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Gibt's auch soetwas wie einen "Rollentausch"?

Dieses Thema im Forum "Familienaufstellung" wurde erstellt von Azura, 29. November 2010.

  1. Azura

    Azura Guest

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    Hallo,

    ein anderes Thema hier, wo es um Täter und Opfer ging hat mich auf die Idee gebracht, ob es bei einer FA auch möglich ist, dem Täter die Rolle des Opfers zu geben oder umgekehrt. Das müsste doch eine ideale Möglichkeit sein, die Beweggründe des jeweils anderen nachzuvollziehen, wenn man quasi in seine Haut schlüpft.
    Wird soetwas gemacht, oder ist das eine zu brachiale Methode?

    Gruß
    Diana
     
  2. pluto

    pluto Aktives Mitglied

    Registriert seit:
    21. Dezember 2004
    Beiträge:
    5.652
    Ort:
    dort, wo es schön ist
    Hallo Diana,

    in einer FA wird mit fremden Menschen die Familie dargestellt. Das heißt, dass die Original-personen nicht real anwesend sind. Die Essenz eines Täters zeigt sich in einer Aufstellung ebenso wie die eines Opfers. Dabei ist nicht von vornherein klar, ob die Zuordnungen so auch richtig sind. Normalerweise interessieren in einer FA die Beweggründe nicht. Wenn dies zur Sprache kommt, dann weil es zufällig wichtig war. In den sog. Bewegungen der Seele wird nicht gesprochen. Diese Aufstellungen sind mir suspekt, denn gerade mit der Sprache lässt sich einiges klarstellen. Andererseits kann durch zu viele Worte das Gewicht auf Nebenschauplätze verlagert werden und es geht nichts vorwärts.

    lg Pluto
     
  3. Azura

    Azura Guest

    Hallo Pluto,

    ich bin tatsächlich davon ausgegangen, dass es um die Beweggründe geht. Worum geht es denn dann?

    Und was ist mit Fällen, wo die Täter-Opfer-Zuteilung eindeutig ist, wäre da sowas auch undenkbar? (Also dass alle Rollen von Fremden eingenommen werden nur das Opfer den Täter "spielt" bzw. umgekehrt.)

    Grüße
    Diana
     
  4. jake

    jake Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    16. Juli 2003
    Beiträge:
    5.379
    Ort:
    Graz
    Hallo Diana!
    Das Wort "Beweggründe" gefällt mir, das ist viel plastischer als "Ursachen" z.B. Und es geht zunächst einmal darum, Bewegungen in einem System anzusehen, die Wirkungen von Dynamiken anschaulich zu machen. Und dann auch durch die Prozesse der Aufstellung nach Möglichkeit in lösende Bewegungen zu kommen. "Beweggründe" sind dabei nicht nur verstandesmäßig erkennbare Begründungen, sondern auch in der Aufstellung spürbare, jenseits von Sprache erfahrbare Wirkungen ... so gesehen sind Gründe einer in Gang gekommenen Bewegung sehr vielschichtig ... viel komplexer, als dass es rein mental erfasst werden könnte. Und es geht bei Lösungen um die Bewegung mindestens ebenso wie um die Gründe.
    Du sagst ja selber, "Täter-Opfer" ist eine Zuteilung. Und die ist immer nur aus der Sicht des Fokussierenden eindeutig und dient meistens ganz bestimmten Interessen (was ja durchaus zweckmäßig und achtbar sein mag). Die Annahme, dass ein Opfer spüren könnte, was im Täter vorgegangen sein mag, wenn sich das Opfer in einer Aufstellung selbst in die Täterposition begeben würde, halte ich für irreführend. Zum einen besteht da ja die ganz große Gefahr der Re-Traumatisierung; also bevor man da überhaupt dran denkt, müsste schon sehr, sehr vorsichtig geschaut werden, ob das überhaupt zumutbar ist und wie das abgesichert werden kann, zumal ja die Bewegungen in Aufstellungen auch sehr heftig werden können. Und das Experiment wäre auch insofern fragwürdig, als ja aus guten Gründen in Aufstellungen RepräsentantInnen gewählt werden. Eine Situation, in die ich selbst intensiv verwickelt bin, richtet meine Wahrnehmungsmöglichkeiten so aus, dass ich in der Aufstellung kaum den Reichtum an Bewegung und Informationen erfahren könnte, der von unbefangeneren RepräsentantInnen empfunden und weitergegeben wird. Und wenn tatsächlich Opfer-Täter-Konstellationen (mit allen gerade erwähnten Sicherungen) so aufgestellt werden, dass das "Opfer" ... z.B. als AnliegenbringerIn ... anwesend ist, dann führt der Prozess der Aufstellung, wenn's gut geht, zu einer modifizierten, befreiteren Opfer-Täter-Beziehung. Da werden auch Bewegungen und mögliche Gründe für Bewegungen sichtbar, und die erwähnten "Zuteilungen" verändern sich. Für ein "Opfer" wird es aber wohl kaum einmal darum gehen, sich selbst aus der Sicht des "Täters" zu betrachten ... es wäre wichtig, seine/ihre Identität zunehmend weniger aus der "Opferrolle" zu beziehen und vom Täter unabhängiger zu werden.

