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Da saß er nun, der Mensch

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von LoneWolf, 26. April 2007.

  1. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    Da saß er nun auf der Nuss, der Mensch und zum ersten mal hatte er es geschafft, sich ganz aus diesem Kokon zu befreien. Noch war er nicht in Sicherheit, noch zogen dunkle Kräfte an ihm und wollten ihn zurückziehen in dieses Gehäuse und er überlegte noch immer, wie er denn da überhaupt hinein geraten war, in diese Nuss. Doch wichtiger erschien ihm jetzt den Blick auf diese weite Landschaft um ihn herum zu richten, die er zuvor nicht bemerkt hat. Alles erschien im neu und was er jetzt brauchte, waren andere, die so ähnlich beschaffen waren wie er, wenn gleich auch anders waren als er.

    Er mußte den Täufer finden, denn er hatte keinen Namen. Alle Namen, die man ihm bisher gegeben hatte, auf dieser Reise aus der Nuss, waren Vergangenheit und sagten nichts aus über die Reise, die in zu dem gemacht hatte was er jetzt war. Er hatte sie alle vergessen. War Namenlos.

    Sein Blick streife in weitem Bogen über das Grasland, doch noch war niemand zu sehen. Vor seinen Füßen fand er diesen Zettel, denn offenbar zuvor jemand hierher gelegt hatte. Eine Nachricht? Er bückte sich und hob ihn auf. Da stand zu lesen:


    Wir sind der zweite aus dreien, der erste kam aus dem Feuer, der dritte geht in das Licht ... klangen die Worte im Kopf des soeben geschlüpften Menschen nach, während er aufstand und Richtung Stadt ging. Was hatten diese Worte zu bedeuten? Was wollte der Schreiber dieser Zeilen ihm sagen? Warum berührten ihn diese Worte, obwohl er sie nicht verstand?

    Und was würde er sagen, wenn ihn in der Stadt jemand nach seinem Namen fragte? Er mußte erst den Täufer finden. Und er brauchte Beratung. Er plante den Erwerb einer neuen Klangschale.

    Der alte Ton klang langsam aus und ein schönes Bild erschien vor seinen Augen.

    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/7029541

     
  2. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    Auf dem Weg in Stadt gingen dem Menschen allerhand Gedanken durch den Kopf. Er war ja gerade erst geboren. Zwar hatte er eine weite Reise hinter sich doch schien sich die Erinnerung daran in Luft aufzulösen und es fühlte sich an, als wär er gerade eben am Anfang angekommen. Eine Leere war in ihm, eine angenehme, helle Leere. So fragte er sich, was er denn anstellen könnte, in dieser Prärie, die da jetzt vor ihm lag. Nun, den Täufer wollte er finden, denn er brauchte einen Namen und eine Klangschale wollte er erwerben. Doch das konnte ja noch nicht alles sein.

    Er bückte sich und hob den nächsten Zettel auf, den wahrscheinlich der Wüstenwanderer vor ihm hier verloren hatte. Da stand geschrieben:

    "Was das?" fragte sich der frisch geschlüpfte Mensch, setzte sich wieder auf die versiegelte Kokosnuss und packte seinen Laptop aus. Das Funkmodem montiere er provisorisch an einem Hollunderstrauch, dem sich daraufhin die Wurzelenden aufstellten. "Dem Leben einen Sinn geben", sowas hab ich ja noch nie gehört. Was bedeutet Sinn?" fragt er sich und schreibt das Wort in die Eingabemaske von Wikipedia.

    "Da schau her", rief der Mensch aus der Kokosnuss, "Ein Wort, mehrere Bedeutungen. Das wird nicht einfach. Wie also dem Leben einen Sinn geben? In welchem Sinne dem Leben einen Sinn geben? Das versteh ich noch nicht."

    Sollte er nun dem Leben eine Drehrichtung geben? Die semantische Bedeutung des Satzes war er ja gerade dabei zu ergründen, wenn er richtig kombinierte. Oder sollte er dem Leben ein Ziel setzen, einen Zweck verleihen und Wert geben? Er blickte um sich und blickte in sich hinein und sah überall Leben, sonst nichts. Einzig die hohle, schwarze Nuss auf seinem Grund schien ihm tot, leer und verbraucht zu sein. Wie sollte er dem Leben Wert geben? Was war ein Wert? Er wußte nichts von Werten bisher. Oder meinte der Satz auf dem Zettel: "Dem Leben ein Wahrnehmungsorgan geben"?

