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  #16  
Alt 16.05.2012, 20:13
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AW: Der unsichtbare Feind

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Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

H.Hesse

Lieber reinsch,

wirklich ein sehr schönes Gedicht.
Vielen Dank, das Du es hier mit uns teilst.

LG Krimhild
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  #17  
Alt 16.05.2012, 20:25
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AW: Der unsichtbare Feind

(Fortsetzung)

Ein kleiner Lichtblick in dieser Zeit war eine Therapie. Doch es war auch der Eintritt in eine für ihn völlig unbekannte Welt. Nie werde ich den Tag vergessen, als ich meinen Sohn damals auf diese Station brachte. Außer einer kleinen Sache als Baby war er nie zuvor im Krankenhaus gewesen. Wir gingen durch die große Glastür und sahen die sterilen Flure und Türen. Alles wirkte kalt und nüchtern. Ich hörte mein Herz schlagen, laut und schnell. Am liebsten hätte ich meinen Sohn an die Hand genommen und wäre so schnell es geht wieder gegangen. Doch gab es eine Alternative? Und wie konnte diese aussehen? Urplötzlich bekam ich Magenschmerzen und mir wurde übel. Da ich aufgrund einer Angststörung selber schon eine Zeitlang auf einer solchen Station war, wusste ich ungefähr, wie es dort abläuft. Doch dieses Wissen half mir in diesem Moment nichts. Und während wir von den anderen Patienten neugierig beobachtet wurden, schien mein Sohn neben mir immer kleiner zu werden.

Wir wurden von einem Arzt begrüßt und in ein Büro geführt. Mein Sohn musste unzählige Fragen beantworten. Doch der Arzt war sehr freundlich und er versuchte ihm ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Ich verstand nicht viel von dem, was er uns erklärte. Doch waren wir hier wirklich „richtig“? War dies ein Ort, an dem meinem Kind geholfen werden konnte? Bekam er hier die Hilfe, die er so dringend brauchte?

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren zunächst einmal alle Fragen beantwortet. Nun sollte er noch medizinisch untersucht und ihm ein Zimmer zugewiesen werden. Das war der Moment, wo ich mich von ihm verabschieden musste. Ich musste ihn hier zurücklassen und ich hatte das schreckliche Gefühl in im Stich zu lassen. In quasi diesen fremden Menschen auszuliefern. Und ich schwor ihm und mir: Egal wie lang oder wie schwer sein Weg sein würde, und ganz egal wo er auch hinführte – ich würde mein Kind auf diesem Weg begleiten!

Obwohl er nach außen den Eindruck von Stärke und Coolness vermitteln wollte, sagten seine Augen etwas ganz anderes. Es tat unglaublich weh ihn so zu sehen. Für mich war er in diesem Moment mein kleines hilfloses Kind. Er sah so zerbrechlich aus. Sein Körper bebte innerlich und seine Augen riefen lautlos nur ein einziges Wort: HILFE! Sein Blick als ich gehen musste, hat sich ganz tief in mein Herz gebrannt. Dieser Blick sagte mir: Bitte lass mich nicht allein, verlasse du mich nicht auch noch! Wir umarmten uns und er hielt mich so fest, als wollte er mich nie mehr loslassen. Bevor er sich umdrehte um der Schwester zu folgen, nahm er noch einmal meine Hände und hielt sie ganz fest. Und wieder sah er mich an. Das war der Moment, als ich zum ersten Mal die ungeweinten Tränen und die unglaubliche Traurigkeit in seinen Augen sah. Sie sollten ihn nie mehr verlassen.

An die Rückfahrt erinnere ich mich nur dunkel und zum Glück musste ich nicht selber fahren. Als im Rückspiegel das Klinikgebäude ganz langsam verschwand, hatte ich das Gefühl als hätte ich meinen Sohn im Gefängnis abgeliefert. Ich musste dem Impuls widerstehen, aus dem fahrenden Wagen zu springen und ihn dort wieder rauszuholen. Was war schief gelaufen? Warum befand sich mein Kind in dieser Klinik anstatt sich über seinen bösen Chef zu ärgern oder Party mit seinen Freunden zu machen? Ich war doch seine Mama, ich hätte doch auf ihn aufpassen müssen. Innerlich brach ich völlig zusammen. Und für einen Moment war ich sogar ein wenig erleichtert. Jetzt konnte ich vielleicht ein wenig durchatmen denn ich half meinem Kind nicht, wenn ich jetzt den Kopf verlor. Doch das war leichter gesagt als getan...

Erst einige Zeit später erkannte ich, das der Gedanke mir dem Gefängnis gar nicht so abwegig war. Er war tatsächlich im Gefängnis! In seinem ganz persönlichen Gefängnis, seinen Ängsten ausgeliefert und umringt von Dämonen.

