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Kinski: Ich und Gegen-Ich Gedicht

Dieses Thema im Forum "Psyche & Persönlichkeit" wurde erstellt von Amarok, 10. Mai 2015.

  1. Amarok

    Amarok Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    17. Dezember 2014
    Beiträge:
    6.069
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    Seit langer Zeit lese ich immer mal "abstrakte??" Gedichte und Lyrik von verschiedenen Schreibern, und es gibt einige wenige, die mich in gewisser Weise ansprechen, aber auch verstören. Eines will ich hier gern einmal als Diskussionsgrundlage nehmen, nämlich von Klaus Kinski (aus: Tagebuch eines Aussätzigen).
    Ich muss sagen, manches von dem, was da steht kann ich problemlos "unterschreiben" und benicken, bei anderen Textteilen zieht sich die Braue schräg..
    Mir zeigt es für MICH einen inneren Zwiespalt; ein ewiger Kampf?? zwischen dem was man "SELBST" ist, und dem, was das "leben" der Welt von einem erwartet. Also gewisse gespaltene Aspekte.. Wie seht Ihr das??

    „Ich weiß nicht, wer ich bin und wer ich war. Ein Fremder vor mir selbst und neu für mich und alt, wenn ich im Spiegel sehe.
    Ich glaubte, dass ich überall zuhause sei und war schon heimatlos, bevor ich schon ganz dort war.
    Ich bin durchaus sehr zart und fühl mich doch kräftiger als alle. So stark manchmal, so schwach so oft...
    Ich war verbohrt und zäh und schwach und ohne Willen, ohne Mut.
    Ich fürchte mich doch eigentlich vor nichts und dabei fürchte ich oft alles.
    Ich will nicht einsam sein und sehne mich nach Einsamkeit, sobald ich nicht alleine bin.
    Ich will ja lernen, lernen und ich hasse meinen Schlaf, weil er die Zeit stiehlt. Aber ich bin so übervoll von mir. Ich bin voll energiegeladener Ideen und voll von soviel Traurigkeit.
    Ich will leben und ich will sterben und ich tue beides oft.
    Ich war so gierig auf ein Glück und sieh! ich hasse das Gefühl des Glücks.
    Ich war in Allem und ich wollte nirgends sein, wenn ich in Allem war.
    Ich glaubte stets an Gott, doch ich bespuckte ihn und habe auch ein Kruzifix verbrannt und auch mein Kreuz und die Madonna fortgeworfen.
    Ich liebe meine Sonne und ich hasse sie, weil ich begreife, dass ich ihr nicht entkommen kann.
    Ich liebe Huren, Diebe und vielleicht auch Mörder, weil ich ihr Schicksal liebe, wenn sie eines haben. Und auch die Verrückten, wie sie die Menschen nennen; sie sind wie Blinde, die schon lange sehen. Auch ... alle Huren stehen über uns, weil sie soviel zu leiden haben.
    Ich fliehe jeden Tag und wenn die Nacht kommt und so stehen bleibt die ganzen stundenlosen Stunden, dann bin ich so sehr krank, weil es nicht Tag ist.
    Ich flehe Gott um Schutz und höhne ihn und mich danach, wenn er es tut und muß dann wieder fliehen. Und wenn ich ausgesetzt bin und zerrissen werde, dann flehe ich um neuen Schutz.
    Ich hasse alle Kinder und doch knie ich nieder, wo ich eins seh.
    Ich suche mich und wenn ich mich gefunden habe, dann bin ich mein größter Feind. Mir brennt die eigne Haut wie Feuer
    und mein Blut ist wie ein unberechenbares Tier. Ich flieh vor mir und meinem Leben und ich hasse mich, der mich vernichten will.
    Aber ich bitte Gott um Schmerz und schweres Leben und um Gedanken nach dem Fieber.
    Ich will für jede Blume leiden, wenn sie lebend stirbt und will auf immer dankbar sein, wenn es in jedem Jahre Frühling wird.
    Und will die Kraft abwarten nach den Schmerzen.
    Gott, gib mir Kraft, die Zwischenzeiten auszutragen ohne Schrei. Und gib mir Demut für den großen Schoß.“

    - Klaus Kinski "Tagebuch eines Aussätzigen

    Bitte keine Grundsatzdebatte anzetteln über die Person Kinski als Solches. Ich weiss selbst dass er sehr kontrovers war. Vielen Dank.

    besten Gruss wandervogel :)
     
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  2. maiila

    maiila Guest

    sooo schön... :love:
     
  3. Amarok

    Amarok Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    17. Dezember 2014
    Beiträge:
    6.069
    Schön.. hmmmmm vielleicht im Sinne einer gewissen Morbidität?!
    Ich sehs sehr fragmentiert, ja teils sogar shizophren (in der Wortbedeutung, nicht der Krankheit).
    Es ist ggf. das Hin und Hergerissensein zwischen Extremen; etwas, was ernsthaft "Suchende" auch durchleben/durchlebten.

