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Rund um den Körper

Eintrag von the_pilgrim im Blog the_pilgrim's blog. Ansichten: 43

Mit dem Aussehen des eigenen Körpers zufrieden zu sein stellt viele Menschen vor eine große Herausforderung. Er ist zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, die Haut ist doof, es müssten mehr Muskeln da sein und überhaupt stimmen die ganzen Proportionen nicht.

Wenn dann auch noch Funktionsstörungen dazu kommen, ist es ganz aus. Es tut hier weh oder da, es fehlt was, die eine oder andere Stelle ist krank oder funktioniert nicht so wie man es gerne hätte und generell hätte man lieber gerne einen ganz anderen Körper, bitte. Blödes, nutzloses Ding.

Kann man so sehen, muss man nicht. Mein Körper ist wie er ist. Wenn ich das akzeptiere und mich lieber darauf konzentriere, was ich damit alles (noch) machen kann und welchen Teil ich vielleicht sogar gut finde, dann ist mein Körper zwar immer noch der gleiche, aber ich finde ihn lange nicht mehr so doof wie vorher. Mein Körper ist halb voll, nicht halb leer... oder so ähnlich.

Wenn Du nicht so einfach die Kritik ausschalten kannst, die immer wieder hochkommt, dann helfen Affirmationen, siehe Shortcuts. Jetzt mal im Ernst: aus Erfahrung weiß ich, dass es nicht hilft vor dem Spiegel zu stehen und mich darüber zu ärgern, dass mein Hintern breiter ist als ich es gerne mal gehabt hätte. Egal wie oft ich das praktiziert habe, er ist - glaub es oder nicht - einfach nicht schmaler geworden.

Inzwischen weiß ich, dass es da draußen den einen oder anderen Menschen gibt, der meinen Körper gut findet, so wie er ist. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die ganz andere Körper gut finden, welche die größer oder kleiner, dicker oder dünner,... Ich kann also entweder bei denen mitmachen, die meinen Körper gut finden oder bei denen, die lieber andere mögen. Hmmmm.....

Nachdem ich also meinen Fokus in die andere Richtung geschwenkt hatte, habe ich begriffen, dass ich das eine oder andere hinnehmen muss, einfach weil ich es nicht ändern kann. Es gibt aber Aspekte, auf die ich sehr wohl einen Einfluss hätte, wenn ich das wollte. Dazu müsste ich meine Gewohnheiten ändern, und da wird es haarig. Ist es das wert? Ist es das wirklich, wirklich wert?

Bewegung und Sport

Nehmen wir mal als Beispiel die Muskeln. Zu meinem Glück habe ich noch nie zu denen gehört, die großen Wert auf gut definierte, riesige Muskelpakete gelegt haben. Im Gegenteil, ich finde muskulöse Menschen eher hässlich, wenn sie nicht dünn dabei sind - Geschmackssache eben.

Aber mal angenommen, ich hätte gerne tolle Riesenmuskeln und wäre bereit, dafür entsprechend viel zu tun. Ich müsste mindestens drei Mal die Woche für jeweils mindestens zwei Stunden in ein Fitnessstudio oder mir einen entsprechend anspruchsvollen Sport suchen. Ich müsste mich an einen gut ausgearbeiteten Fitnessplan halten und in der Zeit dort intensiv für den Muskelaufbau trainieren.

Die Ernährung wäre enorm wichtig, ich müsste darauf achten, während des Trainings schnell verfügbare Kohlehydrate zu mir zu nehmen (auch wenn ich gerade keinen Appetit darauf hätte) und danach bräuchte ich in ausreichender Menge Eiweiß, das die acht essenziellen Aminosäuren beinhaltet.

Sorry, das ist so GAR nicht meins. Gut, es ist auch üblicherweise nicht nötig einen ganz so großen Hermann drum zu machen, aber ich gehe die Sache anders an: ich bin bereit, morgens ein paar Kniebeugen zu machen, das muss reichen. Das ist nämlich das äußerste, zu dem ich meinen inneren Schweinehund überreden konnte, alles andere ist ihm zu stressig.

Das Ergebnis ist besser als wenn ich es nicht täte, denn selbst wenn es nur bedeutet, dass ich Treppen leichter hochkomme, fühle ich mich insgesamt wohler. Der Aufwand nervt nicht und dauert nicht lange - damit kann ich gut leben. DAS ist die Hauptsache.

