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#1
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Der unsichtbare Feind
Ihr Lieben,
einige von Euch wissen ja schon, das ich vor etwas mehr als 2 Jahren mein einziges Kind durch Suizid gehen lassen musste. Bevor er ging, kämpfte er jahrelang gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Seitdem bekomme ich viele Zeichen von ihm, über die ich in einem anderen Thread schreibe. Sie helfen mir dabei, das Leben ohne mein Kind zu bewältigen. Während der Jahre seiner Krankheit gab mir mein Sohn viele Einblicke in seine Seele. Und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Es war ihm wichtig, das ich ihn mit seinen Gefühlen und Symptomen verstehen bzw. einordnen konnte. Sofern man als Nichtbetroffener bei dieser Erkrankung überhaupt von verstehen reden kann. Ich bin kein Psychologe und habe auch keinerlei medizinischen Kenntnisse. Doch ich habe Seite an Seite mit meinem Sohn gegen diese Krankheit gekämpft. Und in dieser Zeit habe ich viele Eindrücke gewonnen und zahlreiche, oft sehr schmerzliche, Erfahrungen gemacht. Von diesen Erfahrungen möchte ich hier (evtl. in etwas unregelmäßigen Abständen) erzählen. Denn es ist ein schweres und komplexes Thema. Und für mich mit vielen schmerzhaften und traurigen Erinnerungen verbunden. Von diesem Weg zu erzählen bedeutet für mich auch ein Eintauchen in diese Erinnerungen. Und meine Kraft dafür ist immer noch begrenzt. Doch mein Sohn wurde aufgrund seiner Diagnose und ihren Folgen immer wieder verletzt, gedemütigt und ausgegrenzt. Und er hat sich dieser Erkrankung dennoch mit ganz viel Mut gestellt und ihr sehr lange Zeit die Stirn geboten. Er kämpfte für mehr Menschlichkeit und Akzeptanz im Umgang mit psychisch kranken Menschen. Sein Wunsch war es Türen zu öffnen. LG Krimhild
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"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."
(Isaac Newton) |
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#2
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AW: Der unsichtbare Feind
Als mein Sohn vor 12 Jahren die (zunächst ungesicherte) Diagnose Borderline bekam, war er gerade knapp 18 Jahre alt. Die Krankheit war zu diesem Zeitpunkt zwar schon länger bekannt, jedoch steckten die Forschung und demzufolge auch die Behandlungsmöglichkeiten noch in den Kinderschuhen. An den Tag erinnere ich mich noch, als sei es gestern gewesen. Schon eine ganze Zeit fühlte sich mein Sohn in seiner Haut nicht mehr so richtig wohl. Er war Gefühlen ausgesetzt, die er nicht einordnen konnte und die ihm Angst machten.
Ohne es zu wollen verletzte er Menschen verbal. Er reagierte plötzlich ohne erkennbaren Grund aggressiv. Es tat ihm entsetzlich leid, da er solche Reaktionen bis dahin nicht an sich kannte. Aber er sah auch keine Möglichkeit es abzustellen. Auf der anderen Seite wurde er hochsensibel, beinahe empfindlich und er zog sich mehr und mehr in sich selbst zurück. Seine Welt war unberechenbar geworden. Alles in ihm schien außer Kontrolle geraten zu sein. Nichts war mehr sicher und vertraut. Nichts hatte mehr Bestand, sondern alles konnte jederzeit auf den Kopf gestellt werden. In der einen Sekunde war etwas gut und im nächsten Moment war es bitterböse. In einem Moment war er noch völlig ruhig und entspannt. Im nächsten regte er sich über eine Kleinigkeit auf. Und das auf eine so unangemessene Weise, die einem die Sprache verschlug. Die Diagnose machte meinem Sohn erst einmal Hoffnung. Endlich hatte das Kind einen Namen. Wir wussten damals praktisch nichts über diese Krankheit. OK - ich wusste es ist eine psychische Krankheit und die Betroffenen verletzen (ritzen) sich selbst. Aber das war es auch schon! Allein das Wort Borderline hörte sich für mich schon bedrohlich an. Aber ich wollte mir meine Angst nicht anmerken lassen. Denn es ging hier um mein einziges Kind, um den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und wir dachten das mit der Diagnose auch Medikamente und Therapien kommen würden. Wir hatten beide keine Ahnung wie dramatisch diese Krankheit unser Leben verändern und beeinflussen würde. Direkt nach der Diagnose begann die Ausgrenzung. Urplötzlich war er nicht mehr der gute Freund, auf den man sich immer verlassen konnte. Er war nicht mehr der freundliche junge Mann der immer höflich und hilfsbereit war. Und er war auch nicht mehr der gut aussehende Typ in den sich die Mädchen gleich reihenweise verliebten. Natürlich war er das alles immer noch - aber für die Menschen um ihn herum wurde er innerhalb weniger Wochen zu einem merkwürdigen Typen mit einem großen Schild um den Hals auf dem die Worte standen: Psychisch krank! LG Krimhild
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"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."