LG Krimhild
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  #18  
Alt 18.05.2012, 19:15
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AW: Der unsichtbare Feind

(Fortsetzung)


Nach außen trug mein Sohn die Situation mit Fassung. Innen sah es ganz anders aus. Innen kämpfte er gegen unzählige Gegner. Borderline = Grenzgänger – ein Wort wie ein Donnerschlag. Viele Theorien, noch mehr Vermutungen und so schwer zu verstehen. Es ist ein sehr schweres und umfassendes Thema. Und damals vor 12 Jahren, als die Krankheit bei meinem Sohn ausbrach, gab es kaum gesicherte Erkenntnisse. Die Persönlichkeit eines Menschen entwickelt sich durch genetische Faktoren und durch Erfahrungen, die wir machen. Zudem ist es wohl wichtig, wie die gemachten Erfahrungen verarbeitet werden. Die Persönlichkeit entsteht also aus einem Zusammenspiel von Erfahrungen, der Veranlagung und der psychischen Verarbeitung des Erfahrenen.

Und wenn es ungünstig verläuft, kann sich die Borderline-Störung entwickeln. In diesem Fall leidet der Betroffene dann an/unter sich selbst und eben auch an/unter seiner Umwelt. Zudem gibt es unterschiedlich starke Ausprägungen der Krankheit. Und bis heute ist nicht zu 100% geklärt, was genau nun die Ursachen sind und welche Erfahren und ihre Verarbeitung tatsächlich zu der Krankheit führen. Es gibt sie wohl nicht, diese eindeutigen und typischen Symptome, die Borderline auslösen. Jeder verarbeitet ja seine Erfahrungen und seine Lebensgeschichte ganz unterschiedlich. Doch das wussten wir damals alles nicht. Und es spielt hier auch keine Rolle. Denn hier möchte ich davon erzählen, wie mein Sohn mit seiner Erkrankung umging und wie er seinen Weg ging.

Als ich ihn in die Klinik brachte dachten wir: Jetzt wird er behandelt und alles wird wieder gut. Wir hatten nicht die geringste Ahnung was auf uns zukommen würde. Während mein Sohn versuchte sich auf der Station zurechtzufinden, las ich alle Bücher die ich zu diesem Thema auftreiben konnte. Ich verschlang sie regelrecht. Doch statt der Aufklärung die ich mich wünschte, verwirrte es mich nur immer mehr. Das was ich las, machte mir Angst. Es war als würde sich vor meinen Augen die Hölle öffnen. Da standen Dinge wie Psychosen, allerschwerste Ängste, Realitätsverschiebung u.s.w. - Heilung in vielen Fällen ausgeschlossen und eine unglaublich hohe Suizidrate. Ich verstand kaum etwas von dem vielen "Fachchinesisch". Und ich spürte das ich mir selbst keinen Gefallen damit tat in Windeseile diese vielen Bücher zu lesen. Meine Verzweiflung wurde immer größer und meine Angst wuchs ins Unermessliche.

Auf der einen Seite stand für mich fest, das ich ALLES tun würde um meinem Kind zu helfen. Alles, was nur irgendwie in meiner Macht lag. Auf der anderen Seite gab es ganz tief in mir eine Ahnung, das ich ihn an diese grausame Krankheit verlieren könnte. Doch das musste ich wegschieben, so weit weg wie irgend möglich. Denn zu dem Zeitpunkt war ich seine einzige Vertraute, der einzige Mensch auf den er sich verlassen konnte. Und jetzt ging es einzig darum, ihm Kraft zu geben und ihm Mut zu machen. Ihm zu zeigen das ganz egal, was immer auch passiert: Ich bin an Deiner Seite.

Für mich begann ein jahrelanger Drahtseilakt. In mir die Todesangst um mein Kind, Hilflosigkeit und ein unglaubliches Gefühlschaos. Nach außen wollte ich auf keinen Fall Schwäche zeigen. Natürlich war das zum scheitern verurteilt. Andere Menschen nahmen mir das ab, aber mein Sohn wusste genau was ich fühlte und was in mir vorging. Ihm konnte ich nichts vormachen denn er konnte direkt in meine Seele sehen.

… und dann sah ich zum ersten Mal die äußerlich sichtbaren Zeichen! Seine mit Wunden übersäten Arme! Was ich in dem Moment fühlte, kann ich unmöglich beschreiben. Ich wusste ja, das mein Sohn diese Diagnose hatte. Und es verfolgte mich in dieser Zeit Tag und Nacht. Doch zu sehen das mein Kind sich selbst verletzte, war kaum noch zu ertragen. Sein schöner Körper, und nun... Inzwischen wusste ich ja, das viele Betroffene sich selbst verletzen (ritzen). Doch es zu sehen, war etwas ganz anderes. Jeder einzelne Schnitt war auch ein Schnitt in mein Herz. An diesen Anblick habe ich mich nie gewöhnt.