    Ich weiss es nicht. Irgendwie hats mich in seinen "Bann gezogen", auf einer anderen Seite find ichs verstörend.. Komische Sache
     
  4. maiila

    maiila Guest

    Er war halt n kleiner durchgeknallter Freak, der sein Sein auf der Zunge trug...in allen Widersprüchlichkeiten...
    er stellte hohe Ansprüche an sich und das Leben... Genie u Wahn eng beeinander
    Aber gerade das mag ich und finde es 'schön'... auch tragisch, ja
    Aber all das ist eben im Leben vereint und er wirkt so pur..auch eben durch diese Worte hindurch
    Das find ich zB ähnlich in Nietzsches 'Zarathustra', wobei Kinski alles etwas mittelbarer beschreibt.. ;)
     
    Amarok gefällt das.
  5. maiila

    maiila Guest

    Und der Titel sagt ja alles schon aus; das Schizophrene...

    Ich und Gegen-Ich
     
  6. Amarok

    Amarok Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    17. Dezember 2014
    Beiträge:
    6.069
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    @maiila
    hmm, einen Passus bzw Vergleich?? mit Zaratustra hab ich noch garnicht in Betracht gezogen. Wäre/Ist vielleicht doch mal ein Ansatz.
    Erinnert mich ein Weng an Villon; oder auch an Demont.

    Joa, Genie und Wahnsinn.. damit hast Du es warscheinlich gut auf einen Nenner bringen können. Wird warscheinlich genau der Aspekt sein, Warum ich diese Lyrik so interessant finde.
    Direkt verwunderlich dass hier in dem Forum mal jemand so "um die Ecke" denkt.. Bin grad ganz baff
     
  7. maiila

    maiila Guest

    Kinski ist Esoterik für Fortgeschrittene : )))
    Weil es da halt nicht nur um Licht und Liebe und ein leichtes Herz geht...sondern weil er wirklich Gegensätze aufzeigt...die man erstmal verdauen muss bzw eben einfach im Leben anerkennen
    Und da hilft das Gedicht..bzw auch er als Figur...da er in einer Person...ganz extrem Licht und Schatten vereint
    Leben an sich..wie es in seiner Dualität für uns erscheint...zugespitzt in einer Person.
    Das ist nur auszuhalten wenn man seine eigenen Gefühle...der Abstoßung..Scham..vielleicht auch kindlicher Faszination überwindet. Ich finde einfach, er ist pur..und er macht pur.

    :)

    Freu mich auch dass du es hier im Esoterikforum vorgestellt hast :))
     
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  8. skadya

    skadya Sehr aktives Mitglied

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    wasserkante
    Kennt ihr das Buch von seiner Tochter ? Da sieht man , wie durchgeknallt der wirklich war ,bzw., hat der sich auch so cholerisch und unberechenbar gegenüber seiner Familie und anderen um sich herum verhalten.
     
  9. Amarok

    Amarok Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    17. Dezember 2014
    Beiträge:
    6.069
    Es geht um das Gedicht!!! Nicht darum was und wie Kinski als Person(a) wann wie wo gemacht hat. Steht auch im Eingangspost extra drin. Die Kontroversen seines Lebens wurden ja ohnehin in/durch die Presse bekannt..

    @maiila
    Esoterik für Fortgeschrittene.. hm, nunja... Irgendwie reizt mich der Gedanke grad, das dochmal in einem Versuch zu realisieren, wie "spirituelle" auf solcherlei Text (re)agieren..
    Du hast interessante Denkansätze zu diesem Thema, find ich gut :)
     
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  10. skadya

    skadya Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
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    Wieso , du schreibst auch über ihn und man kann das Gedicht nicht von der Person die es verfasst hat trennen . Er war ganz offensichtlich schizophren . Ich weiss nicht , was oder warum du darüber diskutieren willst . Der Typ hätte eigentlich in die Psychatrie oder ins Gefängnis gehört .
    Kinksy ist Esoterik für Fortgeschrittene :lachen:
     
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