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Ich will

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von maiila, 27. Oktober 2014.

  1. maiila

    maiila Guest

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    Ich bin kein Meer. Ich bin ein Fluss, der alles mit sich reißt, was ihm begegnet.
    Und so entsteht mein Schmerz.
    Wäre ich ein Meer, wäre ich schwarz, wäre ich einladend, wäre ich kraftvoll.

    Doch ich bin ein Fluss mit einer wilden Strömung,
    der stetig und unaufhörlich Richtung Meer fließt.

    Ich entstand aus einer Wolke. Bin kondensiertes Wasser, das einst aus dem Meer nach oben in den Himmel gelangte- dort schwebte ich einige Tage über der Erde, zog von Afrika nach Europa und regnete dann. Ich bildete den Rhein, und die Elbe wässerte ich.

    Ja. Meine Heimat ist das Meer; vielmehr noch bin ich das Meer, als Fluss verkleidert.
    Es gibt Wassertropfen, die durch purem Zufall an die Oberfläche des Wassers gespült werden; diese verdunsten bei Hitze; verändern ihren Aggregat und treten ihre Reise an. So auch mir geschehen.

    Und seit ich in Europa gelandet bin und zusammen mit den anderen wilden Tropfen diese reißenden Flüsse bilde, sehne ich mich.

    Das Meer, das ich einst war, ruft mich zurück.
    Ich fließe noch viel zu langsam; meine Sehnsucht ist so stark, dass ich Wolken, Wind und Wetter hasse; die Strudel sind mir zuwider und die Abenteuer zehren sich aus.

    Und doch: L I E B E ich das alles

    Jeden Tag glitzere ich im Sonnenschein
    Ich seufze wenn ich an die unendliche Weite denke, die nicht von Flussbetten begrenzt wird
    Ich weine vor Glück, wenn ich diese Weite wieder einfach so in mir spüre.
    Und doch kann ich es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen.

    Ich tanze mit den anderen Tropfen und wir verbinden uns in inniger Extase miteinander... wir sind so stark, dass wir Felsen aushöhlen und Kiesel schleifen.
    Doch wir sehnen uns;...jeder auf seine ureigene Art.
    .
    .
    .
    Ich bin das Meer. :)
     
  2. naglegt

    naglegt Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    25. September 2012
    Beiträge:
    2.896
    Der Fluß und das Meer
     
  3. maiila

    maiila Guest

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    "Werde eigenständig.", flüsterte das Meer.

    Das war also die Bedingung. Meine Sehnsucht würde nicht gestillt werden, solange ich mich an meine Erinnerung an Zuhause wie an Mutters Rockzipfel klammerte.

    Das Meer verweigerte sich mir.
    Ich war nach einem stürmenden, auszehrenden Ritt durch ganz Europa nun beinah angekommen wo ich hin wollte. Geliebte Heimat. Geliebte Mutter Meer.

    Ich hörte das beruhigende Ziehen der hohen Wellen, das Aufschlagen der Gischt auf dem Ufer. Das unbändige schwarze Murmeln aus der Tiefe.
    Oh, wie ich es vermisste!

    Ich unternahm jede Kraftanstrengung, die mir möglich war, um endlich ans Meer anzukommen.....preschte über riesige Felsen, und nahm an engen Stellen sogar in Kauf, wieder ganz zu verdunsten....

    Nachts träumte ich von nichts anderem, nur vom Meer, Meer, Meer, Meer.....

    Meine Augen glänzten, denn ich konnte es schon spüren, riechen, schmecken. Es war ganz nah.

    Ich säuselte im Schlaf und ächzte nach meiner Heimkehr.
    Nichts half....es geschah nicht.

    Ich gelangte zwar näher, doch gleichzeitig wurde die Distanz größer. Wie eine dicke Mauer, die sich zwischen uns geschoben hatte....
    Ich bäumte mich auf; doch es half nichts.

    Müde ließ ich mich ins Flussbett zurücksinken; Möwen flogen über mich hinweg, Barsche zogen durch mich hindurch,...ein unaufhörlicher Strom treibte mich an......und ich sehnte mich nur nach der Stille des Meeres.

    "Werde eigenständig.", hörte ich die Stimme nochmal.
    "Glaubst du wirklich, du hast diese Reise nur zufällig gemacht? Glaubst du tatsächlich, dass sie umsonst ist?"
    Das Meer lachte glucksend.
    "Nein, mein Kleiner. Du bist nicht zufällig an die Oberfläche gedrängt worden um zu verdunsten und Fluss zu werden. In Wahrheit ist dieses Abenteuer nur ganz ganz wenigen vergönnt. Die meisten bleiben immer bei mir...und haben nie das Glück, das du hast."

    "Und welches Glück soll das sein?", fragte ich. "Alles was ich je gesehen hab, war nirgendwo so schön wie bei dir... Wozu soll ich also jeden Tag leiden, wo ich doch weiß, dass es bei dir am allerschönsten ist??? Das ist ungerecht. Ich will das nicht!"

    "Du hast die Chance, dich selbst zu erfahren. Bei allem was du erlebst, erfährst du eine uuuunglaubliche Vielfalt des Lebens. Und von dir selbst. Ich bin die Unendlichkeit und du wirst wieder zu mir zurückkehren. Doch zunächst musst du selbstständig werden. Erschaffe in dir, dadurch dass du alles so VIEL lebst, wie du nur kannst, ein eigenes Meer. Dann wird die Ewigkeit in dir entstehen.
    Aber hör verdammt nochmal auf, immer wieder zu mir zurückzuwollen!
    Du hast großes Glück..... Nutze es."

    Dann verschwand die Stimme.
    Ich hörte sie nie wieder.

    Und nie wieder wollte ich sie hören; denn im Laufe der Zeit wird etwas in mir selbst geboren, das zu mir spricht. Und diese Tiefe ist tausendmal schöner als alles, was ich je vor, während oder nach meiner Reise erfahren würde.




    Ich trage das Meer in mir.



    ENDE
     

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