So hilflos wie in diesem Moment, habe ich mich selten in meinem Leben gefühlt. Ich wusste ja nicht, das es erst der Anfang eines langen Martyriums war.

LG Krimhild
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  #19  
Alt 20.05.2012, 10:36
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AW: Der unsichtbare Feind

Ich denke, dass ihr auch nachsichtig sein müsst, mit euren Mitmenschen, denn sie wissen nicht wie sie sich verhalten sollen. Mach nicht den gleichen Fehler und akzeptiert die Unwissenheit. Sie verstehen das alles nicht, können nicht helfen und sind selbst hilflos überfordert mit der Situation. Nehmt es so hin wie es ist und beginnt neu zu leben. Es nützt kein Hass kein Festhalten. Das was war ist vergangen und Menschen kann man nur helfen, wenn sie sich helfen lassen durch Medikamente oder Psychotehrapie. Theoretisch ganz einfach, "den richtigen Schalter im Gehirn umlegen". Aber es ist eine Menge Arbeit dahinter.
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  #20  
Alt 20.05.2012, 13:39
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
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Ich denke, dass ihr auch nachsichtig sein müsst, mit euren Mitmenschen, denn sie wissen nicht wie sie sich verhalten sollen. Mach nicht den gleichen Fehler und akzeptiert die Unwissenheit. Sie verstehen das alles nicht, können nicht helfen und sind selbst hilflos überfordert mit der Situation. Nehmt es so hin wie es ist und beginnt neu zu leben. Es nützt kein Hass kein Festhalten. Das was war ist vergangen und Menschen kann man nur helfen, wenn sie sich helfen lassen durch Medikamente oder Psychotehrapie. Theoretisch ganz einfach, "den richtigen Schalter im Gehirn umlegen". Aber es ist eine Menge Arbeit dahinter.

Lieber Mario,

vielen Dank für Deine Antwort. Wenn es hier danach aussieht, als möchte ich hier Menschen verurteilen oder anklagen, tut es mir leid. Denn das liegt mir wirklich fern. Und um Hass geht es hier ganz sicher nicht, dieses Gefühl ist mir persönlich fremd. Ich sehe es wie Du, Ausgrenzung geschieht (zumeist) aus Unwissenheit. Und natürlich sind auch viele Menschen ganz einfach überfordert und hilflos mit der Situation. Doch es gibt leider auch andere Gründe einen Menschen auszugrenzen und zu verurteilen.

Mein Sohn kann nicht damit beginnen neu zu leben, denn er hat den Weg in die Ewigkeit gewählt. Er hat Hilfe angenommen und Therapien gemacht, doch nach fast 10 Jahren Kampf hatte er keine Kraft mehr und er beschloss in die andere Welt zu gehen. Ich habe hier begonnen von seinem Weg zu erzählen, weil es auch mir dabei hilft den Verlust zu verarbeiten.

Liebe Grüße, Krimhild
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  #21  
Alt 21.05.2012, 17:27
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AW: Der unsichtbare Feind

Liebe Krimhild,

es gibt eine Zeit der Trauer. Aber du hast ein Leben und das kann nicht das ganze Leben mit Trauer belegt sein. Irgendwann musst du mal zu einem Abschluss kommen. Er hatte Leid und jetzt ist er vom Leid befreit. Wenn du ihn wirklich lieb hast, solltest du nicht glücklich sein, dass sein Leid vorüber ist? Was war ist vergangen. Es gibt für dich nichts mehr zu tun in der Vergangenheit. Du lebst hier und jetzt. Es gibt kein zurück mehr. Wie traurig auch die Vergangenheit war, schließe ab, lasse ihn los und akzeptiere es, dass dein Sohn kein Leid mehr hat und siehe vorwärts. Du leidest mehr als er, das wollte er sicher nicht. Heute machst du deine Zukunft.

Lg Mario
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  #22  
Alt 22.05.2012, 06:55
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
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Lieber Mario,

vielen Dank für Deine Antwort. Wenn es hier danach aussieht, als möchte ich hier Menschen verurteilen oder anklagen, tut es mir leid. Denn das liegt mir wirklich fern. Und um Hass geht es hier ganz sicher nicht, dieses Gefühl ist mir persönlich fremd. Ich sehe es wie Du, Ausgrenzung geschieht (zumeist) aus Unwissenheit. Und natürlich sind auch viele Menschen ganz einfach überfordert und hilflos mit der Situation. Doch es gibt leider auch andere Gründe einen Menschen auszugrenzen und zu verurteilen.

Mein Sohn kann nicht damit beginnen neu zu leben, denn er hat den Weg in die Ewigkeit gewählt. Er hat Hilfe angenommen und Therapien gemacht, doch nach fast 10 Jahren Kampf hatte er keine Kraft mehr und er beschloss in die andere Welt zu gehen. Ich habe hier begonnen von seinem Weg zu erzählen, weil es auch mir dabei hilft den Verlust zu verarbeiten.

