1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  2. Willkommen im grössten und ältesten Esoterik-Forum!
    Hier findest Du alles zu Astrologie, Lenormand und Tarot, Karten legen, Feng-Shui, Traumdeutung, Religion und Spiritualität, Engel, Familien-Aufstellung, Gesundheit, Reiki
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

  3. Esoterikforum Adventkalender 2016
    Wir wünschen Dir einen friedlichen Advent.

Sheila und Kali

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von cagliostra5, 10. Februar 2005.

  1. cagliostra5

    cagliostra5 Neues Mitglied

    Registriert seit:
    9. Februar 2005
    Beiträge:
    13
    Ort:
    Basel
    Werbung:
    Noch strömten die Menschen an ihm vorbei, noch stand er da, in seinem Anzug und mit ernstem Gesicht. Die Menschen, welche auf den Holzstegen spazierten, erschienen ihm wie Ernsthaftigkeit und Besorgnis vortäuschende Kinder, die wie er danach dürsteten, in unbeobachteten Momenten ihren Geistesflügen zu folgen. Doch er wusste, dass er in Wirklichkeit zu einer Minderheit gehörte, den Wenigen, welche der Ruf der Magie erreicht hatte; denen, die sich, ohne es selber zu merken, dazu entschlossen, sich darauf einzulassen.
    Manchmal spürte er wie sich in den Augenblicken der Verzückung seine Stirn anders anfühlte, als sei zwischen seinen Augenbrauen ein kleiner Trichter entstanden.
    Schmerz holte ihn ganz in die Wirklichkeit zurück. In seiner Brust schien ein Vulkan zu explodieren, sein linker Arm wurde steif unter dem peitschenden Schmerz der von der linken Brusthälfte auszugehen schien. Seine rechte Hand fasste krampfhaft in Richtung Herz, verfehlte es und wusste nicht, wohin. Der Inhalt seiner Mappe verstreute sich auf dem Pflaster. Kugelschreiber und Bleistiftspitzer kullerten die Strasse hinunter. Noch einmal riss ihn der gewaltige Schmerz um seine eigene Achse. Seine Augen blickten ins Leere. Er war festgenagelt von der gewaltigen Schmerzsäule die nun mittlerweile seinen ganzen Körper erfasst hatte, sein Körper wurde zu einem Stück Holz dann Blitze, und tiefes Schwarz.
    Als seine Frau, die die traurige Nachricht erfuhr, stand sie, an den rechten Türpfosten gelehnt. Ihre Arme hingen wie Stoffstreifen an ihrem Körper hinunter. Ihr Sohn klammerte sich mit seinen dünnen Aermchen um ihre Taille und vergrub sein Gesicht in Mutters Bauch. Lange blieben sie so stehen. Draussen dämmerte es bereits. Die Ueberbringer der Botschaft hatten seinen Koffer mitgebracht und den Totenschein. "Herzinfarkt" lautete der Befund. Sie standen noch in der Türe, als der samtene dunkelblaue Schleier der Nacht über die Stadt hereinbrach. An der Beerdigung standen sie stumm da, inmitten der Beileidsbekundigungen. Sie empfand das ganze Geschwätz als einen lächerlichen Versuch der Menschen, das Unabdingbare zu begründen, zu rechtfertigen. Nach der Zeremonie wurde es still im Haus. Die Mutter und der Sohn wussten, dass sie sich inmitten dieser Hilflosigkeit beistehen mussten. Eine stumme Uebereinkunft veranlasste sie, nicht mehr miteinander zu sprechen, als unbedingt notwendig war. Als der Kleine eingeschlafen war, erhob sie sich lautlos. Sie dachte, dass die Liebe für immer vorbei war und dass sie, um zu überstehen, in jene graue Welt eintauchen musste, welche ihren Mann erschlagen hatte. Sie fragte sich insgeheim, ob auch sie ihn in die graue Welt getrieben hatte, denn es hatte ihr immer geschmeichelt, ihren Freundinnen seine Geschenke zu zeigen. Manchmal waren es goldene Ohrringe, manchmal eine teure Uhr, die sie jedoch nie trug, und manchmal auch ein Bild mit Hibiskusblüten.
    Ihr Leben würde sich jetzt ändern. Als junge Witwe müsste sie den Verwandten für jede Hilfe dankbar sein, sich in das Heer der klagenden, verblühten Frauen einreihen. Sie entschloss sich, in ihr Zimmer zu gehen. Lange sass sie starr auf dem Boden, spürte weder Hunger noch Schmerz. Ein weisser Nebel umgab sie. In Ihrer Versenkung herrschte nur Stille. Sie war unerreichbar für die Welt, tauchte ein, in den Raum des Nichts.