    Er wußte es nicht im Moment und dachte, das Rätsel morgen zu lösen. Die Sonne berührte bereits das hohe Gras und eine schwere Müdigkeit kam über ihn. Vielleicht würden ja auch im Schlaf Bilder kommen oder Worte, die ihm halfen, die Bedeutung des Satzes zu erkennen.

    "Was sind Ziele? Was ist ein Wert?" hörte er sich noch fragen. "Ich werde ein Orakel befragen müssen .... ", dann schlief er ein.
     
  3. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    ... erscheint dem geschlüpften Menschen im Traum und spricht seltsam.

    Sei dem Leben ein Auge
    Sei ihm eine Hand
    Heb auf den Stein vom Boden
    Mal Bilder an die Wand

    Sei dem Leben ein Ohr
    Und sei ihm auch ein Mund
    Stimm dir eine Laute
    Tu deine Bilder kund

    Sei dem Leben ein Lachen
    Wenn du es tanzen siehst
    Und sei ihm eine Träne
    Die es im Schmerz vergießt

    Sei dem Leben ein Werkzeug
    Ein Sinn und ein Organ
    So wie du es immer warst
    Von allem Anfang an.
     
  4. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    Der ICH-Mensch aus der Nuss redet mit Gott.

    Sag mal, lieber Gott, warst nicht Du es, der mir dieses schräge ICH hier gab und mich gleich darauf fragte, wer ich denn sei und woher ich denn komme? Was blieb mir anderes übrig, als mich von Dir abzuwenden und mich mir selber zuzuwenden? Ich wußte mir ja keine Antwort auf Deine Frage, ehe ich mich genauer betrachtete.

    Oder hab ich mich selbst gefragt, als Du mir dieses schiefe ICH gabst und sagtest, ich wär ein Mensch und käme von Dir? War ich es, der sich selbst gefragt hat, was denn ein Mensch überhaupt sei und wollte ich wissen, wer Du bist, von dem ich ja komme? Habe ich gezweifelt? Und wie kam der Zweifel in mich? Wer war die Schlange und wer gab ihr die Worte?

    Oder hast Du all diese Fragen in mich gelegt?

    Bin ich nun ein Abtrünniger, ein Verstossener oder ein Überlisteter? Wollte ich wissen oder wolltest Du, dass ich weiß, wer ich bin? Und wer Du bist? Und woher ich komme? Oder wolltest Du, dass ich wissen wollte obwohl Du wußtest, dass ich Dich nie wissen würde ... was weiß ich, wie ich sagen soll?

    Nun, leider muss ich Dich wieder mal enttäuschen. Ich bin zwar schon lange auf der Reise, aber ich weiß es noch immer nicht. Ich sitze nur hier und mache gerade eine kleine Zwischenrast und erzähl dir meine Gedanken, die du ohnehin bereits kennst. Bin müde geworden, auf dieser seltsamen Reise durch die Dunkelheit.

    Ich kann Dir nur soviel sagen; seit dem Moment, wo ich mich von Dir abgewandt und mir selber zugewandt habe, ging es Berg ab mit mir und es wurde immer dunkler. Ich fand hier ein Stück von mir, fand dort ein Stück von mir, versuchte die Teile zusammenzusetzen und riss sie wieder auseinander, weil sie nicht zu passen schienen oder dazwischen noch andere Teile fehlten. An diesem Ort war ich Dieser an einem anderen Ort war ich ein Anderer. Ich nahm mich, zerbrach und teilte mich in 1000 Teile um genaueres zu erfahren, denn irgendwie war diese Frage ja in mich hineingekommen, wer ich denn sei und woher ich komme.

    Warst Du es selbst, der diese Frage in mich legte? Na egal, wie dem auch sei .....