(Isaac Newton) |
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#3
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AW: Der unsichtbare Feind
Liebe Krimhild,
ich habe auch einen "besonderen" Sohn und kann erahnen wie es für Dich ist und war. Wie wäre es, wenn Du Eure Geschichte als Buch verfasst und somit andere Menschne, die eine ähnliche Situation durchleben oder lebten, eine Hilfe bist. Viele Menschen können sich solch einer Situation nicht stellen und verzweifeln. Ihnen eine andere Sicht der Dinge und einen Weg mit dem umzugehen zu zeigen, würde ich als eine Bereicherung sehen. Ich fühle mit Dir ![]() enna |
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#4
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
Liebe enna, vielen Dank für Deine lieben Worte. Es ist wirklich so, das viele an einer solchen Situation verzweifeln. Es ist ein harter Weg und er führt einen immer wieder an seine Grenzen und darüber hinaus. Dies hier ist mein erster Versuch, die Jahre mit meinem Sohn in Worte zu fassen. Ein Buch würde ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht zutrauen. Vielleicht irgendwann... In Gedanken an Dich und Deinen Sohn, Krimhild
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"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."
(Isaac Newton) |
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#5
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AW: Der unsichtbare Feind
Liebe Krimhild ,
ich würde sehr gerne mehr von dir über dieses wichtige Thema hören . Ich wurde selber vor vielen Jahren als Borderlinerin diagnostiziert ,aber es ist ja nicht die Diagnose ,die das Leben so kompliziert macht ,da man diese ja theoretisch geheimhalten könnte . Auch mein Leben wurde von einem Tag auf den anderen zur Hölle und ich verstehe bis heute nicht ,wieso ich überhaupt überlebt habe und ob das Leben mit diesen ständigen Qualen überhaupt überlebenswert ist . Doch ist es so ,dass sich die Krankheit mit zunehmendem Alter oft sehr stark abmildert ,es gibt also durchaus Hoffnung ,falls die richtige Art von Hilfe vorhanden ist . Warme Grüsse |
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#6
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
Liebe Delphine, es tut mir leid, das auch Du durch diese Krankheit beeinträchtigt bist. Ein Leben damit bedeutet wirklich tägliche Qualen. Ich freue mich aber gerade ganz doll, das es Dich gibt und wir jetzt hier schreiben können. Mein Sohn ging von Anfang an ungewöhnlich offen mit der Diagnose um. Er hat, glaube ich, nie darüber nachgedacht sie zu verheimlichen. Eine Entscheidung, mit der er sich seinen Weg nicht leichter gemacht hat. Es stimmt das die Krankheit sich oftmals mit zunehmendem Alter abmildert. Das 27. Lebensjahr scheint eine "magische" Grenze zu sein. Bei Betroffenen, die diese Grenze überschreiten, reduziert sich offenbar die Suizidrate deutlich. Und ich habe die Erfahrung gemacht, das neben der medizinischen/psychologischen Behandlung auch das Umfeld eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Viele Erkenntnisse von heute gab es damals noch nicht. Wir mussten mit dem zurecht kommen, was wir hatten und was mein Sohn annehmen konnte. Leider bin ich kein Psychologe und kann auch nicht mit medizinischem Fachwissen aufwarten. Ich bin nur eine Mutter, die ihr Kind auf seinem Weg begleitet hat. Eine liebe Umarmung für Dich, Krimhild
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"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."