    Als der Morgen dämmerte, erhob sie sich. Plötzlich wusste sie, was zu tun war. Sie begann langsam, einige Kleidungsstücke für sich und ihren Sohn zusammen zu packen und stopfte diese in den Koffer ihres Mannes. Dann weckte sie den Jungen, zog ihn an und die beiden traten ins Freie. Die rote Sonne war gerade aufgegangen und überall blühte und zirpte es. Es war der prächtigste Frühsommer und sie dachte daran, dass er diesen Morgen nie mehr sehen würde. Sie kaufte Cola, Sandwiches und eine Fahrkarte. Als sie vom Land in das Boot einstieg, fror sie plötzlich, angesichts der Gewissheit, dass ihre Füsse nie mehr indischen Boden berühren würden. Während der ganzen Reise schlief der Knabe. Das machte es ihr leichter. Als sie aufblickte, sag sie geradewegs in zwei weise alte, lächelnde tanzende Funken. Eine alte Frau strahlte sie an sagte zu ihr: "Du wirst wirst noch grosses erleben, wirst die Welt sehen, wirst ein anderer Mensch werden und glaube mir, nicht alles ist verloren… das Glück kommt noch." Sie packte die alte am Arm und hörte sich sagen: Nimm mich jetzt mit, alte Frau, ich weiss nicht wohin ! "Gut," antwortete die Alte. "Du bist zu allem bereit, denn du hast nichts mehr zu verlieren, das sind die besten Voraussetzungen, um alles zu gewinnen. Die Junge Frau verstand den Sinn dieser Worte nicht, doch in ihrer Seele erreichte sie etwas. Instinktiv spürte sie, dass sie einer Spurenleserin begegnet war und dass diese Frau ihre Lehrerin werden würde, dass sie etwas unglaublich kostbares gefunden hatte, was ihr den Schmerz nehmen würde. Die Alte führte sie und den Kleinen durch dunkle Gassen, unendlich lange wanderten sie - doch erstaunlicherweise nahm sie nur die Stimme der Alten wahr, weder Müdigkeit, noch Hunger, vermochten sie von ihrem Weg abzubringen. Endlich erreichten sie eine Hütte, inmitten von kühlen schattigen Bäumen, alles glitzerte und funkelte, ein seichter Fluss floss über kühle Steine, im Bachbett …. Eine kleine Kuh weidete vor dem niedrigen, einfachen aber sauberen Haus. Wäsche flatterte auf einem Strick, die Frühsommerbrise wehte alle Schwere fort. Sie setzten sich an das Ufer und betrachteten die glatten Kiesel, über die das Wasser hinwegrannte und dabei Kringel bildete. So ist es gut, sagte die Alte, beobachte das Wasser, damit du sehen kannst, wie die Steine eins werden, wie ihre Farben leuchten, weil das Wasser sie mit Nässe vereinigt…. Und das ist zugleich deine erste Aufgabe: Finde heraus, was Wasser ist, verbringe deine Zeit damit" und reichte ihr einen Eimer. Du kannst gleich damit beginnen, indem Du die Steinwege um das Haus abspülst, aber dass du mir bloss nicht unsorgfältig arbeitest, jeder Stein muss glänzen, du wirst schon sehen, wozu das gut ist… im selben Moment, als die Worte der Alten verwehten, blickte sie auf, und sah, dass sich die Alte bereits viele Meter von ihr entfernt hatte, dass sie schon an der Eingangstüre des kleinen Hauses stand, obschon kaum eine Sekunde vergangen war, seit sie die Stimme der Alten an ihrem Ohr gehört hatte. Von weitem machte die Alte eine ermunternde Handbwegung in Richtung des Jungen, etwas, das bedeuten sollte, dass er ins Haus kommen sollte und erstaunlicherweise folgte er ihr augenblicklich. Sie begann, Wasser zu schöpfen, die glatten Kieselsteine, aus welchen der Weg bis zum kleinen Haus bestand, Stein für Stein mit einer Bürste aus Wurzeln zu polieren, abzuspülen, wieder zu schrubben, frisches Wasser zu holen. Als sie aufblickte, sah sie die Sonne am Horizont untergehen, und sie befand sich mit ihrem Eimer und ihrer Bürste genau vor der Eingangstüre. Wie aus einem Schlaf, erstaunt und etwas orientierungslos blickte sie auf. Se hatte an nicht gedacht, ausser an die glatten kühlen Steine, die jetzt dunkel glänzend vom Polieren eine wunderschöne Strasse bildeten, viele Meter bis zum Wasser. Von innen öffnete sich die Türe: "Tritt ein Sheila" sagte die Alte. Sheila trat ein und sah die alte, schöne Küche, inmitten der Küche stand ein Tisch aus Holz, auf dem Tisch ein Stück Käse, eine Tasse Milch und etwas Brot. "Iss, Sheila," sagte die Alte, und setzte sich neben sie an den Tisch, während der Junge auf der Couch ruhig schlief. Sheila konnte die Alte nichts fragen, spürte aber, dass sie an richtigen Ort war. "Zuerst wirst