    Was ich da fand, war allerdings nicht sehr schön dafür aber sehr verwirrend, denn hier war ich ein Braver, ein richtig Guter und dort war ich ein wirklich Böser und jetzt sitz ich da, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Ich habe nur Teile in mir gefunden, lauter zerbrochene Einzelteile von irgend etwas Ganzem, über das ich Dir leider noch immer nichts genaues sagen kann. Also frag mich bitte nicht mehr wer ich bin, lieber Gott, weil ich weiß es nicht. Du bist es, der mir sagt, ich bin ein Mensch und ich komme von Dir, was soviel heißt wie: Du hast mich erschaffen. Und ich will Dir gerne glauben. Ich kann zwar nichts wissen, aber auf meiner Reise durch die Dunkelheit habe ich keine andere Quelle gefunden, der ich entspringen könnte.

    Aber ich sage Dir, in mir ist ein richtiger Schweinestall, lieber Gott und es erfüllt mich mit Scham. Aber wer sollte den noch aufräumen können, Ordnung schaffen, Gutes von Schlechtem unterscheiden in dieser inneren Grauzonenlandschaft, wenn nicht Du, denn das eine zumindest ist mir klar geworden: Soviele Teile und Möglichkeiten, Gute wie Schlechte auch in mir sind - ohne Dich bin ich nichts. Das weiß ich im Grunde, seit ich aus Deinem Haus ausgezogen bin. Ich habe es nur über eine lange Zeit hindurch vergessen.

    Nicht ich, Du bist die Liebe und ich bin innen leer und wenn ich mich von Dir wegdrehe ist in mir drinnen alles schwarz und wenn ich mich zu Dir hindrehe kommt das Licht in mich hinein und das behagt mir sehr. Mehr kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nicht ich.


    [​IMG]


     
  5. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    "Was hast du in dir gefunden?" fragt eine Stimme in dem Menschen.

    "Ach, was soll ich Dir sagen. Zuerst waren da nicht soviele Worte, eher ein Staunen über all das, was da ist und dann kamen auch Fragen in Worten wie: "wie kann das sein?" "Wer hat das gemacht?" "Was bedeutet ich?" "Wo komm ich her?" "Wer bin ich, was bin ich?" Irre Fragen eben, statt froh zu sein, dass ich endlich da war, hat irgendwas in mir dauernd rumgefragt. Aber es war am Anfang alles sehr hell und freundlich und auch ein paar Talente habe ich gefunden."

    "Was sind Talente?"

    "Ich weiß nicht was das bedeutet, ich glaube, es dient dem persönlichen Ausdruck. Man kann etwa ein Bild malen, in diesem Bild einen schönen Moment der Wirklichkeit zum Ausdruck bringen, sich selbst eigentlich zum Ausdruck bringen, nämlich wie man diesen Moment gerade erlebt und sieht oder man kann auch sureale Welten malen, die man nur im Inneren sieht oder überhaupt ganz gegenstandslos nur Formen und Farben, wie sie auch in einem sind und manchmal nach außen wollen. Osho hat mal gesagt, ein Künstler ...."

    "Wer ist Osho?"

    "Ach, das is so n`Meister in Esofragen ..."

    "Aha, ja. Ich verstehe. Was hat er gesagt?"

    "Naja, ich erzähls in meinen Worten, wies ich verstanden hab. Ein Künstler, wenn er gut ist und einen Namen hat, sagen wir mal Münchhausen, und er ist am Arbeiten in seiner Kunst, egal was, Schreiben, Malen, Komponieren ... und er ist richtiggehend versunken in seiner Arbeit, dann ist er weg. Der Münchhausen ist dann weg, während er malt. Den gibt es gar nicht mehr. So ungefähr hat das der Osho behauptet."

    "Und wer malt dann, oder dichtet oder musiziert, wenn keiner mehr da ist, der musizieren könnte?"

    "Tja, ich weiß es ja auch nicht, aber der Osho hat gesagt, Gott ist dann in dem Künstler, Gott malt das Bild, schreibt ein Gedicht, singt ein Lied ... durch die Seele des Künstlers."

    "Soso, das hat Osho gesagt? Und du hast also auch Talente gefunden.?"