(Isaac Newton) |
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#7
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AW: Der unsichtbare Feind
(Fortsetzung)
Von einem Moment zum anderen wurde mein Sohn zum Außenseiter. Gestern noch beliebt und umschwärmt. Doch plötzlich war er außen vor, nicht mehr "passend" für die Welt. Er wurde zu einem Menschen, den man misstrauisch beäugte und zu dem man wohl besser Abstand hielt. Es war für mich erschreckend zu sehen, wie schnell sich die Meinung der Menschen veränderte. In einer Zeit in der er so dringend Zuspruch und Unterstützung benötigte, stand er plötzlich vor einer Wand der Ablehnung. Und dann gab es noch die Neugierigen! Die Sensationsgeier! Sie kamen und sagten ihm tolle Sachen. Lass den Kopf nicht hängen, es wird alles wieder. Wir sind doch Freunde und daran wird sich nichts ändern. Anschließend zogen sie los und dichteten immer mehr unsinnige und absurde Dinge dazu. Froh etwas aufregendes erzählen zu können. Aber weil er es nicht anders kannte und nicht besser wusste, glaubte mein Sohn erst einmal das was sie ihm sagten. Er vertraute ihnen. Schließlich waren es doch seine Freunde – Menschen, die er seit vielen Jahren kannte. Der Tag als wir die Diagnose bekamen, an dem Tag als wir glaubten jetzt geht es endlich bergauf - an diesem Tag begann in Wahrheit ein Kampf um Toleranz und Menschlichkeit. Dieses eine Wort Borderline änderte schlagartig alles. Ein einziges Wort ist in der Lage den Umgang mit einem Menschen völlig zu verändern. LG Krimhild
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"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."
(Isaac Newton) Geändert von Krimhild (13.05.2012 um 19:44 Uhr) |
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#8
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
ich habs für mich so gelöst dass ich mich mit dem alleinsein angefreundet hab und mittlerweile es auch für die beste lösung halte - um weiter unter den leben zu bleiben meiner ansicht nach ist das ein massiver punkt wo es menschen mit einer psych. diagnose - die unter umständen von aussen betrachtet ein ganz normales leben führen könnten - verhindert wird das sie dass auch tun würden - anstatt sie integrieren und ihnen aufgaben, verantwortung, erfolgserlebnisse usw. zu geben(was einen genesungsprozess auch sehr dienlich sein kann) nimmt man sie ihnen und grenzt sie aus (was sie dann erst recht kränkt) viele betroffen können mit der zeit mit solchen störungen (ist ja keine krankheit die durch widerholte diagnostische verfahren hunterprozentig bewiesen werden kann wie mit einem röntgenbild) allein womöglich sehr gut umgehen - man lernt auch eben selbst wie man ist und entwickelt strategien um mit sich selbst klar zu kommen ... doch die ausgrenzung is dann die megakeule obendrauf obwohl sich selbst unser eu-diktat darüber gedanken mach findet ausgrenzung auch auf behördlichen wegen statt darum fühl sich die gesellschaft welche die diskriminierungs ausübt auch gerechtfertigt doch persönlich für mich hab ich aufgegeben den rassistischen leuten die ja im grunde braune ideologien praktizieren wenn sie jemanden aufgrund von diagnosen ausgrenzen und nicht auf tatsächliche erlebte sachverhalte beziehen irgendwas erklären zu wollen - dreh mich lieber um und bin allein eigentlich erwarte ich gar nicht mehr wirklich im realen leben freunde zu haben oder zu finden irgendwie für mich verständlich dass er den freitod gewählt hat man muss schon stark sein um zu ertragen dass man nicht willkommen ist leute vor einem angst haben, einem vertreiben oder sonst wie bearbeiten usw. man fühlt sich wie ein gesellschaftliches ausschussprodukt das so behandelt wird dass es freiwillig auf den müll wandert bzw. suizid begeht ... viele menschen die