Liebe Grüße, Krimhild
Liebe Krimhild,

du bist eine sehr tapfere Frau,die mal alles über diese Krankheit
schreibt,über die nur hintenrum gesprochen wird.
Wie kann eine Mutter,ihr Kind vergessen?Wohl niemals.

Für Aufklärung,was wirklich geschah in den 10Jahren,bilden andere
Selbsthilfegruppen und du teilst es eben hier mit uns,ist es dein
Wunsch,vielen Dank dafür

von Herzen alles Liebe dir
madma
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  #23  
Alt 22.05.2012, 07:56
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althea althea ist offline
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AW: Der unsichtbare Feind

Manchmal verstehen wir nicht,
manchmal können wir nicht verstehen.
Es bleibt immer die Liebe.
Die Liebe im Herzen und die Liebe in der Seele.
Nichts war umsonst,
auch wenn es so scheint.

Liebe Krimhild,
du kannst jetzt anderen Eltern helfen, die auch einen schweren Weg zu gehen haben, die Vieles nicht verstehen und verzweifeln.
Du kannst auch Jugendlichen helfen, denn die Liebe zu deinem Sohn spricht aus jeder Zeile, die du schreibst. Du weisst, wovon du schreibst. Du kennst den Schmerz, den Abschied und die Trauer. Du weisst, wie die Hoffnung dich erleuchtet hat, um dann doch der Trauer weichen zu müssen.
Du bist eine starke Frau. Respekt.
Althea
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  #24  
Alt 22.05.2012, 11:01
HaraldB HaraldB ist offline
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
Zitat von madma Beitrag anzeigen
Liebe Krimhild,
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madma
Ich habe mehrere Kunden ;Bekannte wo sich ähnliches zugetragen hat wie bei Dir.Ist leider das "Schlimmste wenn Eltern ihren Kindern nachschauen müssen .Problem bleibt aber das auch mit der Allerbesten Hilfe kein Durchdringen erfolgen kann wenn die betreffende Person seinen Letzten Ausweg spontan so als Abgang geplant hat.........;ein Sohn einer Bekannten hat sich während er mit seiner Schwester telefoniert hat vor den Einfahrenden Zug geschmissen und die Schwester hat am tel mitgehört, eine Kundin besucht ihren Mann im Spital teilt ihm vor Freude mit das er morgen entlassen wird und verlässt dann kurz das Zimmer; als sie zurück ins Zimmer kommt ist das Fenster geöffnet......,ein junger Mann kommt mit der Situation nicht klar das sich die Eltern scheiden lassen wollen, er geht in der Mittagspause aufs Dach seines Arbeitgebers .....,eine Freundin von mir war damals 21,frisch verheiratet,glücklich dachten wir ......sie telefoniert mit ihrer Mutter,machen sich am tel noch schnell aus wo sie einander treffen....danach steigt sie auf nen Sessel und erhängt sich!!!!!!klar wolten sie nie die Hinterbleibenen dadurch verletzen ,Existenzen ,Leben vernichten .......getan habens sie es aber vor lauter Angst vorm Leben (fehlenden Inneren Ressourcen und Egoismus) trotzdem.Keiner hat sich gefragt was geschieht wenn ich...,wie fühlen sich meine Eltern...was löse ich damit aus?Sie waren Selbst verantwortlich für ihre Entscheidungen!!!!!!und keine Sekunde haben sie an die anderen,Freunde,Eltern,Familie gedacht.......weil wenn wärs nicht geschehen.Mit diversen Techniken unter Hypnose/Geistheilung habe ich na klar an mir herumprobiert.....meine Frau hat uns eine Bibliothek angelegt mit dem Thema Mensch,Gesundheit,Psyche.Durchs lesen kamen wir zu dem Schluss der auch von Psychoärzten teilweise bestätigt wurde das "wir an/vor allem die Schuld tragen müssten " weil wir es waren die das an unseren Kind/ern verbrochen haben !! Wir wollten das für uns aber nicht so stehen lassen " das nur wir die Übeltäter sind , und uns gefälligst dafür schlecht zu fühlen haben !.......und so haben wir einige Seminare/Vorlesungen besucht,Prüfungen,Diplome gesammelt und sehn das heute als was es ist: in guten Glauben mit Bestem Wissen und Gewissen teilweise falsch gehandelt zu haben.Obwohl wir versucht haben mit Neu erlerntem Schadensbegenzung zu betreiben ,Fehlerquellen an zb unserer Tochter zu beheben,ihr gezeigt haben wie spielerisch leicht vieles an der eigenen Psyche abzuändern ist ,Ängste,Fobien,Anhaftungen,Wutausbrüche etc kontrollieren zu lernen.....Psychenbalsam aufzutragen ist,sich gute Gefühle herraufzurufen sind,Anker setzen lernen ,ein Schutzpanzer nur in Bestimmten Situationen notwendig ist ...sein gegenüber einschätzen zu lernen.....über Alles reden kann,ihr die Zeit gewidmet wird und aufmerksam zugehört wird.....etc.....sie hätte sehr viele Möglichkeiten ........um....... aber sie macht nichts daraus;es hat für sie einfach noch nicht die Wertigkeit für sich was zu verändern.Sie ist in keinster weise kritkfähig noch möchte sie EigenVerantwortung übernehmen ;haben wir ja so vorgekaut ,jedes Steinderl ausn Weg geräumt damit unser Kind es besser haben könnte als wir es damals für uns in unserer Kindheit empfunden haben.Ich nenne diese Droge WohlstandsVerwahrlosung die sich durch alle Gesellschaftschichten zieht und auch vor vielen Türen unserer Freunde oder Bekannten zu finden ist und Einzug gehalten hat.Und solange dieser Zustand bei ihr anhält gibts ka weiterhelfen können . Wir haben aber erst durch Weiterbildung zu verstehen gelernt ,wie falsche Ideale ,Ansichten die wir weitervermittelt haben (die auch ähnlich von unseren Eltern vorgelebt bekommen ,anerzogen bekommen ) ..... Auswirkungen zeigen können obwohl es von uns damals nie so gesehen worden wäre.Um mit manisch depressiv,suizid gefährdeten Personen besser umgehen zu lernen ,bzw im Vorfeld manche Gefahren besser/schneller erkennen und wenn möglich abändern zu lernen oder auszuschliessen hat sich meine Frau da noch viel tiefer mit diesen Themen befaßt (in Foren zu solchen Themen ,mit Therapeuten,Ärzten......was aber trotz vieler Bemühungen nicht immer mit Erfolg gekrönt ist/war.)Wir machen uns aber keine Vorwürfe mehr weil wir für uns alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben ......soll aber nicht heißen das wir ausgelernt haben und nicht weiter am Ball bleiben . Trotz jetzt Gefahren besser sehen,erkennen können hat das im Bekanntenkreis öfter zu Misstimmungen gesorgt, nachdem es so eingetreten war wie vorerst beschrieben und Bekannten aufgezeigt.....; auch da wollte es nicht so gesehen werden .....; Ich wünsch Dir Alles Gute und finde es gut wenn man belastendes schreibt um nicht an sich selbst zu zweifeln,anderen möglicherweise damit zeigt das sie nicht "Allein in ihrem Schmerz gelassen sind/werden.
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  #25  
Alt 24.05.2012, 18:47
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
Zitat von mariopeter Beitrag anzeigen
Liebe Krimhild,