    Jake
     
  5. Melodie

    Melodie Mitglied

    Registriert seit:
    23. November 2004
    Beiträge:
    755
    Ort:
    Stuttgart
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    Hallo Diana,

    ein konkretes Opfer seinem Täter so nahe zu bringen/bringen zu wollen ist Gewalt. Begegnungen zwischen (dann ehemaligen) Opfern und Tätern kommen - wenn überhaupt! - ganz zum Schluss, vielleicht zum Abschluss des Heilungsprozesses.

    Leider läuft es in vielen Familienaufstellungen aufgrund der Ausrichtung des Aufstellungsleiters in etwa genau darauf hinaus: Dem/den Tätern wird in der Aufstellung viel Raum und Bedeutung gegeben und wenn am Ende das Opfer den Täter versteht, soll das dann Versöhnung sein. Meist wird noch für und mit dem Opferhintergrund des Täters gearbeitet, damit er möglichst in den Zustand kommt, seine Schuld zu erkennen und zu übernehmen. Die Idee dahinter, der Weg aus dem Opfersein könnte in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit den Befindlichkeiten des Täters stehen, ist eine verstrickte, unerlöste und für Opfer typische Sichtweise.

    Kann umgekehrt ein Täter sich in die Gefühle seines Opfers hinein versetzen?

    Nein, das kann - und will! - er eben nicht.

    Denn dazu müsste er seinen eigenen Schmerz fühlen wollen.

    Tragischerweise kann das Opfer den Täter viel besser verstehen, als ihm lieb ist. Ist es ihm doch so extrem nahe gekommen, dass es ALLES, insbesondere das abgespaltene Eigene des Täters, dem der Täter durch die Tat nämlich zu entkommen versucht, genau so spürt, als wäre es sein (des Opfers) Eigenes.
    Und jedes Opfer muss Entscheidungen treffen, ob es seinen Schmerz, und alle Hass- und Vernichtungsgefühle, annimmt und für sich durch arbeitet, oder ob es sich in Spaltung oder Wahn flüchtet, alles Fühlen einfriert und möglicherweise selbst zum Täter wird.
    Nein! Das Opfer versteht den Täter leider nur allzu gut, es fühlt in ja in sich, und hat die ekelhafte Aufgabe, sich trotzdem sich selbst zu zu wenden.

    Manchmal ist die (fruchtlose) Auseinandersetzung damit, was den Täter nur getrieben haben mag, auch eine Ersatzbaustelle, mit der sich Opfer von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken.

    Täter brauchen kein Verständnis und kein Mitgefühl von wem auch immer. Höchstens vielleicht Hilfestellung, sich selbst zu verstehen, sich selbst zu fühlen, und zwar mit dem Risiko, dann auch zu fühlen, was sie anderen angetan haben.
    Diese Hilfestellung kann aber frühestens und allenfalls dann sinnvoll sein, wenn sich ein Täter seiner Wahrheit wirklich stellen will.

    Und das ist zuallerletzt Aufgabe, Zuständigkeit oder Kompetenz des von der Tat Betroffenen!

    Beste Grüße von Eva, die am Wochenende wieder bei Franz Ruppert und Traumaaufstellungen war, wo genau diese Themen sehr eindrucksvoll präsent waren.
     

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