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Neurobiologische Aspekte zur Todesstrafe

Dieses Thema im Forum "Wissenschaft und Spiritualität" wurde erstellt von DUCKFACE, 3. Juni 2013.

  1. DUCKFACE

    DUCKFACE Guest

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    Hallo!

    Meine Meinung:

    Die Todesstrafe ist ein facettenreiches Thema, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und noch immer kontrovers diskutiert wird. Politische, ökonomische, moralisch-ethische, juristische und andere Argumente finden Eingang in die diesbezüglichen Debatten. In diesem Beitrag möchte ich einen Aspekt zur Sprache bringen, dem meiner Meinung nach noch zu wenig Resonanz geschenkt wird.

    In den modernen Neurowissenschaften wird angenommen, dass jedem Gedanken, jedem Willensakt und auch jeder Handlung eines Menschen eine neuronale Aktivität vorausgeht, die letztlich konkrete Verhaltensweisen in Form von willkürmotorischen Reaktionen und/oder verbalen Artikulationen initiiert. Jeder Handlung liegt also ein neuronales Substrat zugrunde, welches das Verhalten eines Menschen generiert.

    Normalerweise ist die aktive Tötung eines Anderen mit einem gesellschaftlichen und, wie ich glaube, auch mit einem biologisch bedingten Tabu belegt (Selbst- und Arterhaltung). Moralische Bedenken und emotionale Hemmschwellen bauen sich auf, sobald man ernsthaft in Erwägung zieht, eine andere Person ihres Lebens zu berauben. Dies dürfte zumindest bei einem intakten Gehirn der Fall sein.

    Nun kann die Gesundheit unseres Hirns jedoch beeinträchtigt sein. Es besteht die Möglichkeit, dass sich z. B. ein Tumor bildet, der dazu führt, dass der an dieser Krankheit Leidende nicht mehr in der Lage ist, die vorgenommene Realisierung eines Tötungsdelikts mit den für die Moralität und Empathie zuständigen Hirnarealen in Verbindung zu bringen. Daher ist es ihm aufgrund jener neurobiologischen Modifikation nicht möglich, Gewissensnöte, Schuldgefühle, Mitleid, Hemmung bewusst zu empfinden. Die inhibitorischen Signale, die im Normalfall zur Blockierung des Totschlags führten, bleiben infolge dieser neuronalen Kommunikationsstörung aus, sodass der Täter die Tat begeht. Bei Psychopathen wurde in diesem Kontext bereits offenbar, dass spezifische Regionen ihres Gehirns Funktionsdefizite aufweisen, die primär die fürs Schuldbewusstsein und die für die sozialen Normen zuständigen Hirnbezirke betreffen(1). Hier wären mildernde Umstände aus medizinischen Gründen angebracht, nicht?

    Wie man an diesem Beispiel erkennt, können pathologische oder degenerative Veränderungen des Gehirns vermutlich bewirken, dass ein Mensch seiner Gesellschaftsfähigkeit weitgehend verlustig geht. Er bedeutet dann eine potenzielle Gefahr für Andere, weshalb er im Extremfall der Sicherheitsverwahrung übergeben werden muss.

    Nun möchte ich noch einen analogen Fall ins Visier nehmen: Ein Totschläger tötet einen Menschen. Diesmal entdecken die Neurologen jedoch keine Degeneration und auch keine andere Erkrankung im Gehirn des Täters. Folgt daraus nun, dass er anders behandelt werden muss als der am Tumor Erkrankte? Eigentlich ist das nicht logisch. Denn wenn das Gehirn des scheinbar gesunden Täters imstande gewesen wäre, die Verwirklichung des Töttungsdelikts zu unterbinden, aus welchem Grunde hat der Täter dann doch die Tat vollzogen? Offenbar war auch sein Hirn nicht fähig, der Motivation zur Tatausführung genügend inhibitorische Impulse entgegenzusetzen. Auch hier misslang es, die moralischen Werte mit der Tatausübung in Verbindung zu bringen, um hemmende Hirnzentren zu aktivieren. Der einzige Unterschied: Wir kennen die neurophysiologischen Ursachen in diesem Falle (noch?) nicht. Eventuell wird sich in fünf oder zehn Jahren aber herausstellen, dass dieser Person möglicherweise ganze Kommunikationskanäle fehlten, die notwendig gewesen wären, um die moralischen Botschaften mit den hemmenden Hirnfeldern und dem beplanten Totschlag in Beziehung zu setzen.

