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Dionysos (Heym)

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von diabolo, 25. März 2005.

  1. diabolo

    diabolo Neues Mitglied

    Registriert seit:
    15. Januar 2005
    Beiträge:
    372
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    Dionysos (Heym)

    Am Wege sitzt er. An der Felder Schwelle.
    Die Winde, die im weißen Korne spielen,
    Sie tragen ihm des Landes Würze zu.
    Des Ölbaums grüner Schatten folgt der Sonne.
    Im Kreise ziehn am Himmel hin die Stunden.
    Nun ward es Mittag. Und der Wind schläft ein.

    Die Panther stehen müde im Geschirr.
    Wo ist ihr Goldglanz, der von India kam,
    Der Welt Entzücken. – Sie sind alt und matt.

    Der Gott ist manches Jahr herumgestreift,
    Verstoßnen Sklaven gleich, durchs Waldgebirge
    Und niemand hat sich seiner mehr erbarmt.

    Durch Städte kam er, wo er einst geherrscht.
    Die Tempel sind zerstört und schon zerfallen.
    Kein Opfer netzt den heilgen Boden mehr.

    Durch Dörfer kam er, wo sein Säulchen sonst
    Mit Rosen jeden Morgen ward bekränzt
    Und wo der Herden Erstling er empfing.

    Der Exorzisten Horde in den Kutten
    Trieb ihn mit Flüchen aus. Und Scheiterhaufen
    Verbrannten seine letzten Söhne lang.

    Ein neuer Gott ist in das Land gekommen.
    Des Kreuzwegs Heiligkeit ward frech entweiht
    Von seinem Bilde, das am Kreuze hängt.

    Nackt, fahl, und wund, so hängt er in dem Tag
    Im goldnen Licht des Mittags, anzuschaun,
    Ein Schandfleck der geschändeten Natur.

    Wo sind die Spiele hin, die Philosophenschulen,
    Heros Akademos. Der Männer Schönheit.
    Wo ist der Sang der stolzen Olympiaden.

    Wo sind die Götter hin. Sie sind verwandelt,
    Sie sind zerstreut. Sie wohnen in der Erde.
    O Aphrodite, die zur Spinne ward.

    Er sieht herüber zu dem Götterberge.
    Des eisern Haupt ins Blau des Himmels ragt.
    Verlassen ist er. Einsam alle Zeit.

    »Warum, warum.« Und seine Hände suchen
    Beim Weinlaub Trost, das ihm zu Häupten hängt,
    Und zitternd streicheln sie das reife Korn.

    Die Tränen rinnen langsam ins Gesicht
    Des greisen Gottes, in den Falten hängend.
    Und wie ein Kind schläft er vom Weinen ein.

    Dryaden zwei, die in den Wald geflohn,
    Sie treten aus des Waldes Schatten vor.
    Vorsichtig spähn sie über Weg und Feld.

    Sie sehn den Gott und stürzen ihm zu Fuß:
    O Vater, Vater. Ach er schläft. Sie tragen
    Behutsam ihn zum Walde Schritt vor Schritt.

    Die Panther folgen ihres Herren Spur.
    Der Zug verzieht im Wald. Ein goldner Schein
    Des Wagens schimmert durch die Stämme noch.

    Doch atemlos und stumm wird die Natur.
    »Er ist gestorben« ruft es in den Dörfern.
    Ein heißer Ostwind streicht durch Asia.

    Die Pest tritt in die niedren Türen ein.
    Vorm Kruzifix zergeißelt sich das Fleisch,
    Blut netzt des neuen Gottes bleichen Fuß.

    Kehr wieder, Gott. Kehr wieder aus dem Reich
    Des grünen Waldes. Denn erfüllt ist nun
    Des neuen Gottes kummervolles Reich.

    Der Usurpator muß vom Throne stürzen,
    Die Bettlergilde die sich angemaßt,
    Der Himmlischen Paläste zu bespein.

    Der Himmel ist zum Tollhaus nun geworden.
    Krankheit und Wahnsinn herrschen im Olymp.
    Drei ward gleich eins. Und Brot ward dort zu Fleisch.

    Sie passen in die Königskleider nicht,
    Die Zwerge, die wie kleine Affen hocken
    Im Götterpurpur auf der Blitze Thron.

    Kehr wieder Gott, dem Pentheus einst erlag.
    Du Gott der Feste und der Jugendzeit.
    Kehr wieder aus des Waldes grünem Reich.

    Kehr wieder, Gott. Erlösung, rufen wir.
    Erlöse uns vom Kreuz und Marterpfahl.
    Tritt aus dem Walde. Finde uns bereit.

    Wir wolln dir wieder Tempel bauen, Herr.
    Wir wollen Feuer an die Kirchen legen,
    Vergessen sei des Lebens 'Traurigkeit.

    Wir flehn zu dir in mancher stillen Nacht.
    Wir sehen hoffend zu den Sternen auf.
    Tritt aus den Sternen. Hör das Rufen, Herr.
     

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