    "Naja, ich hab gern ein wenig gezeichnet und auf dem Klavier rumgehämmert wie ich noch klein war, wies mir in den Sinn kam und die Leute haben gemeint, dass wäre Talent. Aber es waren nicht die richtigen. Am liebsten hab ich Löcher in die Luft geschaut. "

    "Wieso das? Wieso waren das nicht die richtigen Talente?"

    "Ich weiß nicht recht, sie wollten nicht bei mir bleiben, die Talente. Ich hab sie alle verloren, als ich diesen Abgrund hinunter stieg."

    "Welchen Abgrund?"

    "Na, diese Dunkelheit in mir, dass ist ein tiefer Abgrund ohne Boden. Ich erzählte Dir doch gestern bereits davon."

    "Ja. Warum bist du da hinunter gestiegen?"

    "Das war so: Durch die Lobhudelein auf meine bescheidenen Talente hin wurde mir mein ICH wichtig. Ich konnte mit diesem Schmus nicht umgehen. Das war meine erste Versuchung, der ich erlegen bin und ich wurde Hochmütig. Und im selben Maß, wie mir mein ICH wichtig wurde, habe ich mich von Dir weggedreht und so auch von den Menschen. Von allem eben, was nicht ich war. Und wie ich gestern bereits sagte; wenn ich mich von Dir, der Du nicht ich bist abwende, wird es dunkel. Aber der Hochmut verbreitete auch eine Art Licht, ein falsches zwar, aber immerhin meinte ich einen Weg erkennen zu können diesem Irrlicht bin ich dann gefolgt."

    "Hmmm ... du hast also Superbia in dir gefunden. Das klingt nicht gut."

    "Das war auch nicht gut und es ging ja noch weiter und tiefer und so habe ich nach und nach alle meine Talente verloren. Aber ich bin heute nicht mehr traurig drüber"

    "Ja, das kann gut möglich sein. Aber ich sehe, du bist heute schon müde. Vielleicht werde ich dich morgen fragen, was du sonst noch in dir gefunden hast. Aber überleg dir nicht bereits heute eine Antwort, weil vielleicht frag ich dich auch was ganz anderes oder gar nichts. Schlaf erstmal gut."

    "Ja, gute Nacht."
     
  6. Saraswati

    Saraswati Sehr aktives Mitglied

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    Na, verloren hast du deine Talente ja nicht, Willi,
    sie finden nur andere Wege jetzt...

    :liebe1: K.S.


    P.S., darf ich das da in einem andren Thread verwenden? Da fragte jemand mitTalent nach der Gefahr des Ego-Trips...
     
  7. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    Na klaro, mach nur :liebe1:
     
  8. LoneWolf

    LoneWolf Sehr aktives Mitglied

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    Eigentlich wollt ich Dir ja heute Nacht schon wieder einen Brief schreiben. Ich hab gestern zu viel Red Bull getrunken und konnt wieder nicht einschlafen. Aufstehen wollt ich auch nicht mehr und so bin ich die halbe Nacht im Bett gelegen und hab an die Decke gestarrt.

    Ein wenig hab ich es wieder bereut, dass ich mir vor 23 Jahren diesen Thorwi Dethlf mit seinem Schicksal als Chance reingezogen hab und so in die Esoszenerie abgerutscht bin. Du weißt es ja eh selber, wenn man da zu tief reinkippt, gibts kein zurück mehr. Das is ein alter Hut. Und dann gleich drauf haben mich dem Castaneda seine Spinnerein total verrückt gemacht. Einen Weg mit Herz wollt ich finden und die eigene Wichtigkeit mit dem Knüppel erschlagen. Komplett verrückt bin ich geworden mit diesem Eso-Dings da.

    Vorher war ich ein stinknormaler, arbeitender, geisteskranker, aggressiver, irrer Säufer und nach meinem Eintritt in die Abteilung Eso und Feingeistiges hab ich dann jeden Halt verloren. Zwar hab ich bald aufgehört, mich in diese Bücher zu vertiefen, das weißt Du eh, gell, aber da war es schon zu spät. Da waren bereits diese seltsamen Denkprozesse in mir aktiv, die mir manchmal regelrecht Angst gemacht haben, weil ich gar nicht wußte, wo kommen diese Gedanken denn auf einmal alle her. Aber es war auch schön und tat gut, die Welt wieder mal in einem neuen Licht zu sehen, durch die Natur zu wandern und frei zu atmen und nach und nach auch Dich überall zu erkennen.