    Wie bereits des Öfteren erwähnt wurde, steckt die neurodiagnostische Forschung noch in den Kinderschuhen. Heute ist man ja noch nicht einmal in der Lage, die neuronalen Korrelate bewusster Willenskommandos zu identifizieren. Welche Konsequenz schließe ich daraus? Aus meiner Sicht darf die Zuschreibung von Verantwortung nicht durch die aktuelle und damit situative Präzision neurodiagnostischer Instrumente definiert werden.

    Welche Rolle kann dieser Gesichtspunkt in der Diskussion zur Todesstrafe spielen?

    Viele Grüße

    DUCKFACE


    Literatur

    1. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0193953X08000300
     
  2. Anevay

    Anevay Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    26. September 2012
    Beiträge:
    32.475
    Ob jemand nun lebenslang eingesperrt wird (Gefängnis) oder lebenslang eingesperrt wird (Sicherungsverwahrung), finde ich, spielt keine Rolle. Auch nicht, ob dies im Rahmen voller oder eingeschränkter oder gar keiner Schuldfähigkeit geschieht.

    Allerdings halte ich die Todesstrafe für ein Relikt, das entsprechend abgeschafft gehört.

    Es geht doch darum, die Gesellschaft vor gewaltbereiten Menschen zu schützen, drum werden sie eingesperrt und damit ist dem Schutzbedürfnis Genüge getan. imho

    LG
    Any
     
  3. McCoy

    McCoy Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    8. Juli 2007
    Beiträge:
    1.954
    Ort:
    Köln
    Höchstens eine untergeordnete, wie ich finde. Zum Einen gibt es sowieso schon genug andere Argumente, die gegen die Todesstrafe sprechen, zum Anderen betrifft die Diskussion über die prinzipielle Schuldfähigkeit ja alle Verbrechen, nicht nur die, die mit der Todesstrafe belegt sind.
     
  4. DUCKFACE

    DUCKFACE Guest

    Ich denke, vielen Menschen geht es nicht nur darum. Auch die bestrafende Komponente spielt in der Justiz eine Rolle, wovon die Begriffe der Freiheits-, Geld- und Todesstrafe zeugen. Verbrecher sollen aus der Sicht vieler zur Rechenschaft gezogen werden und die Konsequenzen spüren.

    Einem Menschen muss meiner Ansicht nach die Freiheit entzogen werden, wenn er ein Gehirn besitzt, dessen Verschaltungen aufgrund der genetischen Ausstattung und/oder wegen bestimmter biografischer Faktoren und Prägungen nicht gesellschaftsfähig sind.
     
  5. Ischariot

    Ischariot Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    4. August 2007
    Beiträge:
    5.897
    Ort:
    nördliches Waldviertel
    Fakt ist nunmal, daß unsere Gesetzgebung in hohem Maße von der Schuldfähigkeit
    und der Tatmotivation des Angeklagten abhängt. Worauf willst Du hinaus?
    Geht es Dir um Gerechtigkeit? Für die Gegner der Todesstrafe wird dieser
    Aspekt m.E. keinen Unterschied machen.
     
  6. Trillian

    Trillian Mitglied

    Registriert seit:
    14. Mai 2013
    Beiträge:
    75
    Ort:
    SB
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    Die Neurowissenschaften haben bereits herausgefunden, dass an sich "gesunde" Menschen moralisch-emotionale Defizite aufweisen können, wenn sie in ihrer Kindheit schwer misshandelt wurden. Das Gehirnzentrum in welchem das Gefühl für "Mitmenschlichkeit" verarbeitet wird, kann durch wiederholte Gewalterfahrungen ausgeschaltet werden.
    Das heißt nicht, dass alle Menschen die Gewalt erfahren haben selbst zu Gewalttätern werden, denn im weiteren lebensgeschichtlichen Verlauf spielen auch viele andere psycho-soziale Faktoren eine tragende Rolle.

    Die Gegner der Todesstrafe sind übrigens der Ansicht, dass die Todesstrafe statistisch gesehen keine signifikante Reduktion der Mordrate herbeiführen kann, weil Tötungsdelikte häufig im Affekt geschehen und im Affekt nicht überlegt wird ob die Handlung als moralisch eingestuft wird oder welche Konsequenzen daraus resultieren.

    Ich habe mir mal eine Doku über die Henker in den USA angesehen. In den Interviews haben sie davon gesprochen nach Jahren ihrer "Arbeit" einen psychischen Zusammenbruch erlitten zu haben, weshalb sie den Job nicht weiter ausführen konnten.
    Das spricht wohl auch gegen die Todesstrafe.
    Und auch die philosophische Sichtweise, dass man den Menschen das Tötungsverbot nicht lehren kann, indem man Menschen tötet, die ihrerseits Menschen getötet haben.