es gibt eine Zeit der Trauer. Aber du hast ein Leben und das kann nicht das ganze Leben mit Trauer belegt sein. Irgendwann musst du mal zu einem Abschluss kommen. Er hatte Leid und jetzt ist er vom Leid befreit. Wenn du ihn wirklich lieb hast, solltest du nicht glücklich sein, dass sein Leid vorüber ist? Was war ist vergangen. Es gibt für dich nichts mehr zu tun in der Vergangenheit. Du lebst hier und jetzt. Es gibt kein zurück mehr. Wie traurig auch die Vergangenheit war, schließe ab, lasse ihn los und akzeptiere es, dass dein Sohn kein Leid mehr hat und siehe vorwärts. Du leidest mehr als er, das wollte er sicher nicht. Heute machst du deine Zukunft.

Lg Mario

Lieber Mario,

vielen Dank, das Du Dir Gedanken um mich machst.

Das es meinem Kind gut geht, war für mich schon immer das Wichtigste. Nein, es gibt kein zurück mehr. Natürlich vermisse ich mein Kind mehr
als ich sagen kann. Doch ich werde mir nicht wünschen, das er wieder zurückkommt. Denn das würde auch bedeuten, das er wieder leiden müsste.


Liebe Grüße, Krimhild
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  #26  
Alt 24.05.2012, 18:49
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
Zitat von madma Beitrag anzeigen
Liebe Krimhild,

du bist eine sehr tapfere Frau,die mal alles über diese Krankheit
schreibt,über die nur hintenrum gesprochen wird.
Wie kann eine Mutter,ihr Kind vergessen?Wohl niemals.

Für Aufklärung,was wirklich geschah in den 10Jahren,bilden andere
Selbsthilfegruppen und du teilst es eben hier mit uns,ist es dein
Wunsch,vielen Dank dafür

von Herzen alles Liebe dir
madma

Meine liebe madma,

vielen Dank für Deine lieben Worte. Immer wieder machst Du mir Mut und baust mich auf.

