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  3. Esoterikforum Adventkalender 2016
    Wir wünschen Dir einen friedlichen Advent.

Episodenkalender

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von Abraxas365Mithras, 25. September 2009.

  1. Werbung:
    Winter

    Da fährt er mit mir in den Wald und holt die
    Axt aus dem Kofferraum. "Darf man das denn?"
    Meine Frage wird überhört und ich denke: Klar,
    er darf sich im Wald einen Tannenbaum klauen,
    doch wenn ich mir im Keller mal eine Flasche
    Cola nehme, dann zieht er mir die Wasserwage
    über den Rücken!

    Frühling

    In Reichshof Eckenhagen ist Geflügelmarkt und
    ich muss natürlich mit. Irgendwann kommt eine
    ältere Oma vorbei und fragt: "Ich suche ältere
    Hühner, die schon gut Eier legen, haben sie
    welche da?" Ich weiß, dass das nicht stimmt, doch lachend höre ich ihn sagen: "Na selbstverständlich, gute Frau, hier sehen sie selbst, ganz alt und gut
    im Futter, doch ich verkaufe sie nur zusammen."
    Und da verkauft doch der Schlawiner dieser
    ahnungslosen Frau tatsächlich sechs junge Hähne
    als alte Hühner. Doch wenn ich mir eine Unterschrift
    unter die 5 in Mathematik mogele, dann fliegt mir
    sein Gürtel um die Ohren!

    Sommer

    Das Auto soll verkauft werden und der Kunde will
    heute noch vorbeikommen. Er hebt die Hand und
    warnt: "Wenn gleich der Mann kommt und fragt,
    ob das Auto unfallfrei ist, dann sagt ihr ja - verstanden?"
    Uns verbietet er was er selbst in
    noch größerem Maße tut, das ist nicht richtig.



    Sommer

    Wir stehen 1982 hinterm Haus auf unserer Hofwiese
    und sammeln die Ästchen auf. Da entschlüpft mir
    die Frage: "Papa, warum liegt denn der Apfel auf
    dem Boden?" Erst schaut er verduzt, dann sagt er
    mit schüttelndem Schädel: "Na, weil er vom
    Baum gefallen ist, was soll die blöde Frage?"
    Es kümmert ihn nicht weiter, die Ästchen sind
    ihm wichtiger. 19 Jahre müssen vergehen, bis
    ich mir diese Frage 2001 selbst beantworten kann.

    Herbst

    Jedes Jahr wird bei uns geschlachtet. So auch 1984.
    Und ebenso oft sagt Oma immer wieder, dass wir nicht
    zu sehen sollen, weil wir davon Alpträume bekommen.
    Damit meint sie nicht das viele Blut und die zerstückelten
    toten Schweine, sondern den Bolzenschussapparat, mit
    dem der Onkel das Schwein totschießt. Doch ich muss
    es immer wieder mit ansehn, weil mir die Alpträume
    über die vielen Schläge hinweghelfen. Als das Schwein tot
    ist, geht es los und ich renne den Balkon hinunter. Oma
    hält den Eimer unter das Schwein um das Blut aufzufangen
    und ich frage mal wieder was: "Warum ist rot eigentlich rot?"
    Der Alte wird fast wie die Frage: "Was? Da gibt es nichts
    zu fragen, das ist einfach so." Nach 14 langen Jahren werde
    ich endlich erlöst, als ein Österreicher in mein Leben tritt
    und mir erklärt, was ich mir bis dahin nicht erklären kann.
    1998 finden zum ersten Mal viele Fragen eine Antwort,
    und wenn er was nicht weiß, dann sagt er: Ich weiß es nicht!

    Winter

    Es gibt zwei harte Regeln, was den Fernseher betrifft.
    Die erste ist unsinnig weich: Wir dürfen uns nur dann
    mal einen Film ansehen, wenn wir ihn mit ihm ansehn,
    was äußerst selten vorkommt, da er sich meistens den
    Musikantenstadl reinzieht, was ich bis heute nicht
    verstehe, denn der passt nun wirklich nicht zu seinem
    Charakter. Und Film auf Wunsch gibt es nicht. Die
    zweite Regel ist grausam brutal: Und wenn sie hundert
    Mal das sieht, was wir gern sehen möchten, wir dürfen
    nicht runter zur Oma um dort zu schauen, sonst gibt es
    schlagenden Ärger. Bei einem dieser seltenen Fälle
    läuft 1986 ein Western und ich frage: "Warum heißen sie
    denn die glorreichen Sieben?" Er überlegt nicht lange
    und sagt sehr unwillig: "Na, weil sie glorreich sind."
    Nach 18 Jahren erfahre ich 2004 durch das Internet,
    was ich damals gefragt habe.
    ****************************************
    Herbst

