält allerdings nur Schein-Globuli. Weder der Arzt, der den Gesundheitszustand der Patienten beurteilt, noch die Patienten wissen, zu welcher Gruppe welcher Patient gehört. Nur der Typ, der die Präperate austeilt, weiss es. Auch, wenn der Arzt in der Behandlung der Meinung ist, die Medikation eines Patienten zu wechseln, bekommen der Patient weiter nur Schein-Globuli, wenn er in der "Kontrollgruppe" ist. Der Arzt behandelt alle unter der Hypothese, dass sie in der ersten Gruppe sind (d.h. die echten Globuli erhalten).

Wenn Homöopathie eine stärkere Wirkung als der Placebo-Effekt hat, so wird sich schnell ein Unterschied in den beiden Gruppen abzeichnen. Während die erste Grupp erfolgreich behandelt wird, wird die Behandlung der Kontrollgruppe einem Stochern im Nebel mit diversen Änderungen der Medikation gleichen. Wenn die Homöopathie wirklich nur auf Placebo-Effekten beruht, so wird zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied festst5ellbar sein.

Fazit dieses Blog-Eintrages: Wenn man etwas aussagekräftig zeigen will, so sollte der Versuch so gestaltet sein, dass alle beteiligten Personen, deren Urteil oder Meinung (durch z.B. Suggestions-Phänomene) den Ausgang des Experiments beeinflussen können, nicht wissen, was sie gerade beurteilen.

Viele Gruesse
Joey
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