1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  2. Willkommen im grössten und ältesten Esoterik-Forum!
    Hier findest Du alles zu Astrologie, Lenormand und Tarot, Karten legen, Feng-Shui, Traumdeutung, Religion und Spiritualität, Engel, Familien-Aufstellung, Gesundheit, Reiki
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

  3. Esoterikforum Adventkalender 2016
    Wir wünschen Dir einen friedlichen Advent.

Erinnerung ist ein Teil meines Herzens

Dieses Thema im Forum "Trauer" wurde erstellt von Koenigskind, 4. Juni 2008.

  1. Koenigskind

    Koenigskind Guest

    Werbung:

    Der Duft von Mandarinen

    Geht es uns nicht allen so? Je älter man wird, desto wehmütiger erinnert man sich an alte Zeiten, die Vergangenheit, die Jugend und Kindheit, Zeiten in denen man die Welt aus einer ganz eigenen Perspektive sah. Mag sein, dass Kinderaugen tatsächlich eine andere Betrachtensweise haben, könnte aber auch dafür sprechen, dass man als Kind einfach unbefangener durch diesen Weltendschungel marschiert, weil man gar nicht weiss, vor wem oder was man fürchten müsste?
    So war es jedenfalls bei mir. An Fantasie hat es mir nie gemangelt, was für meine strengen Eltern nicht unbedingt eine Tugend war. Oft genug stellte ich Fragen nach Erlebnissen, die mir real schienen und dann doch meiner Traumwelt entsprungen sein mussten. Wobei mir als Kind dieser feine Unterschied nicht so recht in den Kopf wollte. Ein Traum hatte für mich die Bedeutung wie ein Erlebnis aus einer zweiten Welt. Irgendwann mußten auch diese Erlebnisse mal geschehen sein, oder?
    Heute würde man das ganze Paralelluniversum nennen und belächeln.
    Selbst die Tatsache, dass ich mit meinem jungen Alter soviel noch nicht von der Welt gesehen hatte, liess mich daran nicht zweifeln, weil man darüber als Kind nicht nachdenkt. Und damit bin ich wieder bei einer anderen These, nicht Nachdenken, also es mangelte offensichtlich noch an Verstand. Ohne Verstand konnte man dennoch die schöneren Erlebnisse haben! Inzwischen hat sich die Situation gezwungenermassen verändert, zum Glück!
    Und doch, die Vergangenheit ist heute immer noch mein Thema. Eigentlich sollte es erlaubt sein, denn die schönste Zukunft wird ja auch irgendwann Vergangenheit sein. Im umgekehrten Fall würde das nicht funktionieren.
    Da schlendert man also durch sein Leben mit einem gehörigen Ballast auf dem Buckel weiter und weiter. Auf dem Weg zum Ziel füllt sich dieser Sack dort hinten immer mehr.
    Meine Geschichten sind auf meinem Weg eine Art „Müllverwertungsanlage“. Ich will nun niemanden beleidigen, dann wäre die Schlussfolgerung ja, wer das liest ist mein Müllschlucker? Nein, nein, so ist das nicht gemeint. Ich leere wertvolle Teile meiner Vergangenheit, versuche mit meinen heutigen Gedanken eine Art Mülltrennung durchzuführen und gebe mich der Illusion hin, es könnte amüsant sein. Wobei längst nicht jeder Geschichte ein erfreuliches Ereignis zugrunde lag. Auf meinem Kreuz lagern unsortierte Eindrücke aus Schmerz und Leid, Glück und Freude, Angst und Liebe und egal wonach ich greife, es ist aus heutiger Sicht ein anderes Gefühl sich diesen Themen noch einmal zu widmen.
    In Phasen , in denen mich etwas bedrückt, beginne ich zu schreiben, dabei kommen diese gespeicherten Emotionen in den Genuss, von mir in Worte gefasst zu werden. Mit dem Erzählen gibt man immer auch ein Stück dieser Erlebnisse weiter, ob es nun Leid oder Freude ist, es erleichtert die Seele. Je melancholischer meine Stimmung, je besser das Ergebnis. Sie verstehen?