    Lautes Gegröle erfüllt den Physiksaal, der
    Lehrer ist in den Nebenraum gegangen um
    einige Sachen zu suchen. "Verdammt noch
    mal, jetzt lasst mich endlich in Ruhe", fluche
    ich und mein Kopf droht im wahrhaftigen Sinn
    des Wortes zu zerplatzen, denn meine Adern
    pressen sich hervor und ich werde röter als
    der Rost von Eisen. Sie packen zu und werfen
    mich in den chemikalischen Abfallbottich, über-
    schütten mich mit Kleister und den Resten der
    letzten Chemiestunde. Gefangen bleibe ich
    bis der Lehrer zurückkommt. Er sagt dann mit
    einem Karlvalentinlachen: "So, so, Kinder, nun
    lasst den armen Kerl wieder los. Ihr habt längst
    euren Spaß genossen, es reicht. Und wenn wir
    jetzt mit unserem Unterricht fortfahren wollen...
    wie sie sehen, sehen sie nichts, und warum sie
    nichts sehen, das werden sie gleich sehen."

    ****************************************
    Winter

    Eine ältere Frau geht mit ihrem Hund spazieren
    und fragt, weil sie sich alleine glaubt: " Ohgottogott,
    sollen das etwa Iglus sein, die sehen mir doch eher
    wie zwei Schneegräber aus?" Schmunzelnd geht sie
    weiter und murmelt noch: "Die Kinder heutzutage..."
    Sie kann ja nicht ahnen, dass man mich und meinen
    Schlitten für diese Kunstwerke benutzt hat. Es ist
    sehr mühsam, so lange zu warten, bis der Schnee
    durch mein Kurzstoßatmen wieder etwas beweg-
    licher wird. Ich weiß nicht einmal, wie lange ich
    gebraucht habe um mich befreien zu können.
    Diese Episode bewegt mich dazu, häufiger nur noch
    mit Mädchen zu spielen und Puppen werden meine
    neue Spielwiese. Jedoch nur bei den Mädchen zu
    Hause. Welches Spiel sie auch immer machen wol-
    len, solange es mich von den Jungs fernhält, mache
    ich mit.

    *****************************************

    Winter / Frühling

    Zwei Sätze werden mir immer in Erinnerung bleiben,
    weil sie doch ziemlich ähnlich sind, diese Sprüche
    kommen von Lehrern, die unterschiedlicher nicht
    sein können.

    Fall 1 (1988) Bad Laasphe Feudingen

    Die erste Ganztagshauptschule (die heute nicht
    mehr existiert, da ist jetzt die Grundschule drin)

    Der Lehrer kommt in die Klasse, legt die Arbeiten
    auf den Tisch, wartet das Begrüßungsritual ab und
    kommt sofort zur Sache. Er nimmt das oberste Heft
    und sagt: "Und unser größter Chaot schreibt mal
    wieder die beste Arbeit."

    Fall 2 (2003) Nürnberg (Abendreal)

    Der Lehrer ruft mich auf, was nicht oft geschieht
    und sagt dann zum Schluss: Und unser größtes Genie
    haut wieder kräftig daneben."


    Wie wehrt man sich, wenn man keine Gewalt anwenden will?
    Gibt es die Möglichkeit, Denkzettel auf Abwegen zu verteilen?
    Jetzt ist noch kein Glaube da, der mir hilft, anders zu denken.
    Werde ich am Ende die Schuld der Schuldigen und jener, die
    sich zulassend raushalten, einfordern können?