du die einfachen Dinge lernen, Sauberkeit, konzentrierte Arbeit. Das ist die Voraussetzung dafür, dass du die grundlegenden Zusammenhänge begreifen lernst, dass du verstehst, wie eins mit dem Andern verbunden ist. Dann sehen wir weiter. Dankbar und müde fiel Sheila in den Schlaf. Sie träumte, sie befände sich inmitten einer Blume, die sie mit feuerroten Blütenblättern umschloss. Am nächsten Morgen sagte die Alte zu Sheila: "Es liegt keine Zukunft in der Vergangenheit, Sheila, weder für mich, noch für dich. Ich bin alt und meine Zeit ist bald vorbei. Du hast nichts zu verlieren, wenn Du mit deinem Jungen hier bleibst. Ich werde Dich Dinge lehren, die nur ganz Wenige erfahren, denn ich kann nicht sterben, ehe ich mein Wissen weitergegeben habe, und so wähle ich Dich. Nimmst Du an?" Sheila nickte. "Dann ans Werk" sagte die Alte und trat mit Sheila in den Garten. Den ganzen Tag arbeitetet sie, während der Junge mit der Kuh und den beiden schwarzweissgescheckten Ziegen spielte, für diese frisches Gras suchte. Sheila war müde aber leicht und froh. Sie dachte immer nur an die einzelnen Arbeiten, jätete, rechte zusammen, lockerte die warme duftende Erde auf, begoss alle Pflanzen, spürte wie die Sonne warm auf diesen kleinen Garten herab schien und so hätte sie noch lange weiterarbeiten können wenn nicht die Sonne langsam untergegangen wäre und die Alte sie ins Haus rief. Viele Monate lebten Sheila und ihr Sohn nun mit der weisen alten Frau, und Sheila war kräftig, ausgeglichen und immer darauf bedacht, ihre Arbeit so konzentriert wie möglich auszuführen, das Wichtigste in ihrem leben war das, was sie gerade tat, und der Garten dankte es Sheila mit einer üppigen Pracht, die sie nie zuvor gesehen hatte. Der Weg aus blank polierten Kieselsteinen schimmerte wie Perlmutt in der Sonne. Sheila bemerkte, dass diese Steine alle die genau gleich Grösse und Farbe hatten, dass dies kein gewöhnlicher Weg war, sondern dass jemand viele Jahre darauf verwendet haben musste, um genau exakt die immer wieder gleich grossen, gleich geformten und fast gleichen, weissen Steine einzusammeln. Das Haus war einfach, aber Sheila konnte keinen Makel daran entdecken, alles war Blitzsauber, von emsigen Händen gepflegt, jedes Ding befand sich an seinem Ort, im Garten blühten die prächtigsten Blumen und einige der Bäume trugen die schönsten, duftendsten, schmackhaftesten Früchte, die Sheila je gesehen hatte. Es lag ein Zauber auf allen Dingen. "Richtig, Sheila- du siehst also, wie gewöhnlich und genial einfach das Gute ist, siehst, wie mit ganz einfachen Mitteln das Grosse erzeugt wird, es ist die SORGFALT die dieses gute hervorbringt. Du hast die erste Lektion verstanden. Jetzt werde ich Dir die Sprache der Tiere beibringen, danach die Heilkunst und dann sehen wir weiter." Schmerz jedoch, vermeide. Er ist nicht, was du brauchst. Niemand braucht ihn, denn das Leben ist Pure Freude, vorausgesetzt, du hälst dich an die Regeln, welche sich dir selber im laufe deiner Zeit offenbaren werden. Alles hat eine Stimme, es liegt nur an Dir, sie zu hören, Sheila" Sheila lächelte. Sie befand sich am wunderbaren Anfang eines Mysteriums. Die Jahre vergingen in immer gleichem Rhythmus von Arbeit und Ruhe, längst weinte Sheila nicht mehr um ihren Mann, längst war der Junge erwachsen, ging in eine andere Schule, kam nur noch an den Wochenende nach hause. Sheila und Kali sassen bei Kerzenlicht aus reinsten Bienenwachs in der grossen Küche und spannen die Wolle der beiden gescheckten Ziegen. In der Küche herrschten Ruhe und eine eigentümliche Fröhlichkeit. Jeden Handgriff ihres Werkes führten die beiden Frauen mit dem ihnen grösstmöglichen Mass an Sorgsamkeit und Liebe aus. Kali erzählte von den vielen Frauen, welche sie bei sich beherrbergt hatte, manche waren krank als sie kamen, doch alle fanden in Kalis Hütte Glück, Zufriedenheit und Liebe. "Das" sagte Kali, "wird deine Aufgabe werden. Sie zu finden und ihnen die Freude und den Glauben an das Leben wieder geben, mit den einfachen Mitteln, die dir zur Verfügung stehen." Als Kali am nächsten Morgen verschwunden war, wusste Sheila, was zu tun war.
     

Diese Seite empfehlen