Nein, niemals kann und werde ich meinen Sohn vergessen. Er wird immer ein Teil meines
Lebens sein, wenn auch jetzt auf eine ganz andere Weise.

Ich drück Dich mal ganz lieb,
Krimhild
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  #27  
Alt 24.05.2012, 18:53
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
Zitat von althea Beitrag anzeigen
Manchmal verstehen wir nicht,
manchmal können wir nicht verstehen.
Es bleibt immer die Liebe.
Die Liebe im Herzen und die Liebe in der Seele.
Nichts war umsonst,
auch wenn es so scheint.

Liebe Krimhild,
du kannst jetzt anderen Eltern helfen, die auch einen schweren Weg zu gehen haben, die Vieles nicht verstehen und verzweifeln.
Du kannst auch Jugendlichen helfen, denn die Liebe zu deinem Sohn spricht aus jeder Zeile, die du schreibst. Du weisst, wovon du schreibst. Du kennst den Schmerz, den Abschied und die Trauer. Du weisst, wie die Hoffnung dich erleuchtet hat, um dann doch der Trauer weichen zu müssen.
Du bist eine starke Frau. Respekt.
Althea
Liebe althea,

vielen Dank für das schöne Gedicht und Deine verständnisvollen Worte.
Es wäre wirklich schön, wenn meine Beiträge anderen Menschen in einer ähnlichen Situation
eine kleine Hilfe sein könnten. Du hast so Recht, es war für uns beide eine Achterbahn der
Gefühle. Ein ständiger Wechsel zwischen Angst und Hoffnung.

Es hat mir entsetzlich weh getan mein Kind leiden zu sehen und doch nichts tun zu können.

Ich möchte Dich (wenn ich darf) einmal ganz fest umarmen.
Liebe Grüße, Krimhild
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  #28  
Alt 24.05.2012, 19:01
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AW: Der unsichtbare Feind

Zitat:
Zitat von HaraldB Beitrag anzeigen
Ich habe mehrere Kunden ;Bekannte wo sich ähnliches zugetragen hat wie bei Dir.Ist leider das "Schlimmste wenn Eltern ihren Kindern nachschauen müssen .Problem bleibt aber das auch mit der Allerbesten Hilfe kein Durchdringen erfolgen kann wenn die betreffende Person seinen Letzten Ausweg spontan so als Abgang geplant hat.........;ein Sohn einer Bekannten hat sich während er mit seiner Schwester telefoniert hat vor den Einfahrenden Zug geschmissen und die Schwester hat am tel mitgehört, eine Kundin besucht ihren Mann im Spital teilt ihm vor Freude mit das er morgen entlassen wird und verlässt dann kurz das Zimmer; als sie zurück ins Zimmer kommt ist das Fenster geöffnet......,ein junger Mann kommt mit der Situation nicht klar das sich die Eltern scheiden lassen wollen, er geht in der Mittagspause aufs Dach seines Arbeitgebers .....,eine Freundin von mir war damals 21,frisch verheiratet,glücklich dachten wir ......sie telefoniert mit ihrer Mutter,machen sich am tel noch schnell aus wo sie einander treffen....danach steigt sie auf nen Sessel und erhängt sich!!!!!!klar wolten sie nie die Hinterbleibenen dadurch verletzen ,Existenzen ,Leben vernichten .......getan habens sie es aber vor lauter Angst vorm Leben (fehlenden Inneren Ressourcen und Egoismus) trotzdem.Keiner hat sich gefragt was geschieht wenn ich...,wie fühlen sich meine Eltern...was löse ich damit aus?Sie waren Selbst verantwortlich für ihre Entscheidungen!!!!!!und keine Sekunde haben sie an die anderen,Freunde,Eltern,Familie gedacht.......weil wenn wärs nicht geschehen.Mit diversen Techniken unter Hypnose/Geistheilung habe ich na klar an mir herumprobiert.....meine Frau hat uns eine Bibliothek angelegt mit dem Thema Mensch,Gesundheit,Psyche.Durchs lesen kamen wir zu dem Schluss der auch von Psychoärzten teilweise bestätigt wurde das "wir an/vor allem die Schuld tragen müssten " weil wir es waren die das an unseren Kind/ern verbrochen haben !! Wir wollten das für uns aber nicht so stehen lassen " das nur wir die Übeltäter sind , und uns gefälligst dafür schlecht zu fühlen haben !.......und so haben wir einige Seminare/Vorlesungen besucht,Prüfungen,Diplome gesammelt und sehn das heute als was es ist: in guten Glauben mit Bestem Wissen und Gewissen teilweise falsch gehandelt zu haben.Obwohl wir versucht haben mit Neu erlerntem Schadensbegenzung zu betreiben ,Fehlerquellen an zb unserer Tochter zu beheben,ihr gezeigt haben wie spielerisch leicht vieles an der eigenen Psyche abzuändern ist ,Ängste,Fobien,Anhaftungen,Wutausbrüche etc kontrollieren zu lernen.....Psychenbalsam aufzutragen ist,sich gute Gefühle herraufzurufen sind,Anker setzen lernen ,ein Schutzpanzer nur in Bestimmten Situationen notwendig ist ...sein gegenüber einschätzen zu lernen.....über Alles reden kann,ihr die Zeit gewidmet wird und aufmerksam zugehört wird.....etc.....sie hätte sehr viele Möglichkeiten ........um....... aber sie macht nichts daraus;es hat für sie einfach noch nicht die Wertigkeit für sich was zu verändern.Sie ist in keinster weise kritkfähig noch möchte sie EigenVerantwortung übernehmen ;haben wir ja so vorgekaut ,jedes Steinderl ausn Weg geräumt damit unser Kind es besser haben könnte als wir es damals für uns in unserer Kindheit empfunden haben.Ich nenne diese Droge WohlstandsVerwahrlosung die sich durch alle Gesellschaftschichten zieht und auch vor vielen Türen unserer Freunde oder Bekannten zu finden ist und Einzug gehalten hat.Und solange dieser Zustand bei ihr anhält gibts ka weiterhelfen können . Wir haben aber erst durch Weiterbildung zu verstehen gelernt ,wie falsche Ideale ,Ansichten die wir weitervermittelt haben (die auch ähnlich von unseren Eltern vorgelebt bekommen ,anerzogen bekommen ) ..... Auswirkungen zeigen können obwohl es von uns damals nie so gesehen worden wäre.Um mit manisch depressiv,suizid gefährdeten Personen besser umgehen zu lernen ,bzw im Vorfeld manche Gefahren besser/schneller erkennen und wenn möglich abändern zu lernen oder auszuschliessen hat sich meine Frau da noch viel tiefer mit diesen Themen befaßt (in Foren zu solchen Themen ,mit Therapeuten,Ärzten......was aber trotz vieler Bemühungen nicht immer mit Erfolg gekrönt ist/war.)Wir machen uns aber keine Vorwürfe mehr weil wir für uns alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben ......soll aber nicht heißen das wir ausgelernt haben und nicht weiter am Ball bleiben . Trotz jetzt Gefahren besser sehen,erkennen können hat das im Bekanntenkreis öfter zu Misstimmungen gesorgt, nachdem es so eingetreten war wie vorerst beschrieben und Bekannten aufgezeigt.....; auch da wollte es nicht so gesehen werden .....; Ich wünsch Dir Alles Gute und finde es gut wenn man belastendes schreibt um nicht an sich selbst zu zweifeln,anderen möglicherweise damit zeigt das sie nicht "Allein in ihrem Schmerz gelassen sind/werden.
Lieber Harald,