    Wollt Ihr nun schmunzeln oder weinen? Ich habe für jeden etwas zu bieten.
    Würde ich recht behalten mit meiner Vermutung, dass dies meine Form von Vergangenheitsbewältigung unterstützt, sollte ich allerdings längst das Empfinden haben, dass die Last an Gewicht verliert. So ganz scheint es also nicht zu funktionieren. Ich komme aber nicht umhin, glaubhaft zu versichern, dass ich eine Linderung spüre, zumindest in diesem Augenblick.
    Jetzt fragt Ihr Euch, was hat das ganze hier mit Mandarinen zu tun? Na gut, ich will es nun nicht länger vorenthalten.
    Im Unterschied zu den meisten anderen Menschen, kann ich mich haarklein an
    viele Details aus meiner Kindheit gut erinnern. Eines meiner schönsten Erlebnisse aus Kindertagen sind Stunden, die unsere Mutter mit uns wirklich in Gemeinschaft verbrachte. Soll heissen, als Mutter von fünf Kindern war sie natürlich rund um die Uhr mit Hausarbeiten beschäftigt. Es war für uns eine seltene Situation, wenn sie nach getaner Arbeit wirklich mal die Zeit hatte, sich zu uns zu setzen. Am häufigsten geschah das noch in der Winterzeit, sprich Adventszeit. Die Tage waren kürzer und setzte erst mal die Dämmerung ein, drückten wir Kinder unsere Nasen gegen die kalte Fensterscheibe, an der die Eisblumen in Rekordgeschwindigkeit nach oben wuchsen. Der alte Ölofen, der weit entfernt im Zimmer stand, konnte gegen diese Kälte nicht ankämpfen. In dem porösen Holzrahmen des Fensters gab es eine Rille, die das Kondenswasser aufnehmen sollte. Sie tat es auch, aber bei den Temperaturen fror dieses Wasser zu unserer Freude zu kleinen Stangen, die wir mit flinken Kinderhändchen aus dieser Nut heraus hoben. Nun hat Eis die ärgerliche Eigenschaft in warmen Kinderhänden sofort zu tauen und der Ärger war vorprogrammiert. Es dauerte nicht lange, bis Mutter uns erwischte. Da lief das Wasser bereits an unseren Armen entlang und tropfte auf den gebohnerten Fussboden.

    Es war längst wieder Winter, nach einem heissen Sommer ein Winter, wie ihn Kinder lieben und nie vergessen. Der erste Blick am Morgen fiel auf den grossen Garten und wir schauten, ob es tatsächlich wieder geschneit hatte. Ja, der Schnee lag noch höher als gestern, wir erkannten es daran, dass die Fussspuren vom Vortag fort waren, der Schneemann einen höheren Hut trug und bei den Iglus der Eingang versperrt war. Was für uns so einfach und leicht schien, für Mutter war es jeden Tag eine unlösbare Aufgabe. Wir drängten nur darauf endlich in den Schnee zu dürfen und Mutter verzweifelte daran, weil sie ahnte, wir würden in kürzester Zeit alle klatschnass und durchgefroren sein. Da nutze kein Overall, Strumpfhosen, Strümpfe, Gummistiefel, Handschuhe, Mütze und Schal. Bei einer Schneehöhe, die uns locker bis zur Hüfte reichte, wälzten wir uns voller Freude und Übermut in der weissen Pracht, die uns auffing wie ein Federkissen. Wir bauten erneut an den Schneemännern herum, glätteten die Rutschbahnen und höhlten die Iglus weiter aus. Es waren jene legendären Winter von denen meine Generation heute noch so schwärmt.

    Es war im übrigen eine Zeit ohne Waschmaschinen oder gar Wäschetrockner und dergleichen. Die Schneeanzüge schienen das Tauwasser aufzusaugen wie ein trockener Schwamm, jeder Schritt wurde mühsam mit dem zunehmenden Gewicht am Körper. Es triefte das Wasser aus Ärmeln und Beinen.

    Die übrigen Kinder im Haus und es war in jeder Altersgruppe einige dabei, versammelten sich in kürzester Zeit und wir verwandelten den Hof in einen Wintermärchenwald.
    Ein fröhliches Getümmel zwischen halbfertigen Schneemännern, fliegenden Schneebällen und kleinen Wichteln, die vermummt umherliefen.

    Für die Mütter und die älteren Leute, die tagsüber Zuhause waren, muss es ein Vergnügen gewesen sein uns dabei zuzuschauen. Irgendeiner erbarmte sich immer und spendierte mal eine Tüte Bonbons, die eines der älteren Kinder brüderlich verteilte.
    Nach zwei Stunden, wenn die ersten Frostbeulen auch mit noch so viel Spielfreude nicht mehr weg diskutiert werden konnten, dünnte sich die Meute langsam aus. Oben im Kinderzimmer stand der Wäscheständer dicht vor dem glühend heissen Ölofen und Mutter überredete jeden einzelnen von uns, erst mal eine Pause zu machen, um die Schneeanzüge zu trocknen. Doch auch die wohltuende Wärme in der Wohnung, konnte niemanden lange überzeugen. Nach wenigen Minuten des Aufenthaltes wollte jeder sofort wieder raus, weil man einfach nicht ertragen konnte wie das Toben und das Lachen der anderen nach oben schallte und man selber nicht dabei war. Also wurden die zwar immer noch nassen aber etwas aufgewärmten Sachen wieder angezogen und im Eifer des Gefechts verdrängte die pure Lebensfreude, die eben noch unangenehme feuchte Kälte in diesem unpraktischen Ding.

