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Der Amokläufer

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von FIST, 21. Februar 2010.

  1. FIST

    FIST Neues Mitglied

    Registriert seit:
    16. Februar 2004
    Beiträge:
    25.988
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    "nein, er ist nie grossartig aufgefallen, war immer sehr ruhig und zurückhaltend."

    Die Aussicht aus seinem Zimmer ist nicht berauschend: ein weiterer Block, genau gleich wie der in dem er sein Zimmer hatte, genau gleich wie der den man von der Küche aus sieht, genau gleich wie den, den man vom Wohnzimmer aus sieht. In diesen Blöcken sind Hunderte von Wohnungen, hunderte von Zimmern genau wie seins, und aus hunderten dieser Zimmer sah man genau das gleiche was er sah: einen Block genau so wie derjenige in dem man wohnte.
    Er war im siebten stock, über ihm gab es sieben weitere Etagen, alle mit dem gleichen versifften treppenhaus, durch denselben alten Lift zu erreichen. Beides beläuchtet von diesem irgendwie kranken Licht. Das licht sah aus wie Fieber aussehen müsste, müsste man Fieber bildhaft darstellen. Viele dunkle Ecken, aus denen es siffte, manchmal lagen Flaschen da, hin und wieder auch spritzen, Teenies knutschen oft in solchen Ecken, machten ihre ersten Erfahrungen, manchmal verkroch sich auch ein Kind darin und weinte. Man ignorierte sowas. Genau so wie man das Geschrei aus der Wohnung oben drüber ignorierte. Man ignorierte täglich so viel, und wurde selber Ignoriert.

    Träumte man konnte man sich vorstellen, dass man irgendwo im Grünen währe, wo man Vögel singen hörte und nicht das Jammern der Nachbarstochter die von ihrem Vater vergewaltigt wurde. Man würde das rauschen eines Baches hören und nicht das klatschen eines Baseballschlägers der ins Gesicht eines Junky krachte, der seine Schulden nicht bezahlt hatte. Man konnte so viel hören, wenn man ignorierte, ignorierte.

    Der Computer hilft, er lenkt ab, ab von der Tapete die sich langsam von der Decke löste, ab von den Spuren von Schimmel die sich in den Ecken zeigte, ab von der sich lösenden Sockelleiste, ab von Fenstern durch die es im Winter immer zog, ab vom Vater der weg war, ab von der Mutter die an Alkohol, Kippen und flaschen Liebhabern ihre Familie vergas. Man kann all das was man ignoriert stappeln und bei Call of Duty ins Magazin laden und drauf los ballern. Das hilft.

    "nein, er war nie in eine Schlägerei verwickelt und hat um Probleme immer einen Bogen gemacht."

    Nicht auffallen, nicht in Schwierigkeiten kommen. Sich nicht mit Ausländern rumhängen um kein Problem mit den Nazis zu haben. Nicht mit den Nazis abhängen um nicht von den Türken verprügelt zu werden, kein Punk sein um nicht mit der Polizei Schwierigkeiten zu kriegen. Nicht auffallen, sich aus allem raushalten, ruhig sein und Ignorieren um zu überleben. Niemandem Kummer machen, sich nicht exponieren, ja keine Zielscheibe werden, Mittelmass sein, mittelmass bleiben. Untergehen in der Masse, einer von Vielen sein, ignorieren und ignoriert werden - Keine Freunde, einsamkeit, keine Freundin, hie und da Wichsen, nicht Dealen.

    Die Walter hilft. Sie symbolisiert macht, eine Lösung, Ausweg. Ein geheimes Fetisch, stille, düstere Träume, versteckt, geheimgehalten, etwas das nur einem selbst gehört. Schöne Gedanken, Befreiung wie man es all jenen heimzahlt die man ignoriert, dem Nachbar der seine Tochter vergwaltigt, dem Dealer der dem Junky dem Basballschläger ins Gesicht rammt, den Falschen Liebhabern der Mutter, sich selber.

    "er war nie ein aussergewöhnlicher Schüler, weder speziell gut noch speziell schlecht."

    Keine Zukunft, keine Lehre, keine Arbeit, nur den Gang aufs Arbeitsamt und für alle ewigkeit den Blick aus diesem Fenster, hinaus auf einen Block der aussieht wie den Block den man aus der Küche sieht, wie den, den man aus dem Wohnzimmer sieht. Für alle Ewigkeit dieses Zimmer, überdem und unterdem genau gleiche Zimmer sind, bei denen die Tapete sich von der Wand löst, der Schimmel in den Ecken hervorkriecht, in denen sich die Sockelleiste löst.

    Der TV hilft nicht, Sugestionen von Hoffnung, 15 Minuten Ruhm für jeden, Deutschland sucht den Superstar, Talkshows, Richtersendungen, Platz für alle Unbedeutenden, ein kurzes Hoch, ein tiefer Fall, illusionen, Lügen, falscher Trost, wie früher die Kirche oder die Nazis. Drogen helfen nicht, machens nur Schlimmer, verstärken die Trostlosigkeit, spiegeln die Einsamkeit, lassen den Schmerz aufläuchten wie das fiebrige Licht im Treppenhaus. Ein Krieg würd helfen, letztes Auffangbecken für gescheiterte Existenzen, eigenschaftslose Menschen, trostlose Aussichten.

    "Heute Morgen hat sich in einer Schule in Deutschland ein Drama abgespielt als ein 16 Jähriger Schüler mit einer Handfeuerwaffe Amok lief und 12 Mitschüler und 2 Lehrer sich selber erschossen hat. Die Schüler und ihre Familien stehen unter Schock. Ein Motiv ist nicht bekannt. Bei einer polizeilichen Durchsuchung der Wohnung des Täters fand man Gewaltcomputerspiele. Die Politik wird in den nächsten Tagen über ein Verbot von Gewaltspielen disktuieren."

    mfg

    FIST
     

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