auch bei Dir möchte ich mich für Deine lieben und offenen Worte bedanken.
Das eigene Kind zu verlieren ist wohl eine der emotional schwersten Herausforderungen. Es fühlt sich falsch und verkehrt herum an. Denn eigentlich sollte ja die "Reihenfolge" eine andere sein. Ich glaube auch das es eine absolute Ausnahmesituation ist. Das eigene Leid, der Schmerz und die Hoffnungslosigkeit - all das wird übermächtig und läßt keine Gedanken an den Schmerz der Zurückbleibenden mehr zu. Es ist so wie Du sagst. Auch die grösste Liebe und die beste Hilfe ermöglichen oft kein Durchdringen, kein Erreichen mehr.

Mein Sohn traf seine Entscheidung schon vor vielen Jahren. Und tief in mir ahnte ich, das ich ihn verlieren würde. Doch es gab auch immer wieder Hoffnung und wirklich gute Phasen. Dann wirkte er so "normal" und gesund. Er agierte kraftvoll und hatte gut strukturierte Pläne. Daran habe ich mich geklammert. Als seine Mutter wollte ich mich nicht mit seinem Tod beschäftigen. Ich wollte das er lebt. Etwas anderes konnte ich nicht denken oder fühlen. Und dann war es ähnlich, wie Du es beschreibst. Er traf seine Entscheidung zu einem Zeitpunkt als er stabil schien. Er kaufte noch Möbel und freute sich sehr auf ein sportliches Ereignis. Nichts deutete in diesem Moment darauf hin.

Und Schuld ist leider auch ein Thema. Ich durfte meinen Sohn auf seinem Weg begleiten und ich kenne seine Gründe bis ins Detail. Doch oft braucht das Umfeld einen Schuldigen und findet ihn dann schnell bei den nahen Angehörigen, weil diese ja nicht hingesehen oder sich nicht interessiert haben. Wie Du auch schreibst - Aufklärungsversuche stoßen oft auf taube Ohren und sorgen für Misstimmung.