    Nein, ich bereu es nicht wirklich, in die Esoszene abgerutscht zu sein. Es war ja meine einzige Chance zu überleben, sonst wär ich ja schon mit 25 hinüber gewesen. Und ich würde Dich auch nie wieder bitten, mich in Frieden zu lassen.

    Du erinnerst dich sicher, gell, lieber Himmelvater, vor ca. 12 Jahren, als mir diese ganzen neuen Gedanken zu viel wurden und ich nicht mehr konnt und zu Dir gebetet hab: Gott, hab ich gesagt, ich bitte Dich, lass mich in Ruh. Lass mich ein ganz normales einfaches Leben führen, wie die anderen Menschen auch, ich ertrag diese Gedankenströme nicht mehr, diese Sprünge im Hirn und Panikattacken, die mich um drei in der Früh aus dem Bett geworfen und mich gezwungen haben, hyperventilierend bis sieben am Donaukanal spazieren zu gehen. Nur knapp vorbei am Irrsinn, weil mein Hirn gelaufen ist wie eine Maschine. Lass mich nicht dauernd nur an Dich denken, lass nicht dauernd nur Dich durch mich denken, lass mir auch ein wenig Zeit für mich, gib mir ein normales Leben zurück, hab ich gebetet. Ich muss das alles erst neu ordnen.

    Und Du hast mein Gebet erhört und hast mich in Frieden gelassen und mir wieder ein "normales" Leben geschenkt. Plötzlich warst Du wieder weg. Nie wieder will ich dich um so etwas bitten. Fast über Nacht war es wieder da, das "normale" Leben, dass "normale" Bewusstsein und die Frau von meinem Kumpel, mit der ich dann meine verdrängte Sexualität ausleben konnte.

    Die "normalen" in meinem Umfeld haben meine darauffolgende Depression nicht verstanden, nachdem alles zerstört und zerbrochen war. Sie haben gesagt, sowas nimmt man sich nicht zu Herzen, weil sowas passiert eben. Wir sind Menschen, haben sie gesagt und Menschen machen Fehler. Ja, ich weiß. Sowas passiert den Menschen immer wieder, wenn sie nur ein Bewusstsein haben. Aber ich hatte jetzt zwei Bewusstseine.

    Ja, du hast richtig gelesen. Zwei Bewusstseine. Eine Art erwachendes, spirituelles Bewusstsein, dass aus meiner Verbindung mit Dir entstanden ist und immer weiter entsteht und ein Normales, das Du mir auf mein Bitten hin wieder zurückgegeben hast. Ein stinknormales Triebbewusstsein, dass eigentlich kein wirkliches Bewusstsein ist, weil ich hier irgendwie wie im Schlaf gelebt hab, nur von Emotionen gesteuert und dauernd die Wuzel vom Sandmann in den Augen. Mit meinem Triebbewusstsein hab ich diesen kleinen Ehebruch schon verkraftet, wie jeder normale Mensch. Aber mit meinem Triebbewusstsein hab ich auch alle anderen früheren und nachfolgenden Schweinerein gut verkraftet, wenn ich etwa besoffen und herumbrüllend wie ein Tier durch die Strassen gelaufen bin, Dinge und Gegenstände zertrümmert habe, wieder begonnen habe zu lügen und zu betrügen um mir Geld und eine Rechtfertigung für mein toxisches, gieriges, selbstsüchtiges Leben zu zimmern, mich mit anderen Säufern und Gaunern selbstgerecht im dreckigen Asphalt herumgewälzt habe und sich in meinen Reden alles vermischt hat. Meine dreckigen Gedanken sich unkontrolliert mit reinen Gedanken vermischt und ich nicht mehr gewusst habe, wann meine Zunge Lüge spricht und wann Wahrheit und welche Werke meine Hände vollbringen an manchen Tagen. Selten waren es Werke des Guten.