einem diskriminieren raten es einem sogar damit sie einem los sind - wünschen einem auch den tod und lauter so sachen so bekommt man zu der urprungsdiagnose dann noch die diagnose sozialphobie weil die gesellschaft nicht an heilung/besserung interessiert ist sondenr alles nur noch dramatischer, schwieriger und schwerer macht das leute auch dazudichten kenn ich auch nur zu gut dass machen sie meiner ansicht nach um ihr glaubensbild von psychischkranken/gestörten aufrecht zu erhalten wobei ich grundsätzlich er auffassung bin dass bei psychischen störungen beinahe immer das umfeld eine maßgebende rolle dabei spielt doch wenn es raus nimmt das umfeld abstand anstatt sich der tatsache zu stellen das die vorherrschende soziale struktur der menschen erkrankt ist und erste opfer fordert (psychisch kranke quasi als indikator) grüße liebe daway (psychisch diagnostizierter depri) Geändert von daway (14.05.2012 um 03:46 Uhr) |
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#9
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AW: Der unsichtbare Feind
Menschen, die kranke Menschen diskriminieren, haben selbst große seelische Probleme, die sie leibhaftig im Kranken zu sehen glauben und davor flüchten.
Latente Ängste machen sich im Diskriminierenden bemerkbar. Im Grunde flüchten sie nicht vor dem Kranken, sondern vor ihren eigenen Ängsten. Das ist der einzige Grund, warum kranke Menschen diskriminiert werden. Die Diskriminierung an sich ist ebenfalls ein Krankheitssymptom. LG Justi Geändert von JustInForAll (14.05.2012 um 03:52 Uhr) |
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#10
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
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niemand ist erleuchtet |
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#11
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AW: Der unsichtbare Feind
Es ist so einfach ,immer zuerst nur das kranke ,negative in einem Menschen zu sehen .
Wir vergessen dabei oft ,dass es um reale Menschen mit Herz und Seele ,mit einer Lebensgeschichte ,einem unverwechselbaren Charakter und besonderen Talenten geht . Viele Menschen ,die seelische Probleme haben sind intelligent ,kreativ ,moralisch ,warmherzig usw. Dann ist man ja auch nicht die ganze Zeit in diesen schwierigen Phasen . In den guten Phasen kann man vollkommen über sich hinaus wachsen ,der beste Freund der Welt sein . Es ist ja keine Schuldfrage krank zu werden ,und man muss sich auch nicht einfach nur zusammenreissen ,um wieder gesund zu werden . Man muss hart an sich arbeiten ,doch das sollte eigentlich jeder . Das beste geben ,was man zu geben hat und dafür auch Anerkennung bekommen . Jeder Mensch hat eine besondere Lebensaufgabe zu erfüllen . Für manche Menschen bedeutet das im Licht der Öffentlichkeit eine grosse Aufgabe zu erfüllen ,für andere Menschen ist es eher eine innere Aufgabe und die Bedeutung ,die er nur für wenige Menschen hat . Und doch sind alle Menschen gleichwertig . Menschen mit Krankheiten müssen lernen ,sich so zu akzeptieren wie sie sind und auch öffentlich für sich einzustehen . Schwierig machbar - ich weiss ,denn wo nimmt ein fragiler Mensch die Kraft dazu her ? Ermutigende Grüsse |
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#12
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