    Meiner Meinung nach sollten Mörder und Kinderschänder lebenslängliche Strafen erhalten.
     
  7. Akwaaba

    Akwaaba Aktives Mitglied

    Registriert seit:
    5. März 2006
    Beiträge:
    4.451
    Eine höchst brisante Aussage, wenn man bedenkt, wie einfach das feststellbar ist:ironie: oder wenn in zehn Jahren die Verschaltung vor einer Tat vermeintlich klar ist und Menschen präventiv als Nichtgesellschaftshige eingesperrt werden.
    Oder sie werden rechtzeitig abgetrieben....
     
  8. Ischariot

    Ischariot Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    4. August 2007
    Beiträge:
    5.897
    Ort:
    nördliches Waldviertel
    :D Also das nenn ich eine brisante Aussage!
    Minority Report unter verschärften Bedingungen ... WAHNSINN!!


    Abgesehen davon verhindern derartig drastische Maßnahmen, daß der Delinquent
    noch irgendeinen Nutzen für die Gesellschaft, welcher er Schaden zugefügt
    hat, haben könnte. Wäre ein Einsatz zum Wohle der Gesellschaft nicht auch
    einem, (in Punkto Resozialierung) fragwürdigen Freiheitsentzug vorzuziehen?
     
  9. DUCKFACE

    DUCKFACE Guest

    Meines Wissens haben die Nationen mit Todesstrafe sogar eine höhere Mordquote zu beklagen als Länder, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde. Spezielle Staaten der USA sind ein gutes Beispiel dafür.

    Staatlich bzw. gesetzlich legitimierte Tötungen in Form von Exekutionen reduzieren meines Erachtens das in der Psyche des Menschen zwecks Arterhaltung angelegte Tötungstabu, das sich auf die Liquidierung anderer menschlicher Wesen bezieht. Äußeres presst sich oft ins Innere des Menschen, das prägsamer und formbarer Natur ist. Die Umgebung beeinflusst die Positionen und Einstellungen der Menschen. Ein die Todesstrafe zur Anwendung bringender Staat suggeriert der Gesellschaft, dass das Leben nicht universell schützenswert und unantastbar sei, sondern dass es Ausnahmefälle gebe, in denen die Tötung von Menschen völlig legal sei. So verfließen Grenzen.

    Menschen, die bereits durch perverse und bestialische Gewaltdelikte kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten sind, müssen nach meiner Meinung aus der Gesellschaft entfernt werden. Sofern eine Resozialisierung nicht realistisch ist, muss diese Entfernung auch von Dauer sein. Studien aus den USA haben ergeben, dass 31 von 35 Sexualstraftätern rückfällig werden. Der deutsche Kriminalist und Serienmord-Experte Stephan Harbort schrieb mir in einer E-Mail, dass ihm weder aus der Fachliteratur noch aus einer eigenen Erfahrungswelt ein Fall bekannt sei, in welchem ein Serienmörder erfolgreich mit einer Psychotherapie behandelt werden konnte.
     
  10. Trixi Maus

    Trixi Maus Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
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    Beiträge:
    26.439
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    huhu, Du schreibst ja, daß Du das glaubst. Daher vermute ich, daß diese Annahme nicht belegbar ist. Ich tue mich da schwer, das mit Dir mit zu glauben.

    Daß wir heute in einer einigermaßen "schönen" Welt leben und uns nicht mehr gegeneinander umbringen bzw. das nicht für selbstverständlich halten, daß wir es tun, wenn wir müssen, halte ich für das Ergebnis von Erziehung. Genauer gesagt von Moralerziehung. Die religiösen Verbote des Christentums zum Beispiel verhindern das in unserer Kultur. Schaut man in den extremistischen Islam oder auch in sonstige extremistische Gruppierungen, dann wird der Tod als hinnehmbares Übel gesehen, um das Ziel einer Gruppierung zu erreichen. Die Erlaubnis zu Töten wird dann durch die Moralvorstellung der jeweiligen Gruppierung erteilt und eine Erziehung hin zum Nichttöten bleibt aus.

    Also kurz, ich wollte bloß in Frage stellen, ob es eine solche "Hirnschranke" gibt, die menschliches moralisches Handeln abbildet, wenn der Mensch nicht dahin erzogen wurde. Ich glaube daran nicht.

    lg
     
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