    *************************************************************
    Frühling

    So langsam spüre ich, wie das Fass in meiner Seele überläuft.
    In meinen Gedanken spielt eine Frage mit sich selbst Billard,
    während ich mich näher kommend auf die Schule zu bewege.
    Mein siebenjähriger Blick wendet sich nach rechts und sieht
    auf dem ansteigenden Grün, den frisch gemähten Rasen. Ist
    das die Lösung, kann ich damit alle bis ins Mark treffen? Ich
    bin noch etwas unsicher, doch schließlich siegt meine Neugier
    und ich tu es. Mit beiden Händen stopfe ich mir dieses ölige
    Gras in den Mund und kann das Erbrechen nur mit viel Mühe
    zurückhalten. Der Benzingeruch verstärkt die Übelkeit um
    einiges mehr. Meine Hände sind ziemlich grün geworden und
    ich will sie säubern, doch da schlägt schon der Gong. An der
    Hose wische ich die Hände ab, während ich der Wirkung
    wegen zum Klassenraum renne. In der ersten Stunde passiert
    noch nichts, doch kurz nach Beginn der zweiten fängt mein
    Denkzettel an, sich zu enfalten. Nach zwanzig weiteren
    Minuten ist der ganze Klassenraum, trotz der geöffneten
    Fenster, gefüllt von meiner Rache. Doch erst als der Lehrer
    gebeten wird, mich hinauszuschicken, weiß ich, dass dieser
    Denkzettel einen Lorbeerkranz erhält. Denn er sagt: "Nein,
    das werde ich nicht, sowas kann schließlich jedem mal
    passieren." Noch viereinhalb Schulstunden müssen sie
    meine Rache ertragen, bevor sie das erste Mal nach draußen
    dürfen, doch dann geht es weiter. Denn erst nach zwei
    Drittel der Fahrt hat der Busfahrer ein Einsehen und bittet
    mich vorzeitig auszusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen.

    *************************************************************
    Herbst

    Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, doch meine Schafe sind in der
    meisten Zeit dreizehn Stück. Ob Tod, Geburt, Schlachtung oder
    Verkauf, es bleiben dreizehn. Ich sage aus gutem Grund, dass es
    meine Schafe sind, weil sie Opa nicht gehorchen und sein Sohn sie
    dauernd schlägt. Ich rede mit ihnen in ihrer eigenen Sprache, weil
    sie mich so verstehen können, nämlich Blökisch. Opa und ich fahren
    mit dem Trecker hinauf zur eingezäunten Weide, weil wir nach dem
    Wasser gucken müssen. "J..., geh schon mal ins Wäldchen, da muss
    das Seil sich losgerissen haben, ich kann die Vorrichtung nicht sehen",
    sagt Opa ungläubig. Ich schaue nach. Nicht nur das Seil ist ab, beide
    Dachrinnen liegen umgekippt im Bächlein. Ich richte alles wieder her,
    dann holen wir die fast leeren Wannen und sehen zu, wie sie sich
    langsam füllen. Mit viel Mühe schleppen wir sie an ihren Platz zurück,
    machen es uns etwas bequem und schauen den Tieren beim Trinken zu.
    Da kommt Lem angewackelt, ein schwarzer Bock, und will gestreichelt
    werden. Als er wieder davontrottet, lässt er genau vor meinen Füßen
    seine Flocken fallen. In dem Moment kommt mir der Gedanke, wie ich
    mich mal wieder rächen kann.
    In der Pause greifen die entsprechenden Schüler, weil sie maßlos sind,
    gierig in die Lakritztütchen und mampfen die angeblichen Katzenpfötchen.
    Als sie merken, was die Stunde geschlagen hat, ist es bereits zu spät. Ihre
    göttlichen Gesichter sind unbeschreiblich und meine Rache ein großer
    Erfolg.

    Epilog

    Zwei Jahre später verlasse ich mit fünfzehn Jahren diesen Ort und werde
    durch das Damoklesschwert ersetzt. Denn mein Weggang ist das Todesurteil
    für meine Schafe. Sie müssen sterben, weil ich nicht mehr da bin. Opa
    stirbt drei Monate vor ihnen. In all den Jahren darf mein türkischer Freund
    unser Haus nicht betreten, weil er für ihn ein "Kanacke" ist. Doch kaum
    bin ich weg, da holt er sich Türken ins Haus, welche die Schafe auf grausame
    Weise schächten. Eigentlich bin ich auf dem Weg zu Oma, doch als ich schon
    von weitem sehe, was da wie passiert, drehe ich mich gebrochen um und
    gehe ins Altenheim. Ich brauche jetzt die Sorgen der Alten, die mich von
    diesem Bild ablenken.
     

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