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Patriarchat oder Matriarchat bei den Kelten?

Dieses Thema im Forum "Kelten, Germanen, europäische Naturreligionen" wurde erstellt von Harser, 17. Februar 2006.

  1. Harser

    Harser Mitglied

    Registriert seit:
    12. Januar 2006
    Beiträge:
    637
    Ort:
    Berlin
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    An den Anfang stelle ich mal die Patriarchat/Matriarchats-Definition von James DeMeo, der sie patristisch/matristisch nennt, um Missverständnissen vorzubeugen. Diese Definition basiert auf Kulturvergleichen, die einzelnen Charakteristika sind so formuliert, dass sie für die untersuchten Kulturen stark korreliert sind. Ich finde diese Definition gut, weil sie Patriarchat in den richtigen Kontext einbettet.

    <sorry, ich kriege die Tabelle hier nicht rein! Gehört dazu, sonst ist das nachfolgende unklar.>
    http://www.orgonelab.org/saharasia_de.htm
    (zu Tabelle 1 scrollen!)

    Wie ordnen sich die Kelten da wohl ein, mit dem, was wir von ihnen wissen, und was wir von ihnen annehmen?

    Zunächst einmal die Kriegsfrage. Die Kelten gelten als kampflustiges und kriegerisches Volk, zumindest in Julius Cäsars „gallischer Krieg“, im Ulsterzyklus, in den Fiann-Sagen. Erklärt sich dadurch nicht schon die Frage patriarchal/matriarchal?

    Kriegführung fehlt in DeMeo’s Definition, ich finde zu Recht. Es kommt da eher auf die Art der Kriegführung an. Im „gallischen Krieg“ steht viel über die Kriegsführung der Kelten. Sie gelten als unbeherrscht, kämpfen in extremer Wut, sind schlechter organisiert, sind weniger diszipliniert, halten im Kampf nicht lange durch ( Spontaneität, Lustbetont ). Im ersten Angriff sind sie unwiderstehlich, sind mutig, fürchten den Tod nicht. Im Gegensatz zu den Römischen Legionen werden die Kämpfer für jeden Krieg neu rekrutiert. Ihnen fehlt Kaltblütigkeit, was immer wieder dazu führt, dass die Römer eine Fast-Niederlage in einen Sieg umzuwandeln können. (Quelle: )

    Im Ulsterzyklus sind wohl die Haupthelden (Cuchullain, Fergus, Conall) hauptberufliche Krieger, wie auch die Spezialtruppe von Conchobar, jedoch das Heer der Connachter wird neu rekrutiert. Die Kämpfe werden schon als „lustbetont“ und „spontan“ beschrieben, wobei sich Conchobar schon kaltblütig und grausam erscheint. Überhaupt liest sich die ganze Sage wie eine Kultur am Scheidepunkt zwischen matristisch und patristisch. Im der Fiann-Sage werden zwar die Fiann als eine (professionelle) Kriegertruppe beschrieben, die einzelnen Teile handeln jedoch von individuellen Schicksalen und Taten.

    Der Einzelkampf widerspricht sich keineswegs mit matristischer Kultur. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Krieger weiß, dass er für ein persönliches Ziel kämpft, dass er emotional Anteil nimmt, dass er nicht aus Grausamkeit weiterkämpft, wenn sein eigentliches Ziel erreicht ist. Ganz wehrlos ist die matristische Kultur also nicht! Aber wenn sie mit einer patristischen Kultur in einen Krieg verwickelt, die mit grausamer Kriegführung, Genozid, Kriegsdisziplin aufwarten kann, dann ist sie doch Chancenlos: besiegt werden oder selbst patristisch werden.

    Eibl-Eibesfeld ist der Auffassung, dass eine Gesellschaft ohne Aggression und Gewalt nicht möglich ist, und die beste reale Möglichkeit sieht er in ritualisierten Stellvertreterkämpfen. Wenn zwei Gruppen in einem eskalierten Streit liegen, dann soll jeweils ein ausgewählter Kämpfer aus beiden Gruppen antreten. Der Sieger entscheidet so den Streit für seine ganze Gruppe. Nach den historischen Überlieferungen könnte es genau so bei Fehden zwischen den früheren kleinen keltischen Stämmen gewesen sein, wobei natürlich im Ulsterzyklus-Krieg viele Stellvertreter-Kämpfe ausgefochten wurden. Aber Ulster und Connacht gehörten zu dieser Zeit zu den größten und mächtigsten keltischen Stämmen/Königreichen. Ergänzend sollte gesagt sein, dass Eibl-Eibesfeld nichts über Kelten geschrieben hat, er hat heutige kleine Stammeskulturen studiert.

    Zu Kindererziehung sind die Informationen sehr dünn, einzig die Erziehung von Kindern durch Verwandte wird in den Sagen mehrfach erwähnt. Auch wenn dieser Brauch heute befremdlich scheint, widerspricht er sich nicht mit Matrismus nach obiger Definition. Der liebevolle Umgang mit Kindern wird zuweilen in den Sagen erwähnt, es handelt sich aber nur um die zukünftigen Helden.

    Die Stellung der Frau ist bei den Kelten unwidersprochen stark, wenn auch nicht gerade gleichberechtigt. In den Sagen erscheint sie selbstbestimmt und ist mächtige Herrscherin (Königin Cartimandua, Königin Boudicca in Britannien), Kriegskunstlehrerin (Scathach, Ulsterzyklus). Julius Cäsar begegnet den Frauen zwar nicht als Kriegern, ist aber in anderen Stellen beeindruckt von ihrem Mut und Stolz. Das bezeugen auch einige Anekdoten bei Tacitus, Äußerungen von Marcellinus. Siehe auch das entsprechende Kapitel in „Götter, Barden und Druiden“ von Edel, Wallrath.

    Die griechisch-römischen Berichter äußern sich übereinstimmend über die „barbarische“ Sexualmoral der Kelten, das heißt freizügiger und weniger reglementiert als bei den Griechen/Römern. Das geht auch aus vielen Anekdoten in den irisch-walisischen Sagen hervor.

    Zusammengefasst sind die Bruchstücke, die wir über die frühen Kelten wissen, überwiegend weit auf der matristischen Seite zu finden. Nach 100u.Z. ist die „Patrisierung“ aber bei den Kelten weiter fortgeschritten, Kriege werden grausamer, Frauenrechte eingeschränkt, Gewalt nimmt zu. Aber bis in das 20. Jahrhundert ist die Stellung der Frau in den keltisch (und germanisch) geprägten Ländern stärker als beispielsweise in Südeuropa oder gar in der arabischen Welt.
     

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