Dabei könnte es bleiben, aber ich will in ein paar Wochen besagten Schweinehund mal beiläufig fragen, was er von zusätzlichen Liegestützen halten würde. Bin ja mal gespannt, aber wenn nicht, dann nicht. Hauptsache, er lässt mich weiter Knie knicken. Falls er aber nichts dagegen hat, traue ich mich vielleicht irgendwann ihn um Lauferlaubnis zu bitten.

Worauf ich hinaus will: es ist immens wichtig das eigene Maß zu finden.

  • Will ich alleine Sport machen oder mit anderen zusammen? Im Verein oder nur mit ein oder zwei Freund*innen?
  • Wie viel Zeit will ich mir dafür nehmen? Wie intensiv will ich das betreiben? Wie oft? Wie regelmäßig?
  • Kann ich auch mal zwei Wochen Pause machen, wenn ich gerade keine Lust habe oder mich nicht aufraffen kann? Bin ich dann gescheitert oder kann ich einfach da weitermachen, wo ich aufgehört habe?
  • Wenn ich mir das Falsche ausgesucht habe, darf ich dann was anderes ausprobieren oder ist Sport einfach nichts für mich?
  • Kaufe ich mir gleich ein teures Sportoutfit oder tun es auch erst einmal die ausgelatschten alten Turnschuhe und die beulige Jogginghose? Dazu kann ich nur sagen, dass ich mir absichtlich zunächst billiges Zeug gekauft habe.
    Wenn ich irgendwann tatsächlich so viel Sport machen sollte, dass ich mich nicht mehr schäme es jemandem zu erzählen, dann sind vernünftige Laufschuhe und später für verschiedenes Wetter passende Sportsachen dran. Aber solange ich mir noch keine Sorgen um kaputte Knie machen muss, weil ich sie viel zu selten und zu wenig beanspruche, reichen die billigen Klamotten.
  • Muss ich wirklich irgendeinen blöden Sport machen? Reicht nicht auch Spazieren gehen, Radfahren im Alltag und/oder Gartenarbeit? Oder mein körperlich anstrengender Job?
  • Muss ich immer das gleiche machen oder kann ich mir nicht auch jede Woche was anderes aussuchen?
  • Will ich einen Kurs belegen oder einem Verein beitreten? Kann ich mir das leisten? Will ich dafür Geld ausgeben?
Fragen über Fragen. Jede*r wird sie anders beantworten, und das ist gut so.

Ernährung und Diäten

Soviel dazu, aber apropos Aufwand: ähnlich verhält es sich mit dem Gewicht. Wenn ich dick bin und spindeldürr sein will, dann ist der dafür nötige Aufwand so riesig, dass ich schon keine Lust mehr habe bevor es überhaupt los geht.

Was spricht gegen fünf Kilo? Oder gegen drei? Fünf Kilo abzunehmen und das Gewicht dann zu halten, ist eine Mega-Leistung. Drei Kilo sind auch schon schwierig genug, also einfach mal klein anfangen. Oder noch besser: aktuelles Gewicht irgendwo notieren, mit passenden täglichen Affirmationen anfangen, Ernährung in einem gut machbaren Maß ändern und nach ein paar Wochen spaßeshalber mal wieder auf die Waage steigen.

Das einzige, was ich zu Diäten zu sagen habe, ist eine Frage: hat es bei Dir schon mal so funktioniert, wie Du es Dir erhofft hast?

Wenn Du mit Deinem Gewicht nicht zufrieden bist, kennst Du die offensichtlichen Probleme: zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viele kalorienreiche Getränke, zu viel tierisches Eiweiß. Oder einfach insgesamt zu viel des Ganzen und zu oft.

Es sind unsere Gewohnheiten, die uns an dieser Stelle das Leben schwer machen, nicht bestimmte Lebensmittel. Ich bin mit Chipstüten aufgewachsen, die 200 g enthalten haben. Es kam oft vor, dass ich mir abends einfach mal eine ganze Tüte alleine reingeschrotet habe, nach dem Abendbrot vor dem Fernseher. Reste übrig lassen war nicht drin, bei uns wurde aufgegessen - das galt unausgesprochen auch für diese Tüten.