    Mit meinem Triebbewusstsein, das kein wirkliches Bewusstsein ist, kann ich alles verkraften weil was mir nicht gefällt und nicht in den Kram passt schiebe ich hinab in dunkle Gefilde, wo es mich nicht tangiert. Aber mit meinem Anteil an klarem Geist, den ich aus der Verbindung mit Dir habe, kann ich nichts verkraften und nichts verdrängen. Der Anteil an klarem Geist in mir läßt es nicht mehr zu, dass ich etwas verdränge, an Fehlern, Irrtümern und Schweinerein die ich begangen habe. Ich kann mir selbst nichts verzeihen. In Deinem Licht muss ich mir alles ansehen und Dein Licht ist es aber gleichzeitig auch, dass alles heilt. Meine einzige Medizin bist Du, der Du nicht ich bist.

    Ich habe Dir jetzt wieder einen langen Brief mit vielen wirren Gedanken geschrieben aber Du wirst ihn entwirren so wie Du alles entwirrst, denn Du bist der große und einzige Entwirrer, mein klarer und reiner, von allem unberührter Geist in mir, über mir und um mich herum und würde ich Dich um etwas bitten, dann würde ich Dich sicher nie wieder darum bitten, mich in Frieden zu lassen, mich sozusagen von Dir zu erlösen. Aber ich würde Dich bitten, erlöse mich von mir, denn so wie Du der Entwirrer bist bin ich es, der nur Verwirrung schaffen kann ohne Dich. Aber ich sag statt dessen: Gib mir nicht was ich will, gib mir lieber was ich brauche.

    Einen Weg mit Herz wollte ich immer finden und hab ich ihn mal gefunden, hab ich ihn immer wieder verlassen und an seinem Ende fand ich immer wieder nur diese Tore zu meiner persönlichen Hölle, sonst nichts. Warum mußte das so sein? Weil ich auch dieses Wollen noch verlieren mußte?

    Darum sage ich nur noch: Gib mir den Frieden wenn es Dein Wille ist, aber ...


    ... LASS MICH NIE WIEDER IN FRIEDEN.
     
  9. Kinnaree

    Kinnaree Guest

    Mir sind nicht allzu viele hier drin bekannt, die einen solchen Weg so mit Herz gehen wie du. Auch wenn dieses Herz manchmal blutet. Es spricht aus jedem Wort von dir. Es gibt kein einziges Wort von dir hier drin ohne Herz...
     
  10. MorningSun

    MorningSun Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    13. März 2006
    Beiträge:
    12.687
    Ort:
    wo die Wirren irren ...
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    lieber kartharsix

    die sätze könnten auch von mir sein. ich fühle das synchron mit dir.
    nur habe ich nicht getrunken, sondern gekifft...anders hätte ich es auch nicht wirklich ausgehalten.

    ich habe castanedas 10 bücher zweimal gelesen.
    und bin in der psychatrie gelandet.
    angefangen hat es aber schon vor 20 jahren mit dem buch zanoni....
    wie oft habe ich mich schon selbst angezweifelt warum ich ausgerechnet diesen weg eingeschlagen habe.....
    don juan hat gesagt, wer einmal auf den weg des zauberers gelandet ist, kommt nie mehr zurück.....selbst nach dem tod nicht.

    der weg mit herz ist auch der einzige den ich gehen möchte, alles andere hätte für mich keinen wert. auch wenn ich keine ahnung habe wohin mich das
    führt...mein glauben ist das einzige was mir wirklich noch geblieben ist....inzwischen empfinde ich mein leben als passion...die gelebt werden will....auch wenn mir keiner folgt....

    oder wie xavier naidoo in einem lied singt.......
    " vielleicht bist du ja ein guter mensch...eine gute frau ...ein guter mann
    und auf dieser welt so unerwünscht...wie man unerwünscht sein kann...."

    ich wünsche uns ....wir sind frei...wir können fliegen....wenn die düsteren gedanken sich verzogen haben....lass die anderen doch lachen, was solln
    sie auch machen...wir sind ritter mit rosaroten visir......:liebe1:
    alice
     

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