Vielen Dank für Deine guten Wünsche und ein lieber Gruß, Krimhild
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  #29  
Alt 24.05.2012, 19:09
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AW: Der unsichtbare Feind

(Fortsetzung)

Durch seinen Klinikaufenthalt begann sich auch mein bisheriges Leben auf den Kopf zu stellen. Ich selbst hatte einen jahrelangen Kampf gegen Gewalt und Missbrauch hinter mir. Dieser Kampf hatte tiefe Spuren hinterlassen. Und wohl auch bei meinem damals noch sehr kleinen Sohn. Die darauffolgenden Jahre hatte uns zusammengeschweißt. Doch mir war auch klar, das das alles (wie auch immer) in einem großen Zusammenhang stand. Und ganz langsam bekam ich das Gefühl, das mein Kind nun den Preis für alles bezahlen sollte. Dieses Gefühl brachte mich fast um, es machte mich wahnsinnig. Ein junger Mann, gerade mal 18 Jahre alt. Er hatte in seinem ganzen Leben nie jemand etwas Böses getan und so viele Pläne. Es war einfach nur brutal und ungerecht.

Mittlerweile kämpfte er sich durch die Therapie. Er saugte alles in sich auf und begann mit den ersten Skills. Das Leben auf der Station und das Zusammensein mit "Gleichgesinnten" taten ihm auf der einen Seite gut und durch den Austausch mit seinen Mitpatienten gewann er an Sicherheit. Er verstand das er mit seinen Gefühlen nicht allein war und das es Menschen gab, denen es genauso ging.

Auf der anderen Seite begann er Spielchen zu spielen. Er verstand es perfekt die Ärzte und Psychologen an der Nase herumzuführen. Das was niemand erfahren sollte, erfuhr auch niemand. Borderliner sind generell keine „bequemen“ Patienten und mein Sohn machte da wirklich keine Ausnahme. Er hütete sein Inneres wie einen Schatz und gewährte den Psychologen nur selten einen Blick in sein Gefühlsleben. Und auch dann war es oft nur ein oberflächlicher Einblick. Nur widerwillig nahm er die verordneten Medikamente, da er nicht das Gefühl hatte, sie würden ihm helfen. Er wollte nicht „betäubt“ werden. Welche Medikamente heute verabreicht werden, weiß ich nicht. Damals waren es hauptsächlich Benzodiazepine und Tranquilizer.

Auch unsere Kommunikation begann zu stolpern. Die Diskrepanz zwischen seinen 2 Seelen wurde sichtbarer. Die Anrufe im Krankenhaus wurden eine Art Lotteriespiel. Mal konnte er gar nicht schnell genug alles erzählen. Dann sprudelten die Worte förmlich aus ihm heraus. Er war optimistisch, fröhlich, liebevoll und interessiert. Eben einfach gut drauf. Dann wieder ging gar nichts. Dann war er abweisend, destruktiv und kalt. Er hatte eine unsichtbare Mauer um sich herum und gab mir das Gefühl ein Störenfried zu sein, der noch dazu keine Ahnung hat. Diese Gespräche taten mir besonders weh. Sie waren einfach nur krampfig und wir befanden uns in solchen Momenten auf 2 verschiedenen Planeten. Meistens beendete ich solche Gespräche ziemlich schnell, sie führten zu nichts. Im Gegenteil, er schien mich ganz bewusst verletzen zu wollen. Da er mich so gut kannte, wusste er auch um meine wunden Punkte und traf sie zielsicher. Mir war klar, das er etwas loswerden oder abladen musste. Und er hatte das Recht dazu, brauchte es wohl auch... Doch im Anschluss an solche Gespräche brach ich weinend zusammen und wusste nicht welches Gefühl stärker war. Angst oder Schuld!

LG Krimhild
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Alt 24.05.2012, 20:06
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PsiSnake PsiSnake ist offline
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AW: Der unsichtbare Feind

Hmm Krimhild, klingt alles heftig und ist dann leider auch nicht gut ausgegangen.

Da komme ich mir schon gesund vor. Bin nur "sozialphobisch" und depressiv, aber insgesamt sehr rational und habe keine Stimmungsschwankungen (Borderline-Krankheit). Wobei ich das auch kenne, dass man sich selbst im Weg steht (sein eigenes Problem ist).

Du klingst auch so (wenn ich das lese), als ob du eigentlich alles probiert hättest (falls du dir jemals Vorwürfe machst oder gemacht hast).
Vielleicht lässt sich einfach nicht jedes Problem notwendig lösen, selbst psychische Probleme nicht.

LG PsiSnake
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Wenn das Bewusstsein Wasser ist und die Welt das Meer, dann bin ich eine Welle.
Ich bin ICH ist die einzige Wahrheit. Wir sind uneins.
Realität ist eine Bewusstseinsmatrix.

Geändert von PsiSnake (24.05.2012 um 20:12 Uhr)
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