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Rainer Maria Rilke

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von Regina, 18. Januar 2005.

  1. Regina

    Regina Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    30. November 2003
    Beiträge:
    5.767
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    mir ist zwar bewußt das Walter hier in erster Linie selbstverfasstes sehen will, ich habe Euch jedoch ein paar Auszüge dieses Dichters zusammengestellt, der einst mit "Der Panther" mein Kinderherz eroberte:

    Im Jardin des Plantes, Paris

    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille -
    und hört im Herzen auf zu sein.


    Aus: Neue Gedichte (1907)



    Durch alle Wesen reicht der eine Raum:
    Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still
    durch uns hindurch. O, der ich wachsen will,
    ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum.

    Ich sorge mich, und in mir steht das Haus.
    Ich hüte mich, und in mir ist die Hut.
    Geliebter, der ich wurde: an mir ruht
    der schönen Schöpfung Bild und weint sich aus

    Aus: Die Gedichte 1910 bis 1922


    Da schwang die Schaukel durch den Schmerz -, doch siehe,
    der Schatten wars des Baums, an dem sie hängt.

    Ob ich nun vorwärtsschwinge oder fliehe,
    vom Schwunge in den Gegenschwung gedrängt,
    das alles ist noch nicht einmal der Baum.
    Mag ich nun steiler schwingen oder schräger,
    ich fühle nur die Schaukel; meinen Träger
    gewahr ich kaum.
    Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926


    Unaufhaltsam, ich will die Bahn vollenden,
    mich schreckt es, wenn mich ein Sterbliches hält.
    Einmal hielt mich ein Schoß.
    Ihm sich entringen, war tödlich:
    ich rang mich ins Leben. Aber sind Arme so tief,
    sind sie so fruchtbar, um ihnen
    durch die beginnliche Not
    neuer Geburt zu entgehn?

    Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Paris, Sommer 1925)


    Seht die Sterne sind ein altes Feuer,
    und die neuern Feuer löschen aus.

    Glaubt nicht, dass die längsten Transmissionen
    schon des Künftigen Räder drehn.
    Denn Aeonen reden mit Aeonen.
    Mehr, als wir erfuhren, ist geschehen.

    Aus: Die Gedichte 1922-1926 (1922)

    Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles
    Geschicklichkeit und läßlicher Gewinn -;
    erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,
    den eine ewige Mit-Spielerin
    dir zuwarf, deiner Mitte, in genau
    gekonntem Schwung, in einem jener Bögen
    aus Gottes großem Brücken-Bau:
    erst dann ist Fangen-Können ein Vermögen, -
    nicht deines, einer Welt. Und wenn du gar
    zurückzuwerfen Kraft und Mut besäßest,
    nein, wunderbarer: Mut und Kraft vergäßest
    und schon geworfen hättest..... (wie das Jahr
    die Vögel wirft, die Wandervogelschwärme,
    die eine ältre einer jungen Wärme
    hinüberschleudert über Meere -) erst
    in diesem Wagnis spielst du gültig mit.
    Erleichterst dir den Wurf nicht mehr; erschwerst
    dir ihn nicht mehr. Aus deinen Händen tritt
    das Meteor und rast in seine Räume...

    Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, 31. Januar 1922)
     
  2. Toffifee

    Toffifee Guest

    Hi Regina! :)

    Das oben nochmals zitierte gefällt mir hervorragend. Es ist traurig, genial und bewegt. Danke!

    Liebe Grüße :kiss3:
    Toffifee
     
  3. Branwen

    Branwen Mitglied

    Registriert seit:
    24. November 2004
    Beiträge:
    132
    Ort:
    Graz
    Hallo Regina,

    ich hab mir vor einigen Jahren die CD "Rilke Project - Bis an alle Sterne" gekauft, weiß nicht ob du das kennst. Ich kann diese CD auf alle Fälle nur empfehlen! Die Art wie Rilke's Gedichte auf dieser CD gelesen und teilweise auch gesungen werden berührt mich immer wieder. Eines meiner Lieblingsgedichte von Rilke ist das folgende:

    Du musst das Leben nicht verstehen,
    dann wird es werden wie ein Fest.
    Und lass dir jeden Tag geschehen
    so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
    sich viele Blüten schenken lässt.

    Sie aufzusammeln und zu sparen,
    das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
    Es löst sie leise aus den Haaren,
    drin sie so gern gefangen waren,
    und hält den lieben jungen Jahren
    nach neuen seine Hände hin.
     
  4. Ashtar-Linara

    Ashtar-Linara Mitglied

    Registriert seit:
    31. Mai 2004
    Beiträge:
    203
    Ort:
    Haigerloch-Hart/BaWü
    @all:

    Einen guten Beitrag über sein Leben habe ich auf meine HP unter "Berichte" mit ausdrücklicher Erlaubnis des Bauer-Verlages gesetzt. Er erschien vor Jahren in einer Ausgabe der hauseigenen Zeitschrift "esotera".

    Liebe Grüsse -
    Ash-Li
    :kiss3:
     
  5. Nebel

    Nebel Mitglied

    Registriert seit:
    4. Dezember 2004
    Beiträge:
    435
    Ort:
    Stratford-On-Slaney, Co. Wicklow
    Schön, auch ich liebe Rilke. :danke:
     
  6. peter1

    peter1 Guest

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    Ach wie schön. Der Panther.
    Seit vielen Jahren mein Lieblingsgedicht. Ich seh dann immer die grosse schwarze Katze vor meinem geistigen Auge. Hier kann mans auch anhören
    http://www.vorleser.net/html/rilke.html
    http://www.traumrufer.de/ton/inton.htm

    wobei mir die Version des traumrufer am besten gefällt.
     
  7. Indie

    Indie Guest

    es kommt immer alles zur rechten Zeit......

    oh - wie wundervoll, der Panther - jahrelang war es mein Lieblingsgedicht...
    diese tragende Schwere eines traurigen Schicksals....

    Ich lese es immer noch gerne, aber die Stäbe habe ich Gott sei Dank hinter mir lassen dürfen.


    Viele liebe Grüße
    liebe
     
  8. Kronos

    Kronos Guest

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    auch eines meiner Lieblingsgedichte von Rilke

    mehr zu Rilke findet man hier
     
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