Lieber daway, vielen Dank für Deinen Beitrag. Dem kann ich nur zustimmen. Es ist wirklich unglaublich, beinahe faszinierend, wie schnell die Menschen "umschalten" können. Das, was einen noch kurz vorher mit diesem Menschen verbunden hat, scheint bedeutungslos zu werden. Beinahe ausgelöscht, so als hätte es den "Menschen davor" nicht gegeben. Ich bin auch der Meinung, das die Diskriminierung eine ungehauer bedeutende Rolle spielt. Die beste Behandlung und der qualifizierteste Psychologe können nichts, oder nur wenig, ausrichten, wenn der Betroffene gemieden wird, als hätte er die Pest. Man benötigt wirklich ein großes Maß an Selbstbewusstsein und innerer Stärke um sich dauerhaft gegen diese Ausgrenzung zu stemmen. Die Diagnose kommt aber leider oft zu einem Zeitpunkt, an dem ein Mensch gerade erst dabei ist, diese Stärke zu entwickeln. Mein Sohn ging seinen Weg mit ganz viel Stolz. Doch nach einem fast 10-järigen Kampf, war seine Kraft aufgebraucht. Und die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden wurde übermächtig. Ich muss mir im Vergleich zu anderen Suizid-Hinterbliebenen die Frage nach dem großen WARUM nicht stellen. Die Gründe für seine Entscheidung waren/sind mir seit langem bekannt. Vielen Dank für den Link. Das trifft genau das Thema, um das es mir geht. Und obwohl dieses Thema ja nun wirklich nicht neu ist, scheint die Umsetzung beinahe unmöglich. Liebe Grüße, Krimhild Zitat:
Danke, genauso ist es. Diejenigen, die diskriminieren würden es nur nie zugeben. Sie suchen unermüdlich nach "glaubhaften" Erklärungen für ihr Handeln. Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, könnte man fast darüber schmunzeln wie sehr sie sich dabei winden. LG Krimhild
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#13
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AW: Der unsichtbare Feind
Zitat:
Liebe Delphine, Du beschreibst es wirklich sehr treffend. Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben oft unglaubliche Talente. Doch diese Menschen werden nicht selten nur noch auf ihre Erkrankung reduziert. Alles was sie sonst noch ausmacht, wird übergangen und geflissentlich übersehen. Mein Sohn hasste dieses "Schubladendenken". Doch ganz egal was er auch tat, er lief vor diese Wand. Kaum hatte er eine Tür geöffnet, wurde ihm an anderer Stelle eine Tür vor der Nase zugeschlagen. Ein kräftezehrender Kampf gegen Windmühlen. Ganz liebe Grüße, Krimhild
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#14
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AW: Der unsichtbare Feind
(Fortsetzung)
Am Anfang dachten wir beide noch das es nur um Angst und Unsicherheit ging. Das die Menschen einfach nur Zeit brauchten, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Doch ganz langsam gesellte sich bei meinem Sohn zu der Hoffnung auch die Angst. Er begann zu begreifen, das diese Diagnose sein ganzes Leben verändern würde. Und das es nie mehr so sein würde wie vorher. Das was da mit ihm und in ihm passierte, verstand er ja selbst nicht. Einfache Alltagssituationen waren ihm plötzlich unheimlich. Auf der anderen Seite war er feinfühliger als jemals zuvor. Die Sicherheit seines bisherigen Lebens, die Unbeschwertheit und auch seine Pläne für die Zukunft lösten sich in Luft auf. Bislang vertraute Dinge fühlten sich plötzlich fremdartig an. Freunde waren keine Freunde mehr und aus Zuneigung wurde Misstrauen. Ehrlichkeit und Vertrauen hörten beinahe völlig auf zu existieren. Die Liebe die er in sich trug, fand kein Ziel mehr. Und alles was ihn bis dahin als Person ausmachte, wurde zu einem undurchdringlichen Nebel. In dieser Zeit starb er einen von vielen Toden. LG Krimhild
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#15
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AW: Der unsichtbare Feind
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein. Voll Freunden war mir die Welt, Als noch mein Leben licht war; Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar. Wahrlich, keiner ist weise, Der nicht das Dunkel kennt, Das unentrinnbar und leise Von allen ihn trennt. Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, Jeder ist allein. H.Hesse |
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