Ich zähle mal ein paar Gewohnheits- und Denkfallen auf:

  • Wasser schmeckt nicht, wenn ich was trinke, soll es auch lecker sein.
  • Der Teller wird leer gegessen.
  • Es ist unhöflich, als Gast etwas nicht zu essen, z.B. den Nachtisch oder die Vorsuppe.
  • Ich habe keine Zeit aufwändig zu kochen.
  • In der Kantine gibt es nur große Portionen, und was ich bezahle, esse ich auch.
  • Das Essen in der Kantine ist Mist, aber wo soll ich sonst essen?
  • Fettiges Essen schmeckt nun mal besser.
  • Ich bin süchtig nach Süßigkeiten.
  • Wenn ich kleine Portionen esse, habe ich nach kurzer Zeit wieder Hunger, das nervt.
  • Ich trinke immer Kaffee, was soll ich sonst trinken? Und ohne Zucker und Milch schmeckt er mir nun mal nicht.
  • Wenn ich vor dem Fernseher sitze, brauche ich was zu knabbern.
  • Bei uns gibt es regelmäßige Mahlzeiten, da kann ich nicht einfach nichts essen, wenn ich noch keinen Hunger habe.
  • Wenn es mir schlecht geht, macht Essen das Leben etwas erträglicher.
Es geht vor allem darum zu gucken, was ich wann und warum esse. Verstehe wie Du tickst und überlege Dir kleine, machbare Kompromisse. Was ist mir wirklich wichtig, worauf möchte ich auf gar keinen Fall verzichten und wo könnte ich was ändern? Sind die Mengen, die ich esse, wirklich nötig, damit ich mich wohl fühle? Fühle ich mich damit überhaupt wohl oder habe ich mich daran gewöhnt, mehr zu essen als angenehm ist?

Der innere Schweinehund ist wie beim Sport ein wichtiger Drahtzieher. Wenn der sich querlegt, geht gar nichts. Also immer schön alles mit dem blöden Vieh absprechen, was passieren soll und aufpassen, dass es sich nicht aufregt. Es gewöhnt sich an neue Dinge, man darf es nur nicht überfordern - oder man legt es an die Leine und ist konsequent, eine Kunst, die ich nie beherrscht habe.

Jede*r hat andere Ernährungsgewohnheiten, und das ist der einzige Punkt, an dem es Sinn macht etwas zu verändern, nämlich langfristig. Beispiel: ich liebe Chips, geröstete Nüsse und Pommes. An diesen Dingen kann ich sehr schwer vorbeigehen. Stell mir schalenweise Süßigkeiten vor die Nase, kein Problem, ess ich nicht, weder Gummibärchen noch Schokolade oder raffinierte Leckereien. Auf Kuchen kann ich genauso verzichten wie auf Kekse. Aber diese vermaledeiten Chips...

Da ich also diese nicht-in-den-Griff-zu-kriegende-Schwäche habe, muss ich ein passendes Maß finden. Wie viel geht, was ist zu viel? Das ist bei jeder*m anders.

In meinem Fall bedeutet es, dass ich warte, bis ich mal wieder so richtig dolle unbedingt JETZT eine Tüte Chips will. Die kaufe ich mir dann, manchmal lege ich sie noch ein paar Stunden zur Seite und freue mich drauf, dann esse ich sie und alles ist gut. Wenn das Mittags ist, dann ist eben ausnahmsweise die Tüte Chips mein Mittagessen. Die Gier ist jedenfalls weg und ich kann Tage- oder Wochenlang drauf verzichten. Ich mache mir keinen Stress mehr damit.

Wer ein generelles Problem mit Süßigkeiten hat, hat es da schon schwerer. Mein Vorschlag wäre zu überlegen, auf welche der vielfältigen Süßigkeiten ich gar nicht verzichten wollen würde. Bei welchen Gelegenheiten wäre es in Ordnung sich darauf zu stürzen und sie mit vollem Genuss zu essen? Was wäre ein Zeitraum, den ich halbwegs problemlos ohne diese Süßigkeiten überbrücken könnte?

Eine weitere Sache ist die des Ersatzes. Kann ich einfach auf etwas verzichten oder ist es sinnvoller, es mit was anderem zu ersetzen? Mit anderem Essen oder mit einer Ablenkung?

Mein persönliches Fazit zum Thema Sport und Ernährung: diese ganzen bescheuerten Sport- und Diäthefte, Webseiten und Ratgeber setzen die untere Latte viel zu hoch an. Wer sich auf deren Mindestmaß problemlos einlassen kann, HAT überhaupt kein Bewegungs- oder Ernährungsproblem.

Miramoni, Hiltrud und Luftsegen gefällt das.
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