    Der Anbruch der Dämmerung war unser Zeichen. Mutter sagte erschöpft: “Nein, für heute reicht es!“ Den Rest des Nachmittages verbrachten wir dann in unserem Zimmer und uns blieb nur die Freude auf den nächsten Tag.
    Sie verstand es trotzdem uns das Warten aufs Christkind auf ihre Weise zu verschönern. In ihrem Beisein durften wir eine Kerze anzünden, sie schälte für uns die Mandarinen und erzählte uns aus ihrer Kindheit, vom Krieg und ihren Erlebnissen mit den vielen Geschwistern. Manchmal flunkerte sie auch, dann zwinkerte sie mir zu und gab mir zu verstehen, ich möge es den Kleinen nicht verraten. Es waren auch bei ihr nicht immer lustige Geschichten und doch hörten wir andächtig zu. Während sie so erzählte, führte sie uns einen Trick vor. Die abgeschälte Schale einer Mandarine knickte sie dicht an der Flamme der Kerze und die Spritzer des Saftes zischten in der Flamme wie kleine Wunderkerzen. Zudem verbreitete sich das fruchtige, einzigartige Aroma im ganzen Zimmer.

    Sie sang mit uns Kinderlieder und Weihnachtslieder und wenn sich der Himmel allmählich rot färbte, sagte sie:“ Schaut, die Engelchen backen schon wieder die Weihnachtsplätzchen!“ Gespannt sassen wir da, meistens mit glühend roten Bäckchen. Man war geneigt ihr all dies zu glauben und wir wagten es nicht sie zu unterbrechen, aus Furcht, sie könnte auf die Uhr schauen und sehen, dass es längst Abend war. In meinem Kopf hatte ich Bilder von grossen langen hölzernen Tischen, mit weissem Mehl bestäubt, an denen tausende Engel für die ganze Welt Plätzchen backen würden. Im Geiste stellte ich mir Teller mit Nüssen und Marzipan vor, dicke Orangen und Schokolade für alle. Und dann schaut man in den Himmel und sieht das Feuer aus dem Ofen dort oben leuchtete durch die Wolken bis hierher zu mir. Muss das geduftet haben, da oben!

    Der Duft von Mandarinen erinnert mich heute noch an diese schönen Stunden. Die wertvollsten Kindheitserinnerungen, an meine Mutter, denn sie starb sehr früh und schon wenige Jahre nach diesem Erlebnis, habe ich meinem jüngsten Brüderchen von ihr und diesen Geschichten selber erzählen müssen. Er war kaum ein Jahr alt.

    Ich wünsche allen Kindern und Erwachsenen eine schöne Adventszeit und möge jeder von Ihnen seine Erinnerungen weiter erzählen und zu neuem Leben erwecken.

    So viel zum Thema Erinnerungen! Wenn ich die nicht hätte, wäre ich tot!:schnl::schnl::schnl:
     
  2. La Dame

    La Dame Guest

    Liebes Königskind...

    das ist eine wunderschöne Geschichte.
    Du trägst Deine Mutter im Herzen und sie Dich...



    Mercie:)
    La Dame
     
  3. dieAhnungslose

    dieAhnungslose Mitglied

    Registriert seit:
    19. Mai 2008
    Beiträge:
    101
    Ort:
    zwischen den Bergen in Bayern
     
  4. kredamoon

    kredamoon Aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. Februar 2008
    Beiträge:
    1.324
    Hallo Königskind

    Da ist auch sooooviel Liebe in deinen Erinnerungen. Du mußt sehr glücklich gewesen sein :liebe1:
     
  5. SandyEngel

    SandyEngel Guest

    erinnerungen, die unser herz berühren, gehn niemals verloren:blume::blume::blume:
     
  6. SoulOfACat

    SoulOfACat Mitglied

    Registriert seit:
    18. Mai 2008
    Beiträge:
    221
    Werbung:
    Du solltest ein Buch schreiben, du kannst deine Gedanken sehr schön in Worten ausdrücken.

    Falls schon eins geschrieben hast, würd ichs sofort kaufen =)
     
Die Seite wird geladen...

Diese Seite empfehlen